ANTIGAMA - Warning -Cd

Der Albumtitel sollte gerade von denjenigen, die evtl. noch nie etwas von ANTIGAMA gehört haben und daher völlig unbedarft die Lauschlappen auf Empfang stellen, unbedingt ernst genommen werden! "Warning" ist nämlich kein antimusikalischer Erguss, den man sich mal so zwischendurch rein pfeifen kann, sondern ein in jeglicher Hinsicht extremes und forderndes Stück brachialer Tonkunst. You have been warned! Nach dem Relapse-Debüt "Resonance", auf dem die Formkurve der Warschauer im Vergleich zum Abkacker "Zeroland" wieder steil nach oben zeigte, war es doch eine Weile ziemlich still um ANTIGAMA geworden. Nach dem ausführlichem Genuss von "Warning" kann aber gesagt werden, dass dies nur die Ruhe vor dem Sturm war. Allen Unkenrufen und den unerwarteten Drehbewegungen des Besetzungskarussells zum Trotze, werden nämlich die Schädeldecken gleich wieder reihenweise abmontiert. Bewerkstelligt wird das mit einem total abgedrehten, kranken, kaputten und komplexen Stilmix aus apokalyptischem Post/Tech-Grind, wuchtigen Brutalo Death-Einsprengseln, Mathcore/Chaoscore-mäßigen Frickeleien, Samples, Jazz, Noise-Versatzstücken und Elektronik/Ambient-Elementen. Das etwas Derartiges insbesondere bei Genre-Puristen/innen auf wenig Gegenliebe stößt, ist schon klar. Und obwohl ich die Mucke der abgedrehten Polen noch immer in der Grindcore-Schublade unterbringen würde, ist es nicht ausgeschlossen, dass Scheuklappen tragende Old School Grinder/innen davon mächtige Kopfschmerzen bekommen. Dabei ist es vor allem die partiell old schoolige Ausrichtung des Materials, die das ANTIGAMA-Getöse von dem fast nicht mehr nachvollziehbaren, übertechnischen und kopflastigen High Tech-Gedöns in etwa artverwandter Kapellen unterscheidet. Was ich damit sagen will: Solange ich mir eine Scheibe wie diese komplett anhören kann, in schöner Regelmäßigkeit ohne Rücksicht auf Verluste drauflos gegrindet wird und REPULSION, NAPALM DEATH, TERRORIZER und Co. noch immer mit als Hauptinspirationsquellen angegeben werden, ist für mich so ziemlich alles im grünen Bereich. Dass besonders im zweiten Teil von "Warning" ab und an Zähnezusammenbeißen angesagt ist, dass ich den Track "Paganini Meets Barbapapex" für Rohstoffverschwendung halte und auch der nicht vollkommen uninteressante, aber viel zu lang ausgefallene, Rausschmeißer "Black Planet" nicht unbedingt hätte sein müssen, will ich dabei jedoch nicht verschweigen. Um den Kreis zu schließen sei noch gesagt, dass der Albumtitel natürlich nicht vor der Mucke warnen will, sondern in erster Linie als Warnung an unsere "tolle" Globalisierungs- und Konsumgesellschaft verstanden werden soll. Zumindest entspricht dies dem Konzept der Band, die ihren Weg hoffentlich auch weiterhin so konsequent fortsetzt. [Relapse, www.relapse.com] Gerste