[ KONZERT Reviews]


Mittlerweile ist es für uns schon fast zur Tradition geworden, die Festivalsaison im bayrischen Hauzenberg zu eröffnen. Auch dieses Jahr wollten wir uns die Walpurgis Metal Days nicht entgehen lassen, lockte doch das Konzert mit der gewohnt coolen Mixtur aus Death, Black, Thrash und Pagan Metal zum munteren Headbangen. Die Wettervorhersage verhieß auch recht Gutes, was sich aber nur teilweise bewahrheiten sollte... Als wir am Freitag gegen halb zwei in Hauzenberg eintrudelten (dieses Mal sogar nach einer staufreien Fahrt), war das Festivalgelände schon brechend voll. Dies lag wohl in erster Linie daran, dass 2009 VITAL REMAINS, VADER sowie GRAVE auf der Speisekarte standen und jede Menge Publikum anzogen. So waren wir froh, noch eine kleine Lücke zu finden, wo wir unsere Zweitwohnung aufschlagen konnten, um uns dann mit dem ersten Bier in der Hand ein wenig auf dem Gelände umzuschauen. Bis zum Konzertauftakt hatten wir noch eine gute Stunde Zeit, uns den aus allen Richtungen erschallenden bayrischen Dialekt schönzusaufen und nach alten Bekannten Ausschau zu halten. Was uns übrigens gleich positiv auffiel, war, dass das Festzelt zum einen etwas größer, aber auch heller war als die Jahre zuvor.
Die erste Band des Tages waren dann die Bayreuther RAVENLORE, die uns bis dato unbekannt waren. Allerdings hatten wir zu dieser frühen Stunde noch nicht wirklich die Muse bzw. die Geduld, uns deren teils melodischen, aber auch aggressiven Black/Death Metal länger zu geben. Zur gleichen Zeit fing es auch ordentlich an zu schiffen, was für uns seltsamerweise interessanter war als die Darbietung der Band. Vielleicht lag es ja auch an unserem Musikgeschmack, jedenfalls blieb von RAVENLORE nicht viel hängen. Bei dieser Gelegenheit schauten wir uns erst mal bei den ganzen Labelständen um, wo wir auch gleich wieder unseren Ketzer-Alex entdeckten. Sofort fiel uns an seinem Stand der stylishe neue CD-Player im schicken Spermaweiß-Look ins Auge - gerade für ein ketzerisches Black Metal Label ist diese Farbe doch wohl das perfekte Aushängeschild... Inzwischen traf auch die G.U.C.-Crew um Rüdiger und Enni ein, die wir gleich am Eingang in Empfang nahmen.
Nach dem Begrüßungsritual war es Zeit für die Campaign-Schreiberlinge, POPPY SEED GRINDER live zu begutachten. Hat mich diese Band schon auf CD beeindrucken können, gefiel sie mir live noch ein ganzes Stück besser. Was mir bei dieser Tschechenhorde besonders positiv im Gedächtnis geblieben ist: dass man recht abwechslungsreiche brutale Death Metal Kost darbot und dies nicht nur auf tiefe Growls und Gurgelgesang beschränkte, sondern auch bei der Gitarrenarbeit jede Menge Talent bewies. Obwohl es erst die zweite Band des Tages war, waren bei POPPY SEED GRINDER schon ordentlich Leute im Zelt. Alles in allem ein sehr interessanter Auftritt, der mir sehr gut gefiel und der eine geballte Ladung Death Metal für alle Fans der härteren Gangart zu bieten hatte. Schaue ich mir gerne ein weiteres Mal an.


Wo eine Tschechenband auftritt, kann die nächste nicht weit sein, und so stand als nächstes der graue Wolf Vladi mit seiner Band FLESHLESS auf dem Schlachtplan. Auf diese Jungs habe ich mich gefreut, da ich sie bisher noch nicht live erlebt habe. Allerdings muss ich doch zugeben, dass FLESHLESS dann sehr eintönigen, keine Abwechslung bietenden Death Metal spielten. Während die Tschechen auf Konserve noch recht ordentlich und heftig auf die Gehörgänge einschlagen, sind sie live doch eher dürftig, und auch Sänger Vladi machte auf mich einen sehr trägen Eindruck. Auch so ging nicht wirklich viel auf der Bühne ab. Die Songs wurden heruntergenudelt, und fertig war die Laube. Sehr schade, davon habe ich mir definitiv mehr versprochen. Auch später am Merchandising-Stand von FLESHLESS wirkte Verkaufsmuffel Vladi eher wie eine Schlaftablette.


DORNENREICH, die als nächstes spielten, waren leider ebenfalls keine Offenbarung. Rayk flüchtete sowieso sehr schnell zum Cudgel-Stand, der alte Kunstbanause. Da mir die Band auf CD eigentlich gut gefällt, harrte ich noch länger vor der Bühne aus und wollte zumindest versuchen, der Show etwas abzugewinnen. DORNENREICH zeigten sich bei diesem Auftritt von ihrer schwarzmetallischen Seite, klangen dabei aber derart vertrackt, dass man den Songs nicht so recht folgen konnte und der Funke einfach nicht überspringen wollte. Da halfen dann auch die recht coolen Geigenmelodien und die schöne Lichtshow nicht weiter - das Material konnte einfach nicht zünden. Schade eigentlich.
Danach war das Thema Black Metal für diesen Tag abgehakt, und mit DISBELIEF stand die nächste Todesmetall-Truppe auf den Brettern. Die Hessen sollten eigentlich schon vor zwei Jahren auf dem WMD auftreten, waren damals aber im Stau stecken geblieben, so dass ihr Gig kurzfristig abgesagt wurde. 2009 konnte die Show nun endlich nachgeholt werden, und DISBELIEF gaben einen wirklich beeindruckenden Auftritt. Besonders live entwickeln ihre Songs immer wieder eine wirklich beeindruckende Brachialität und haben dabei gleichzeitig genug Eingängigkeit und einen Schuss Melodie zu bieten. Gerade Grunzbarde Jagger lief mal wieder zu Hochform auf und holte alles aus seinen Stimmbändern raus. Geboten wurden querbeet ältere und neue Songs, die durchweg überzeugen konnten.


Nachdem wir dann ordentlich Bier und Döner nachgetankt hatten, standen wir richtig im Futter für die nächste Schwergewichtsband. Mittlerweile war es gegen 21 Uhr und Gerre (der Benjamin Blümchen unter den Thrashveteranen) sprintete mit seiner Band TANKARD auf die Bühne, so dass sie im wahrsten Sinne des Wortes bebte. Wer uns kennt, sollte eigentlich wissen, dass wir beide nicht so die Thrash Metal Hörer sind, aber für uns stand dennoch fest: So eine stramme Band wie TANKARD sollte man mal gesehen haben. Es war schier unglaublich, was diese Band dem Publikum an Spielfreude entgegenschmetterte, und sowohl der Sound als auch die wirklich genialen Lichteffekte waren absolut top. Da soll noch mal einer sagen, übergewichtige Menschen bewegen sich nicht vom Fleck und sind unsportlich. Dass es auch anders, nämlich besser geht, bewies Gerre höchstpersönlich. Das Zelt war prall gefüllt mit lauter verrückten Thrashfreaks und anderen schrägen Vögeln, so dass es einfach nur kultig war, diese Band in Aktion zu erleben. Cooler Auftritt, kann man sich auf jeden Fall auch ein weiteres Mal anschauen. Nun trafen wir auch wieder auf unseren letztjährigen WMD-Bekannten Stefan aus Österreich, der dieses Mal outfittechnisch noch einen Tick stylisher dahertorkelte, was vor allem an seiner neckischen roten Perlenkette lag. Angeblich trug er die nur, weil sie zuvor drei Damen in ihren feuchten Mösen stecken hatten... Stefan, das kannst du deiner toten Oma erzählen, haha!! Nach reichlicher Belustigung und österreichischem Krocher-Dialekt war es dann wieder an der Zeit, Mister Feinripp-Unterhemd seinem Schicksal zu überlassen, damit er mit seiner Pornokette andere Personen belästigen konnte...
Nach so viel Spazz war es endlich an der Zeit, die dunkle, satanische Seite des Lebens heraufzubeschwören. Denn jetzt waren die Headliner des Freitagabends zugange, und es hieß: Vorhang auf für VITAL REMAINS. Heilandsack, was war ich gespannt darauf, diese Amis endlich mal live in Deutschland erleben zu dürfen. Schade nur, dass Mr. Glen Benton live für VITAL REMAINS nicht aktiv ist, aber der Kultstatus, der um diese Band rankt, machte sich vor allem am Anfang ordentlich an der Unmenge von Leuten im Konzertzelt bemerkbar. Es war wirklich der Hammer, was gerade bei den ersten Songs abging. Scott Wily, der für VITAL REMAINS live singt, ist doch ein guter Ersatz für Benton, denn Scott schreit und growlt in ähnlich giftiger Art seine satanischen Verse herunter. VITAL REMAINS boten eine mächtig böse Show, die wahrlich beeindruckte, jedenfalls anfangs. Vor Mitternacht ist doch eigentlich noch lange keine Zeit für einen Metaller, am Festivalabend das Bier- und Konzertzelt zu verlassen. Aber irgendwie leerte sich das Zelt immer mehr, und so unglaublich dies jetzt auch klingen mag, VITAL REMAINS schafften es durch ihre auf Dauer leider eintönige Art, dass sich im Publikum einige große Lücken auftaten. Auch wenn das Material mächtig brutal aus den Lautsprechern donnerte, war auch uns die technische Affinität teilweise schon wieder zu übertrieben, und auf Dauer ist Scotts Gesang einfach nicht ausdrucksstark genug, um die Leute bei der Stange zu halten.

Natürlich gab es trotzdem noch etliche Die Hard Anhänger, die VITAL REMAINS abfeierten, so ging zum Beispiel Enni vom G.U.C. ab wie ein rotes Mofa, was doch sehr amüsant mit anzuschauen war. Zu dieser Zeit hatte Rüdiger uns und der G.U.C.-Crew schon ordentlich Schlehenlikör eingeflößt (noch mal Danke an dich! Hat sehr gut geschmeckt...). So taute selbst der sonst recht schweigsame Ralf vom Dresdner Skullcrusher Club mal richtig auf, und es machte tierisch Spaß, dem sächsischen Dialekt in seiner Vollendung zu lauschen! (Vor allem im bayrischen Sprachexil...) Während wir noch lange am Tresen standen und über Satan und die Welt philosophierten, war es sehr seltsam mit anzusehen, wie sich gewisse Metaller in Anbetracht ihrer Wiedersehensfreude aufführten: Einige besoffene Metalfreaks entdeckten nämlich ihre exhibitionistische Ader, die dann in eher schwule Gefilde abdriftete, indem sie ihre nackten Ärsche aneinander rieben. Zum Glück gab es noch genug Bier, Schlehenlikör und ein geselliges Unterhalten mit den G.U.C.-Leuten, so dass wir über solche Entgleisungen nur lachen konnten. Nach diesen Ereignissen glaubten wir eigentlich, der erste Abend könnte keine weiteren Überraschungen mehr bereithalten, aber am Ketzer-Stand kann man immer wieder etwas dazulernen (was auch immer es sei...). Wer denkt, er sei hart, nur weil er Knoblauchzehen oder Zwiebeln roh isst, dem sei gesagt, dass dies nur ein lauer Furz im Winde ist im Vergleich zu der urschwäbischsten Ketzer-Art, Vitamine zu sich zu nehmen. Alex bot uns nämlich als Betthupferl zur Katerprävention leckere Zitronen zum Pur-Essen an, denn die sind ja bekanntlich weitaus günstiger als Orangen und haben mindestens genauso viel Vitamin C! So was kann nur vom Ketzer-Alex stammen, und da man ja die schwäbische Gastfreundschaft nicht ablehnen darf/will, und ich zudem eine perverse Frau habe, hat sie sich auf diesen Quatsch auch noch eingelassen... Mit meiner Vitamin-übersättigten Frau steuerte ich langsam Richtung Zelt und versteckte sie im Schlafsack, da ich irgendwie das Gefühl nicht loswurde, dass sie im Dunkeln leuchtete.

Wie auf dem WMD üblich, stand am Samstag morgens das erste Konzert schon recht früh, nämlich um zehn Uhr, auf dem Plan. Und wieder hatte man sich etwas Besonderes einfallen lassen, um die müden Metaller zu dieser Uhrzeit vor die Bühne zu locken. Nachdem der Samstagmorgen in den letzten zwei Jahren durch ULTRAWURSCHT eingeläutet worden war, hatte man sich dieses Jahr GRAILKNIGHTS herausgepickt, um die komödiantische Tradition fortzusetzen. Dass dies eine richtig gute Idee war, merkte man an der wahnsinnig großen Meute vor der Bühne, aber auch daran, dass viele einfach mit so einer genialen und lässig lustigen Band kaum gerechnet hatten. Nachdem uns Frank von Cudgel diese Band wärmstens empfohlen hatte, gingen wir einfach mal schnurstracks mitten ins Geschehen hinein, um uns überraschen zu lassen. Hatten schon die oben genannten Ultrawürschte einen Heidenspaß verbreitet, setzten die Gralsritter noch einen obendrauf, indem sie zuallererst rein optisch mit ihren knallbunten Superheldenkostümen komplett aus dem Rahmen fielen, was schon für eine gewisse Komik sorgte. Nachdem man über die Mode der vier Kollegen reichlich abfeiern konnte, war es aber an der Reihe zu sehen, ob die Jungs auch musikalisch was draufhaben. Von der ersten Minute bis zum allerletzten Bonustrack hielt die Chaotentruppe aus Niedersachsen ihr Publikum vor der Bühne, und es gesellten sich immer noch munter neue Leute hinzu. Tja, davon konnten wohl VITAL REMAINS nur träumen... Rein muckemäßig boten die bunten Helden eine Mixtur aus Pagan, Power und Death Metal, der dermaßen geil und überzeugend rüberkam, dass es eine wahre Freude war, die Songs zu hören. Ein besonderes Highlight war dabei das Bonnie Tyler Cover "I Need A Hero", was in coolen Ritter-Metal umgewandelt wurde. Nach jedem Song gab es immer eine abgedrehte Geschichte sowie einige sehr lustige Überraschungen auf der Bühne. Denn man blickte nicht nur dem Tod persönlich in die Augen, sondern lief auch des öfteren mal einem sehr garstigen Troll in die Arme. Dies nicht genug, hatte man auch während der Songdarbietungen noch einen gefährlichen Drachen zu besiegen. Mit viel Witz und Gageinlagen haben GRAILKNIGHTS einen wahrhaftig lustigen und genialen Auftritt zelebriert, wie es bisher noch keine andere Band zur morgendlichen Stunde geschafft hat. Mit einer Spielzeit von einer guten Stunde überzog die Band zwar ihre eigentliche Auftrittsdauer, aber dies störte überhaupt niemanden, ganz im Gegenteil. Alle hatten ihren Spaß, und die Meute ging so dermaßen geil und schräg ab, dass man sogar rosa gekleidete Piraten sowie abartige dicke Menschen in Omas Nachthemd zu sehen bekam. Muss man miterlebt haben!

Bei so viel Spaß schmeckte auch schon wieder das erste Frühstücks-Bier. Das Wetter war nun nach dem sehr durchwachsenen Freitag auch richtig sonnig geworden, so dass der Matsch an den Schuhen langsam trocknen konnte. Beim Rundgang übers Gelände fiel uns auf, dass es dieses Mal vier Stände mehr gab als im letzten Jahr. So hat man neben den gewohnten deutschen Mailordern/Labels dieses Jahr auch polnische und slowakische Nachbarn eingeladen.
Nach reichlicher Geldausgabe ging es zurück ins Konzertzelt, denn es standen die Bayern SCARS REMAIN auf der Tagesordnung. Die junge Band bot eine gute Mischung aus wütendem, heftigem Death Metal mit gelegentlichen Metalcore/Deathcore Einflüssen dar, was mir doch ganz gut reinlief. Sänger Michael sah dabei aus wie der kleine Bruder von GOREFEST-Sänger Jan-Chris. Obwohl die Band einen überzeugenden Auftritt darbot, hatten es die Bayern Zuschauer-mäßig etwas schwer, da sich viele Fans nach dem GRAILKNIGHTS-Auftritt schon wieder verzogen hatten, um ihr Weißwurst-Frühstück zu verdauen.
In der Mittagshitze hieß es dann, endlich mal wieder ein paar Österreicher auf die Menschheit loszulassen, denn SCARECROW N.W.A. waren die nächsten, die es zu bewundern gab. Leider können wir nicht allzu viel zu deren Material sagen, denn die Mischung aus melodischem, teils progressivem Dark/Death Metal war nicht ganz so unser Ding, da vor allem der Gesang doch arg schräg, um nicht zu sagen schwülstig klang, so dass wir uns recht schnell wieder forttrollten.
Rechtzeitig zu ARTAS waren wir wieder im Zelt und konnten miterleben, wie die Wiener mit schwarzer Flagge und Vermummung auf die Bühne stürmten. Auch wenn uns die Songs der Truppe auf Konserve etwas zu modern klingen, konnte die Band live richtig was reißen. Vor allem die Bühnenpräsenz war wirklich beeindruckend, denn so energiegeladen und wieselflink war bisher noch keine Band über die Bretter gefegt. Der Bassist stolperte vor lauter Hüpfbegeisterung sogar über seine eigenen Füße und kippte nach hinten weg, war aber sofort wieder auf den Beinen, um weiterzuspielen. Das nenne ich vollen Körpereinsatz! Musikalisch konnten die Ösis mit ihrer wütenden Mischung aus Death und Thrash ebenfalls punkten, und live störten auch die modernen Einflüsse nicht weiter. Schließlich überraschten ARTAS noch mit ihrer coolen Interpretation von Coolios "Gangsta's Paradise", die auch beim Publikum sehr gut ankam.
Nach diesem aggressiven und sehr sportlichen Auftritt ging es dann eher gemächlich weiter, denn FJOERGYN aus Thüringen wurden dieses Mal nach Hauzenberg eingeladen, um ihren sehr melodischen Dark Metal mit Pagan Einflüssen unters Volk zu bringen. Wir hatten diese Band schon mal Ende 2006 in einem kleinen Thüringer Club gesehen, wo sie einen sehr interessanten Auftritt darboten. So waren wir gespannt, was die Jungs dieses Mal zu bieten haben. Aber irgendwie waren wir nach dem Auftritt von ARTAS nicht in der richtigen Stimmung für milde, leise, lauwarme Melodien. Außerdem wies das neue Material auch bedeutend mehr klare Gesangspassagen auf, die für uns zu dieser Stunde irgendwie überhaupt nicht gingen. Um es mal auf den Punkt zu bringen: Es war eher einschläfernd! Schade, denn die Jungs haben echt was drauf.
Pünktlich zur Kaffee-, Kuchen- und Bierzeit stapften dann IN SLUMBER auf die bayrischen Bretter und holzten gleich mal ordentlich drauflos. Ihren Stil kann man am ehesten als sehr groovigen, teils melodischen Death Metal beschreiben, der von tiefen Growls bis hin zu melodischen Gesangseinlagen alles zu bieten hatte. An für sich war die Mucke nicht verkehrt, aber wir zogen uns dann doch lieber zum gemütlichen Schlagabtausch mit Ketzer-Alex zurück.
Als nächstes standen dann die Lokalmatadoren und Mitveranstalter des Festivals WOLFCHANT auf dem Zettel. Und wenn man mal rein von der Optik ausgeht, konnte man eher glauben, die Jungs kämen aus dem Ruhrpott, sahen sie doch aus wie kohleverschmierte Kumpels:. Kurz vor dem Festival hatten wir noch gelesen, dass WOLFCHANT vor kurzem ein neues Album veröffentlicht haben, und so waren wir umso mehr gespannt, diesen wild gewordenen Haufen ein weiteres Mal live zu sehen. Soweit so gut. Für dieses Konzert war eine Spezialshow mit Gastauftritten angekündigt, aber im Nachhinein müssen wir sagen, dass wir gerade auf den Gastgesang von Michael Seifert (REBELLION) gern verzichtet hätten. Während Lokhi gewohnt ruppig ins Mikro keifte (kam live noch eine ganze Ecke aggressiver rüber als auf CD!), knödelte der Gastsänger im übelster Power Metal Manier daher, was uns Krampfadern in den Ohren bescherte. (Auch wenn das einige Leute offensichtlich anders sahen...) Nun ja, wenn man von diesem überflüssigen Gejodel absieht, war es ein recht gelungener Auftritt, der auch vom Publikum ohne Ende abgefeiert wurde. Hier war der Heimvorteil der Pagan Horde ganz deutlich zu merken, denn die Meute ging ab, dass es eine wahre Freude war.
Nachdem nun alle schon in bierseliger Partylaune waren, stand als nächstes mit DEBAUCHERY genau die richtige Band auf dem Plan, um das Haupthaar ordentlich durchzuschütteln. Obwohl Leute, die nur geringfügige Ahnung haben, diese Schwaben ja gern wegen ihrer angeblichen Einfallslosigkeit und Primitivität kritisieren oder belächeln, finden wir, dass DEBAUCHERY gerade live immer wieder geil sind. Der groovende und eingängige Death Metal macht einfach nur Spaß, und man merkt der Band auch immer wieder an, dass sie ihre Songs mit Begeisterung zockt. Natürlich präsentierten sich die Jungs wieder mit reichlich Kunstblut bemalt, und Sänger Thomas feuerte das Publikum mit seiner gewohnt lässigen Art zum Abgehen an. Da DEBAUCHERY als alte Schwaben natürlich immer fleißig am "Schaffe, Schaffe, Lieder Aufnehmen" sind, konnten sie neben alten Gassenhauern wie "Blood For The Bloodgod" oder "Back In Blood" auch Songs vom brandneuen Album "Rockers and War" präsentieren, die ebenfalls sofort ins Ohr gingen. So war es natürlich klar, dass wir nach dieser saugeilen Show sofort zum Verkaufsstand stürmten, um uns die neue Scheibe zuzulegen.
Im Anschluss bot der Auftritt von SINISTER eine willkommene Gelegenheit für eine Verschnaufpause. Hatten uns die Holländer schon letztes Jahr auf dem Way of Darkness mit ihrer einschläfernden Bühnenpräsenz enttäuscht, so setzten sie diese Tradition auf dem WMD gekonnt fort. Diese arroganten Schnarchnasen standen wieder dermaßen lustlos auf der Bühne herum, dass einem echt die Augen einschliefen! Auch musikalisch fanden wir die Tulpenstreichler eher nichtssagend, so dass wir lieber mal nach draußen latschten, um uns ein bisschen zu unterhalten.


Nach dieser doppelten Portion Todesmetall war es nun endlich mal wieder an der Zeit, satanisches Gedankengut nach Hauzenberg zu bringen. Denn nun standen die Belgier ENTHRONED auf dem Schwarzen Brett. Auf die Jungs hatte ich mich eigentlich gefreut, denn ich habe sie bisher noch nie live erleben dürfen. Da mir gerade ihre älteren Sachen auf CD sowie auf Platte recht gut gefielen, war ich doch sehr interessiert, was uns da erwartet. So eierten wir dann auch recht zügig ins Zelt, um zu schauen, was die Schwarzheimer zu bieten haben. Wir müssen aber gestehen, dass wir nach gut 20 Minuten die Nase voll hatten von deren Material. Nicht dass ENTHRONED einen schlechten Auftritt geboten hätten, nein, es lag eher daran, dass die Songs doch alle sehr ähnlich klangen. Teilweise hatten die Jungs auch etwas mit dem Sound zu kämpfen, da alles ein wenig verwaschen rüberkam, so dass wir recht schnell das Weite suchten, um uns lieber noch ein wenig mit den G.U.C. Leuten zu unterhalten.

Nachdem wir uns noch eine Weile am Biertresen aufgehalten hatten, sahen wir auch endlich wieder unseren österreichischen Krocher von weitem, wie er in unnachahmlicher Weise durchs Zelt schlurfte, jetzt mit einer Salatgurke in der Hand. Die bot er jedem weiblichen Gast, der nicht rechtzeitig flüchten konnte, zur Mundprobe an, um zu prüfen, wer sie am weitesten in den Hals stecken kann. Erstaunlicherweise kamen doch einige der weiblichen Metalfans dieser Aufdringlichkeit nach (dem Alkohol sei dank).
Nun flugs auf die Uhr geschaut, oha, es war Zeit für einen der ältesten schwedischen Elche, denn GRAVE machten gerade ihren Soundcheck, und es war für uns einfach Pflicht, diese Death Metal Veteranen live mitzuerleben. Die Schweden hielten sich gar nicht erst mit einem Intro auf, sondern bretterten sofort mit ihrem alte Schule Death Metal ziemlich genial nach vorne los und zeigten gerade den jüngeren Fans, wie sich ordentlicher Death Metal anhört. Das Zelt war jetzt brechend voll, und man merkte der Band an, dass sie verdammt Spaß hatte, auf dem WMD zu spielen. Die Schweden hatten neben einigen neuen Songs vom Album "Dominion VIII" auch ein paar richtige gut abgehangene alte Elchschinken mit im Gepäck. Die dufteten so herrlich nach purer Rotzigkeit, dass es einfach nur Spaß machte abzugehen und der Band den gebührenden Tribut zu zollen. Man übte sich zwar wieder mal in typischer skandinavischer Zurückhaltung, was die Kommunikation angeht, aber das ist man ja von den Nordlichtern ohnehin gewohnt. Zum Ende hin taute dann auch endlich Sänger Ola etwas auf, und es war schon sehr interessant mit anzusehen, wie solche alte Hasen noch so verdammt heftigen und extremen Death Metal spielen können. Einfach herrlich, könnten wir uns auf jeden Fall noch ein paar Mal anschauen.

Nach so viel Ikea-Mentalität mussten wir endlich wieder etwas für unsere Kaumuskulatur tun und die bayrische Imbisswirtschaft ankurbeln. Dabei bogen wir natürlich auch noch mal zu unserem verwaisten Bruder Ketzer-Alex ab. Da Alex besonders liebenswerte und hilfsbereite Freunde hat, die sich um seine finanzielle Situation sorgen, hatten diese inzwischen versucht, mit dem heimlich angebrachten Hinweisschild "Bin arm, brauche Geld" die Kundschaft zum Kaufen anzuregen. Da meine Gattin nicht mit ansehen konnte, wie der Ketzer total verarmt, kaufte sie auch prompt zwei CDs von Alex. Da aber die beiden Bands, nämlich TYR und MORBOSIDAD, unterschiedlicher nicht sein könnten, bekam der Ketzer auch so Gelegenheit, ein bisschen rumzunörgeln: "Hanoi, des passt doch überhaupt net zamme!"
Ein Blick auf das Zeitmessgerät, inzwischen war es weit nach 22 Uhr, und es hieß für die Headliner VADER, das Festivalgelände mit ihrem technischen Death Metal regelrecht zu zerbomben. Obwohl wir beide nicht wirklich Anhänger der Polen-Horde sind, wollten wir doch zumindest mal reinschauen. Wie es scheinbar bei allen großen polnischen Bands der Fall ist, gab es auch bei VADER eine exzellente und saugeile Lichtshow. Was ebenfalls sehr positiv in Erinnerung blieb, war der sehr gute Sound. Man bot eigentlich ein sehr vielseitiges Programm aus ihren bisherigen Alben dar. Aber nach gut einer halben Stunde verzogen wir uns dann mal wieder Richtung Schlehenlikör, wo wir von Rüdiger und Enni ein weiteres Mal eingeladen wurden. Und so fiel die Entscheidung zwischen VADER und dem Getränke-Geheimtipp natürlich recht leicht. Mann oh Mann, das schmeckt aber auch geil! Während wir uns mit Rüdiger regelrecht festquatschten, spielten die Polen noch ewig weiter, und ich finde, gerade wenn man VADER nur so nebenbei hört, sind sie gar nicht mal so schlecht, hähä. Nee, mal im Ernst, VADER sind sicherlich eine gute Band, aber wir stehen nun mal nicht so auf diesen Frickel Death Metal, der uns doch etwas zu überladen wirkte. Aber spätestens kurz vor Mitternacht hieß es dann auch für VADER, die Bühne zu räumen, und so ging der zweite und letzte Festivaltag wieder viel zu schnell zu Ende. Nachdem wir noch einige leckere Tröpfchen verhaftet hatten, machte sich aber auch bei uns allmählich die Müdigkeit breit, so dass wir langsam aber sicher zu unserem Zelt zurückwankten, um uns die verdiente Mütze Schlaf zu holen. Guts Nächtle!

Rayk + Katja