ZODIAC - Rasierter Affe -10"

Zusammen mit der KEITZER/DAS KRILL Split-Ep schickte mir Simon eine weitere Perle, die sich wirklich sehen lassen kann (edle Aufmachung, gelungenes Layout, fettes und passend + hintersinnig bebildertes Booklet), muckemäßig keinen Einheitsbrei bietet und auch in Sachen rübergebrachter Message absolut punkten kann. Da kriegt man richtig Bock, darüber ein Review zu schreiben! Die Tatsache, dass ZODIAC aus Bremen kommen und HC zocken, führt diejenigen, die halbwegs 'nen Plan haben und nicht erst seit gestern in der "Szene" unterwegs bzw. aktiv sind, evtl. schon auf die richtige Fährte. Ich sage nur "Bremer Schule"! Na, klingelt es da bei Euch? Bei mir tut es das bei diesem Stichwort laut und vernehmlich! Die Chose war in den Neunzigern mal eine ganze Weile ziemlich angesagt. Auch ich konnte dem Ganzen eine Menge abgewinnen, ja kann es heute noch und lege deshalb gern und ziemlich regelmäßig diverse Scheiben auf, die damals von Bands der so genannten "Bremer Schule" auf die Menschheit losgelassen wurden. Nachdem es in den letzten Jahren nicht viel Nennenswertes aus dieser Richtung gegeben hat, mit dem man sich seine Lauschlappen hätte zurechtstutzen können, kommen ZODIAC mit ihrer 10" daher und lassen eben diesen Sound in gewisser Weise tatsächlich wieder aufleben. Auch wird kein Geheimnis daraus gemacht, dass da jemand offenbar schwer von amerikanischen HC-Zerstörern der obersten Gewichtsklasse (in der einst RORSCHACH, BORN AGAINST, URANUS und Konsorten rulten) angetan ist. So holen ZODIAC auf "Rasierter Affe" die mit extradicken Nägeln (welche ganz einwandfrei aus Metall geschmiedet wurden!) versehene Keule raus. Eine tödliche Waffe, mit der sie 5 wütende Rundumschläge austeilen, die so richtig weh tun. Und das sollen sie auch! Zwar wird mit eben dieser Keule nicht wild und superschnell drauflos gedroschen, dafür kommen die Schläge aber umso gezielter, brutaler und vor allem wuchtiger aus dem Handgelenk. Übertechnisierte Spielereien und Frickeleien sind nicht auszumachen, denn ZODIAC beschränken sich auf Nötigste. Da hätten wir brachiale Midtempo-Plattwalzparts, düster-treibende Melodielinien, metallische Double Bass-Einsätze, massiert zur Geltung kommende Uptempo-Ausbrüche, knallige Moshparts und kehlig-raues Gebrüll mit hohem Aggressionspotential im Angebot. Glaubt mir, diese Zutaten reichen absolut aus, um die die noch vorhandenen Kauwerkzeuge zu dezimieren! Etwaige Anflüge von Tough Guy-mäßiger
Prollscheiße bleiben hingegen vollkommen außen vor, was ich nur begrüßen kann! Doch nicht nur die Mucke, sondern auch die Lyrics sind 'ne Wucht und gehören (zusammen mit denen von SLUMP und CORROSIVE) zu den besten (in deutscher Sprache verfassten) Texten, die ich in letzter Zeit gelesen habe! Deshalb ergeht an dieser Stelle mal wieder der Hinweis, sich nicht nur von der Mucke berieseln zu lassen, sondern auch mal ins Textheft zu schauen. Da findet ihr nicht nur sämtliche Lyrics (die sich u.a. (auf intelligente Art und Weise!) mit Themen wie religiöser Verblendung ("Drei"), Spießertum ("Schrebergarten") und Schönheitswahn ("Schöner Schein") befassen), sondern auch noch diverse Statements (u.a. zum vortrefflich gewählten Plattentitel "Rasierter Affe"!), die es mindestens genauso in sich haben wie die Texte selbst. Bitte recht bald mehr davon, denn es tut gut zu wissen, dass in der heutigen HC-Szene (zumindest partiell und hier definitiv!) wirklich noch Hirnschmalz vorhanden ist! [7DegreesRecords, www.myspace.com/7degreesrecords, 7degreesrecords@gmx.de] Gerste