[
REVIEWS ]
N
NAPALM
DEATH - Smear Campaign -Cd
Hoppla, schon wieder ein neues NAPALM DEATH-Scheibchen? Das ging aber
schnell, vielleicht etwas zu schnell. Ist eher so was wie 'nen klassischer
Schnellschuss geworden. Mit so einem Hammer wie "The Code Is Red
"
haben wir es jedenfalls nicht zu tun, denn obwohl es z.T. wieder sehr
amtlich eins auf's Fressbrett gibt, so haben sich leider auch einige
Füller eingeschlichen. Verdammt Leutz, so was habt ihr doch nicht
nötig! Zum überflüssigen Material gehören "Weltschmerz"
(äußerst sinnloses Intro), "When All Is Said And Done"
(zieht sich ewig hin und zündet nicht so richtig), "In Deference"
(wird durch die dahinwabernde Gaststimme der THE GATHERING-Heulboje
kaputt gemacht-igitt!), "Identity Crisis" (klassischer Füller
und leider nicht der einzige seiner Art) und natürlich "Smear
Campaign" (hundserbärmlicher, experimenteller Titeltrack ohne
jeglichen Biss). Und überhaupt ist nach der Hälfte der Spielzeit
irgendwie die Luft raus, schade! Somit haben die Napalmer meine These
widerlegt, welche besagt, dass es mit ihnen seit "Enemy Of The
Mussic Business" wieder kontinuierlich bergauf geht. Zu gute halten
muss ich ihnen allerdings, dass es trotz allem auch echte Kracher zu
hören gibt. Zum Beispiel das Dreiergespann "Sink Fast Let
Go" / "Fatalist" / "Puritanical Punishment Beating"
(diese Tracks hätten ohne Probleme zu einer amtlichen Ep getaugt,
anstatt auf einem durchschnittlichen Album rumzudümpeln). Was bleibt
ist die wohl durchschnittlichste NAPALM DEATH-Scheibe seit "Words
From The Exit Wound" bzw. "Inside The Torn Apart". Also
Jungs, das nächste Mal nehmt Euch ein bisschen mehr Zeit fürs
neue Album und verschont uns bitte mit Gastauftritten von Pissnelken
wie Anneke Van Giersbergen (THE GATHERING) und der ganzen Durchschnittsgülle.
Campaign For Musical Destruction statt "Smear Campaign", you
know?! [Century Media] Gerste
NASHGUL
/ SEWN SHUT - Split -7"
Und es stimmt eben doch: History repeats! Genau wie das im letzten Jahr
mit LOOKING FOR AN ANSWER der Fall war, so hat mich auch 2006 wieder
eine relativ neue spanische Grindcore-Band mächtig aus den Socken
gehauen! Es handelt sich dabei um die mächtigen NASHGUL, die sich
Ende 2001 in La Coruna formierten, kurze Zeit später ein Demo veröffentlichten
und um die es dann (Line-Up bedingt) erst mal still wurde. Anfang 2003
rollte der Grindpanzer dann wieder und man startete Live- und Releasetechnisch
ordentlich durch. Fest steht, dass sie (wie auch L.F.A.A. (allerdings
ohne sich gegenseitig zu malträtieren-ich erinnere an die legendäre
Nasenbeinfraktur beim L.F.A.A.-Gig im Juli 2005 in Leipzig!)) live (Obscene
Extreme 2006!) genauso abgehen wie auf Platte, denn Leute, die von sich
selbst sagen "We play Grindcore with political/social lyrics, but
we´re opened to other different styles like Death Metal, Hardcore,
Crust or Sludge." und frühe NAPALM DEATH, frühe CARCASS,
BRUTAL TRUTH, ASSÜCK, TERRORIZER, NASUM, RETALIATION, DENAK
als Einflüsse angeben, können einfach keinen schlechten Krach
fabrizieren! Was sie außerdem mit L.F.A.A. verbindet ist die Tatsache,
dass ihr bisher geilstes Material auf Power It Up erschienen ist. Es
handelt sich dabei um die hier reviewte Split-7", auf der NASHGUL
4 mal alles in Grund und Boden grinden, als ob es kein morgen gäbe!
Geilst! Das sollte jeder Grindfreak gehört haben! Leider habe ich
es nicht geschafft, die Bands im CFMD #13 zu interviewen. Das wird allerdings
im CFMD #14 nachgeholt! SEWN SHUT aus Schweden dürften in Grindcorekreisen
relativ bekannt sein, denn sie ließen es in der Vergangenheit
schon oft krachen (soviel mir bekannt ist immer in Form von Splits oder
Samplerbeiträgen, wann kommt der 1. Longplayer?). Dieses mal haben
sie 3 Songs im Gepäck. Ballistisch bzw. schwerst runtergetuned
wie immer, aber gegen NASHGUL sehen selbst sie etwas blass aus (obwohl
sie mit ihren Beiträgen hier auch in der Oberliga mitspielen).
[Power It Up, www.power-it-up.de] Gerste
NEAERA
- Let The Tempest Come -Cd
Was soll ich dazu noch sagen? Der Name NEAERA sollte mittlerweile kein
unbekannter mehr sein! Wurde die alte Scheibe der Münsteraner noch
als Metalcore verschrien, so bekommt man hier puren Metal zu hören,
der sehr schwedisch und aus Göteborg-mäßig klingt. Hier
und da mag man noch Hardcore-Einflüsse finden, aber die stehen
dem Ganzen nicht im Wege und fügen sich gut ein. Gleich mit dem
Opener "Mechanisms Of Standstill" wird das Chaos eingeleitet
und man zeigt, was Sache ist. Und so geht es die komplette Scheibe durch!
Eine Gitarrenmelodie jagt die nächste und ein Nackenbrecherriff
jagt das andere! Das Ganze kann man dann auch bei dem Titelstück
der Scheibe "Let The Tempest Come" hören, welches einer
meiner Lieblingsstücke der ist! Im Vergleich zum Debüt Album
"The Rising Tide Of Oblivion" ist die Scheibe viel runder
ausgefallen, was den ein oder anderen vielleicht nicht so schmecken
wird. Beim Song "God-Forsaken Soil" konnte man dann auch den
Sänger von END OF DAYS, Kevin Otto, mit dazu gewinnen und auch
Jakob Bredahl von HATESPHERE ist mit seinem typischen Gesang bei dem
Song mit vertreten. Und was höre ich denn da? Bei "Heavenhell"
bedient man sich am Anfang sogar von neueren IN FLAMES-Melodien und
gibt diese 1:1 wieder, was mich als IN FLAMES-Lieberhaber allerdings
nicht stört, wie ihr Euch denken könnt! Auch ein Hammersong,
der nur so vor Atmosphäre und Energie strotzt! Mit "Life Damages
The Living" bekommt man dann auch noch fast zum Schluss ein Instrumental
zu hören, wo man das Ganze fast schon ausklingen lassen will, so
macht es zumindest den Eindruck. Mit "Scars Of Gray" bläst
man dann aber noch mal mächtig zur Attacke und setzt den Schlusspunkt
einer durch und durch gelungenen Scheibe. Das Teil kommt übrigens
in einem schönen Digipack und macht sich gut in (m)einer Cd Sammlung.
Wichtiger ist es aber noch ist zu erwähnen, dass das Ganze in einer
fetten Produktion kommt, die wieder NEAERA-typisch ist und Dir einfach
nur Deinen Schädel wegblasen wird! Für mich ist es eine der
besten Scheiben des Jahres! [Metal Blade] Marcus666
NECRONY
- Poserslaughter Classics Remasters -Cd
Irgendwann gegen Ende der Neunziger bekam ich mal ein Zine in die Griffel,
dem eine Sampler-Cd beilag, auf der sich ein Song von NECRONY befand.
Der war so grottenbeschissen, dass es mir seither absolut schleierhaft
war, warum um diese Band immer so ein Kult gemacht wurde und ich mich
nicht weiter um NECRONY kümmerte. Ein paar Jährchen später
vermachte mir jemand seine gesamte Ep-Sammlung, bei der auch NECRONY´s
"Mucu-Purulent Miscarriage"-7" dabei war und hey, plötzlich
sah die ganze Sache schon ganz anders aus, denn darauf rulte CARCASS-infizierter
Grindcore der alten Schule. Des Rätsels Lösung: Der Track
von dem Sampler war der Titelsong der Abschiedssingle "Under The
Black Soil", die man getrost vergessen kann, da sie nicht mehr
viel mit den blut- und eiterverschmierten Roots der Band aus Schweden
zu tun hat. Was hingegen vorher an Releases raus kam, gehört jedoch
in jeden gut organisierten Grindhaushalt, dürfte aber mittlerweile
im Original nur noch schwer bzw. zu gepfefferten Preisen erhältlich
sein. Aber keine Angst, es gibt ja jetzt diesen Re-Release, wo die ganzen
Klassiker in remasterter Form vertreten sind und der folgenden Stoff
beinhaltet: die "Pathological Performances"-Full Length von
1993, die "Necronycism: Distorting The Originals"-Mcd von
1994 (mit geilen Coverversionen von CARCASS (logisch!), IMPETIGO, REPULSION,
BOLT THROWER, NAPALM DEATH und CARNAGE), die "Mucu-Purulent Miscarriage"-7"
von 1991 (meiner Meinung nach das unumstrittene Meisterwerk der Band)
und schließlich die ersten beiden Tracks des "Severe Malignant
Pustule"-Demos von 1991. Insgesamt ist das 28 mal schwedische Grindcore-Vergangenheitsbewältigung
in knapp 90 Minuten, bei der neben dem unüberhörbaren CARCASS-Einfluss
auch immer wieder eine satte Portion Old School Schweden Death durchschimmert
(vor allem bei "Pathological Performances"). Und nur so am
Rande ist es vielleicht interessant zu erwähnen, dass diverse NECRONY-Musiterroristen
damals so ´nen kleines Nebenprojekt namens NASUM an den Start
brachten
R.I.P.! [Poserslaughter Rec., poserslaughter@bossmail.com]
Gerste
NECROSIST
- When Day Dies -Lp
Bandnamen mit "Necro" scheinen bei Teilen der so genannten
"extremen Musikszene" hoch im Kurs zu stehen, man denke nur
an NECROPHAGIA, NECROPHAGIST, NECRONY, NECROTIC FLESH, NECROTERIO, NECROCANNIBALISTIC
VOMITORIUM (auweia!) und so weiter und so fort
Seit Anfang September
diesen Jahres habe ich Kenntnis von einer weiteren "Necro-Herde",
denn da flatterte die neue Lp von NECROSIST bei mir rein. Die mir bis
dato unbekannte Death/Thrash Band aus Germoney ist schon seit einer
halben Ewigkeit dabei, veröffentlichte bereits 1991 ihr erstes
Demo "Faces Of Death" und war auch die folgenden Jahre nicht
untätig, denn weitere Releases und Samplerbeiträge folgten.
Jetzt, im Jahre 2006, schlagen sie also mit einer auf 500 Handnummerierte
Exemplare limitierten 12 Song (inkl. Intro) Lp zu. Die haben sie im
guten alten D.I.Y.-Verfahren selbst herausgebracht. Auch das Coverdesign
etc. stammt direkt von der Band und eine Cd-Version gibt es (soviel
mir bekannt ist) nicht. Respekt die Herren! So etwas erlebt man (gerade
was den Metalsektor betrifft) in der heutigen Zeit nur noch ganz selten.
Vom Stapel gelassen wird brutaler, old schooliger Death/Thrash mit melodischem
Einschlag, der mich an das erinnert, was ca. Ende der Achtziger/Anfang
der Neunziger (als Death und Thrash miteinander verschmolzen und es
in diesem Genre richtig abging) so veröffentlicht wurde (evtl.
erinnert sich der ein oder andere "Veteran" (wie ich) noch
an Kracher wie "Beyond The Unknown" von INCUBUS oder andere
Hämmer). Mit gefälliger Death Metal-Stangenware, wie sie heute
den "Markt" überschwemmt, haben NECROSIST jedenfalls
nichts zu tun. Ich mag einfach dieses sympathische Old School-Flair,
wegen dem ich auch andere Bands wie z. B. die mächtigen PURGATORY
(Greetz!) in mein Herz geschlossen habe. Über die musikalischen
Fähigkeiten der Herren Musiker, den kraftvollen Gesangsstil und
den Sound (aufgenommen wurde im Soundforge Studio unter der Regie von
Andreas Hilbert) kann sich meiner Meinung nach nicht beschwert werden.
D.I.Y. as fuck und Old School to the bone - so macht Metal Spazz! [Kontakt:
Ron Schaffer-Voss, Zum Gutshof 13a, OT Mühlhof, 17291 Prenzlau,
www.necrosist.de, steffi_micha1@gmx.de] Gerste
NEEDFUL
THINGS - Dead Point -Lp
NEEDFUL THINGS ist nicht nur der Name einer ziemlich coolen Stephen
King Novelle bzw. der (ausnahmsweise ebenfalls mal sehr ordentlichen)
Verfilmung dieser Geschichte, sondern auch der Name einer nunmehr schon
seit gut 11 Jahren existierenden Grindherde aus Tschechien. Diese legt
nun, nach einem Arsch voller Splits und Samplerbeiträge, ihre (soviel
mir bekannt ist) erste Full Length hin (die Vinylversion ist ziemlich
neu, die Cd gibt's hingegen schon 'ne Weile). Zu hören bekommt
man genau das, was man von einer Band erwartet, die in ihrer Thanxliste
NASUM und NAPALM DEATH für die Inspiration dankt. Kein Wunder also,
dass da bei mir direkt Erinnerungen an "Domedagen" und "Industrislaven"
der Schweden bzw. "Mentally Murdered" und "Harmony Corruption"
der Napalmer erwachen, wenn ich Platte auflege. Und wenn ihr diesen
Stoff genauso gerne hört wie ich, dann könnt ihr mit dem Erwerb
von "Dead Point" eigentlich nichts falsch machen. Es wird
nicht nur auf Teufel komm raus geblastet, sondern man ist schon auch
um Struktur bemüht und scheut nicht davor zurück, das Tempo
im richtigen Moment zu drosseln. Auch groovt man ganz gerne mal, ohne
an Brutalität einzubüßen. Die Grindkompositionen von
NEEDFUL THINGS bewegen sich im Durchschnitt so um die 2 Minuten. Mit
"Disease Of Mind/True Lie", was es immerhin auf 4:23 Minuten
bringt, hat man jedoch ein für Grindcoreverhältnisse geradezu
monumentales Stück raus gehauen. Kurze, knackige 1-1½ Minuten
Knüppler gibt's aber auch. Dazu röhrt Sänger Tomas tief
und kraftvoll ins Mic. Bei 3 Tracks wird er unterstützt von einer
Frau namens Zdisha und hey, da geht es richtig zur Sache! Auch Drummer
Hroch darf beim Song #15, dem NAPALM DEATH Cover "Low Point"
(im Original auf der "Inside The Torn Apart"-Langrille zu
finden), rumbrüllen was das Zeug hält und kommt dabei ziemlich
nah an good old Barney ran. Schönes Ding! [Power-It-Up, www.power-it-up.de
in Zusammenarbeit mit Tower Violence Rec., Out Of Control Rec., Psychotherapy
Rec. und Nightmare Rec.] Gerste
NUCLEAR
WARFARE - We Come In Peace -Cd
Wie, man kommt in Frieden? Eine Band, die als Thema den Krieg hat, mit
so einem Albumtitel! Brüller! "We Come In Peace" ist
das zweite Album der Schwaben und wurde wieder in Eigenproduktion hergestellt!
Das Teil kommt wieder mit einen schönen farbigen Booklet und Cover,
auf welchem (wie soll es anders sein?) natürlich Soldaten (dieses
mal mit Flammenwerfern) drauf sind. Der Sound ist zwar nicht so druckvoll
wie auf dem Vorgänger "War is Unleashed", dafür
sind die einzelnen Instrumente besser raus zu hören. Geboten bekommt
man, wie gewohnt von den vier, Thrash Metal der Achtziger. Alte SODOM
und KREATOR lassen mal wieder grüßen, wobei man im Gitarrenspiel
frischer klingt und gesangstechnisch nicht bloß schreit, sondern
auch auf klaren Gesang setzt (wie das bei "Lex Talionis" und
"After War" der Fall ist). Das ist allerdings Geschmackssache.
Mir persönlich geht das ehrlich gesagt nicht so gut ab, wobei es
einen guten Kontrast zu den vorhergehenden und nachfolgenden, treibenden
Gitarren darstellt! Losgehen tut die Scheibe aber mit "Trained
To Kill", welches mit einem Kanonenschuss startet und in treibende
Gitarren mündet. Man geht straight voran und bombt im Gegensatz
zum Albumtitel alles nieder! Mit "Nuclear Madness" und "Under
The Banner Of Lies" geht die Thrashattacke weiter. Es wird wieder
auf einen Wechsel von etwas ruhigeren und schleppenderen Stücken
und dann doch wieder nach vorne losgehenden Blastbeatattacken gesetzt,
was ja immer gut kommt. Aber irgendwie plätschert die Scheibe mit
zunehmender Spielzeit immer mehr an mir vorbei. Es werden leider keine
großen Akzente mehr gesetzt und man hat nach der Hälfte der
Platte schon das Gefühl, dass man die Songs die noch kommen schon
kennt. Wenn man dann aber für das 3. Album die Stärken der
beiden Vorgängeralben zusammenschmeißt, bekommt man garantiert
einen Hammer, der alles tötet! [www.nuclearwarfare.de] Marcus666