AGATHOCLES / THE VANISHING ACT - Split -Cd

Als ich der Crew den Vorschlag machte, die AGATHOCLES / THE VANISHING ACT Split auf dem Morbo-Prüfstand auf Herz und Nieren zu testen, wurde dies mit Wohlwollen aufgenommen. Doch es gab auch den Hinweis, auf der AGATHOCLES-Trackliste mal etwas genauer hinzuschauen. Vielleicht würde mir ja was auffallen… Ok Jungs, das mach ich doch glatt. Ich mag Ratespielchen! Na dann mal ran an den Feind! Doch erst kommt die Musike, wa? Mincecore meets AUTOPSY auf dem Grindcore-Trip würde ich meinen. Von den wohlbekannten Mince-Mongers war nichts anderes zu erwarten und THE VANISHING ACT (Kanadier übrigens) sind irgendwie völlig neben der Spur, aber nicht uninteressant. AGATHOCLES machen da weiter, wo sie mit "Mincer" damals aufhörten. Das werden zwar einige CFMD'ler und sicher auch Leser garantiert anders sehen, aber das interessiert mich nicht die Bohne! Im Vergleich zu den ganzen technischen Sachen von heute wird auf geradezu prähistorische Art und Weise losgerumpelt. Elf kurze, punkige Uffta-Uffta-Songs mit politisch motivierten, sozial- und gesellschaftskritischen Themen treffen auf Grinderuptionen und HC/Crust. Fertig ist der Lack! Ein einfaches und von AGATHOCLES schon zig-fach durchexertiertes Rezept, schon klar. Doch die Wirkung bleibt nicht aus und so werden sie vermutlich bis zur Rente weiter "mincen" was das Zeug hält. Echte Dinosaurier eben. So weit, so gut. Was noch? Ah ja, das Ratespielchen. Ein Blick auf die Trackliste genügt und Morbo hat den Braten gerochen. Neun der elf Songs (namentlich "Not A Bit", "Big Flat Cages", "Only Friction", "Bang Bang", "Hear More", "Porcelain A", "Liberal Cancer", "Religious Fucking Dope" und "Axe The Tax") befinden sich auch auf der Split mit AMOCLEN und außerdem noch auf "Grind Is Protest", dem neuen AGATHOCLES-Album. Außerdem ist auch "Chronic Death" auf "Grind Is Protest" vertreten. Dass dieses x-fache Verwenden und Recyceln von Songs einigen Leuten schon lange ganz gewaltig auf den Sack geht und sie sich deshalb irgendwie verarscht vorkommen, ist mir vollkommen klar und ich kann das natürlich nachvollziehen. Fakt ist aber, dass das AGATHOCLES schon ewig so machen und sich auch nicht davon abbringen lassen werden. Das Thema kann man endlos diskutieren, doch was bringt das? Entscheidet also selbst, wie ihr damit umgeht. Und nun zu THE VANISHING ACT. Boah, was sind die kaputt! "AUTOPSY auf dem Grindcore-Trip" schrieb ich eingangs und das bedeutet, dass sie dieses kranke Feeling von Reifert's Kultband mit heftigen Uptempo-Blastausbrüchen verbinden. Auch die von vielen abgekulteten IMPETIGO schwingen da mit und werden sogar gecovert ("Dis-Organ-Ized" und zur Abwechslung mal glücklichweise nicht "Boneyard"!). Alles ziemlich nett anzuhören und, wie ebenfalls eingangs erwähnt, nicht uninteressant. Was die Band aber klar von anderen abhebt ist der Gesang. Kranke Scheiße! Nein, ich korrigiere, total kranke Scheiße! Wenn das alles nach Reifert (Hello again!) klingt, kommt es ja noch relativ entspannt rüber. Doch wenn dann völlig hysterisch geschrieen und abgekreischt wird, fällt mir wirklich nichts mehr dazu ein, denn dann geht es durch Mark und Bein (geiler Reim, oder?). Die vier Songs überstehe ich zwar mit einem Lächeln, doch ein komplettes THE VANISHING ACT-Album könnte ich mir nicht geben, da bin ihr ehrlich. Wer auf Grind, AUTOPSY und gestörtes Geplärr steht, darf sich damit aber gern die Kante geben. [Sir Punkly Records, www.sirpunkly.com] Morbo