HAMMERHEART # 4 –Zine

Mit ihrer 4. Ausgabe (Juni 2010) hat die Crew des HAMMERHEART-Zines ihre bislang reifste Leistung abgeliefert. Das wird in Sachen Layout/Gestaltung genauso deutlich, wie in Hinblick auf den Inhalt des Zines. Einmal mehr ziert den 92seitigen A4-Wälzer eine Covervorlage von Frank Melech und genau wie bei Ausgabe # 3 handelt es sich dabei um einen echten Eyecatcher, der es vermag, die Aufmerksamkeit des Betrachters / der Betrachterin für längere Zeit auf sich zu lenken, da es eine Menge Details zu entdecken gibt. Schönes Ding und es sollte mich nicht wundern, wenn auch das HAMMERHEART # 5 wieder mit einem Melech-Artwork aufwarten würde. Aber das ist noch Zukunftsmusik, widmen wir uns daher lieber den harten Fakten von Issue # 4! Die Aufmachung ist wieder sehr professionell ausgefallen. Selbst das Layout so mancher Hochglanzpostille kann dagegen nicht anstinken und was Facettenreichtum und graphische Abwechslung betrifft, hat das Hammerherz sowieso die Nase vorn (beispielsweise gibt’s von den vertretenen Bands eben nicht bloß den Schriftzug bzw. das Logo und das aktuelle Promobildchen (zumeist eh nicht gerade das Gelbe vom Ei…) zu bewundern, sondern auch Livepics, Coverabblidungen, Grafiken und andere Artworks). Soviel Liebe zum Detail weiß sehr zu gefallen und bringt ordentlich Pluspunkte ein! Die Druckquali ist auch allererste Sahne, da brauchen wir gar nicht erst drüber zu diskutieren. Doch was wird nun inhaltlich eigentlich geboten? Ich will es Euch sagen. Neben einem ganzen Arsch voller Bandinterviews (auf die ich nachher noch genauer eingehen werde), bestimmt erneut ein Lawine aus CD-Reviews (unterteilt in „Highlights“ und „Normale“ – warum nicht?), Fanzine-Besprechungen und (was ich als alter Vinylist nur begrüßen kann-jawoll!) Vinyl-Reviews das Geschehen, ohne dass es (wie bei anderen Zines, die zur Hälfte nur aus Reviews zu bestehen scheinen) vom Umfang her ausarten würde. Die Besprechungen der Tonträger und Undergroundpostillen sind dabei zum größten Teil absolut lesenswert, (im Gegensatz zu vielen meiner Reviews) kurz (aber auch nicht zu kurz) und knackig ausgefallen (Ausnahmen bestätigen dabei die Regel, siehe den die Finger in die Wunden legenden Kommentar zum FATAL UNDERGROUND-Zine # 33). Man merkt, dass sich die Schreiberlinge nicht erst seit gestern mit der Materie beschäftigen und versuchen, die Sachen möglichst objektiv zu beurteilen – gut so! Dann hätten wir da noch informative Kurzinterviews. Zum einen plaudert hier Frank Melech (siehe bitte meine Anmerkungen zur Covergestaltung) aus dem Nähkästchen. Dessen Arbeiten sagen mir wirklich zu (obwohl ich von Hand gezeichnete/gemalte Kunstwerke an sich bevorzuge), denn sie haben das gewisse Etwas. An dieser Stelle ergeht auch der Hinweis, bei Interesse mal die Homepage www.fantasiereise.com zu besuchen. Zum anderen kommt bei den Kurzintis Maik Godau zu Wort, der Euch evtl. bereits als Herausgeber des SIN IS THERE-Fanzines ein Begriff ist. Um die Postille geht’s hier aber nur am Rande. Im Mittelpunkt steht die von Maik erschaffene, fiktive Kreatur „Wandall“, welche die Artworks diverser Metalklassiker (u.a. CARCASS’ „Necroticism“, MORBID ANGEL’s „Altars Of Madness“, KREATOR’s „Pleasure To Kill“ etc.) künstlerisch neu interpretiert. Ums kurz zu machen: Was einige sicherlich als „Blasphemie“ (oder so ähnlich) bezeichnen werden, sieht für meine Begriffe ziemlich geil aus! Also lest das Interview, wenn ihr mehr drüber erfahren möchtet. Es lohnt sich! Das dritte Kurzinterview im Bunde (wobei wir bei den Bandinterviews angelangt wären) ist das Frage/Antwort-Spielchen mit den famosen Grindkapellen BANGSAT (Jakarta, Indonesien) und CAUSE OF DIVORCE (Aachen, Germoney) anlässlich ihrer gemeinsamen Split-LP. Gerade über das Teil habe ich mich gefreut wie Bombe! Na und wer/welche meinen Nürnberger Buddy Rayk (Greetz and Grind an dieser Stelle!) und seine Bandbefragungen kennt, der/die weiß, dass ihm/ihr kein 08/15 Stoff aufgetischt wird! Und da sich Rayk auch bei den „regulären“ Interviews über die volle Distanz nicht hat lumpen lassen, erwartet die Grindfraktion außerdem eine bunte Fragerunde mit den spanischen Ballermännern NASHGUL. Geile Band, geiles Interview! Death Metal Freaks dürfen sich hingegen über Herrn Metzes nicht minder aussagekräftige Beschäftigungen mit MORPHOSYS und SPAWN freuen. Und da wir gerade bei meinen Nürtinger Bekannten bzw. Verbündeten sind: Auch Katja (die ich an dieser Stelle ebenfalls herzlich grüßen möchte!) hat es wieder oberamtlich krachen lassen und wartet mit superben Interviews auf, wobei die Befragungen der originellen Hamburger Black Metal-Formation FÄULNIS (bzw. deren Banddiktator „Seuche“, der sich beim Schreiben der Lyrics nach eigenen Angaben durchaus auch schon mal von meinen Lieblingsdüsterpunkern FLIEHENDE STÜRME beeinflussen lässt – also das kann schon mal keine schlechte Band sein, ha!) und der ägyptischen (!) Schwarzwurzler ODIOUS meine Faves sind. Ja, auf die Nürtinger/innen ist eben Verlass! Das soll die Beiträge von Herausgeber Chris und dem Rest der HAMMERHEART-Besatzung (namentlich Thor Wanzek und Michael Riedel) aber in keinster Weise schmälern. Auch den größten Teil ihrer Interviews will ich ausdrücklich lobend erwähnen, das ist bei soviel Engagement selbstverständlich und die im Vorwort gewünschte „kurzweilige Lesezeit“ ist ebenfalls garantiert! Neben den bereits erwähnten Scharmützeln gibt es noch Interviews mit CONVICTORS, FINTROLL, FOREFATHER, FORSAKEN, FORTID, GALAR, HELL DARKNESS, ROTTING CHRIST, RUINS, SLARTIBARTFASS, SOLSTAFIR und THE GROTESQUERY zu durchforsten. Erneut ist man spartentechnisch also recht breit aufgestellt und es regiert eine ziemlich ausgewogene Mischung aus bekannten/etablierten Kapellen und Undergroundbands. Obwohl mir nun wirklich nicht jede der genannten Bands zusagt (ist halt Geschmackssache und gerade mit diesem Pagan Metal-Zeugs kann man mich echt jagen-huargh!; übrigens möchte ich noch ausdrücklich betonen, dass sich die hier vertretenen Heidenmetaller vom kackbraunen Sumpf distanzieren und man auch von Seiten der FragenstellerInnen nicht davor zurückschreckt, sie auf dieses Thema anzusprechen!) kann ich mir die Interviews mit ihnen geben. Selten ist mal ’ne Kapelle (wie CONVICTORS) dabei, die so richtig maulfaul agiert (worauf man als Schreiberling bekanntlich keinen Einfluss hat). Meistens lässt man sich nicht erst lang bitten und beantwortet bereitwillig und mit erkennbarem Interesse die Fragen. Und sonst? Ah ja, ein ganz besonderes Schmankerl hat sich Chris bis zum Schluss aufgespart: Das Special Interview mit dem einfach nicht tot zu kriegenden Schockrocker ALICE COOPER! Ok, einige von Euch werden da sicherlich die Nase rümpfen. Selber schuld! Also ich finde „uns Alice“ doch recht kultig, habe sogar Scheiben von ihm in der Sammlung (ja, ich gebe es ehrlich zu!) und manchmal (meistens im Suff, haha!) lege ich die tatsächlich auch auf (hauptsächlich das Album „Trash“ – Grüße an dieser Stelle auch an Onkel Klaus!). Der Grandmaster des Schock Rock ist jedenfalls super gelaunt und seine z.T. recht ausführlichen Antworten kommen voll sympathisch rüber. Wie gesagt, ein echtes Schmankerl! Was die Kritikpunkte zu dieser Ausgabe des HAMMERHEART anbelangt, so fällt mir wirklich nicht allzu viel ein. Ein paar Specials wie Konzireviews, Festivalberichte o.ä. wären nicht schlecht gewesen und hätten sicher für zusätzliche Stimmung gesorgt. Aber Hey, das ist kein Muss und auch so ist ja jede Menge hochwertiger und unterhaltsamer Lesestoff am Start. Nicht so richtig geglückt sind die Einleitungstexte von so einigen Interviews. Die sind irgendwie ein bisschen klein ausgefallen und von der Wahl der gebrauchten Schriftart her nicht immer der Kracher. Aber ich will mich da nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, denke an die Schriftgrößen und -arten in diversen CFMD-Ausgaben und halte lieber mein Maul;). Zum Schluss nur noch soviel: 4 Euronen (+ 1 Euro P&V) für das Heft sind auf keinen Fall zuviel verlangt und eine kurzweilige Lesezeit ist (wie gesagt) garantiert. [Kontakt: Christian Metzner, Landwehr 1, 64823 Groß-Umstadt, Germany, webmaster@adnoctum.de, www.adnoctum.de, www.myspace.com/hammerheartzine] Gerste