DISGUST - A World Of No Beauty -Cd (Re-Release)


Es dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben, dass das polnische Label Metal Mind Records so ziemlich alles wiederveröffentlicht, was nicht bei spätestens "3" auf dem Baum ist. Was davon zu halten ist, sollte jede/r für sich selbst entscheiden. Fest steht jedenfalls, dass die Polen ein paar echte Schätzchen ausgegraben haben, die jahrelang nicht oder nur schwer erhältlich waren und neben jeder Menge Zeugs, welches mich ehrlich gesagt nicht die Bohne interessiert, auch ab und an richtige Granaten an den Start bringen. Dazu zählt zweifelsohne der Re-Release des 2. DISGUST-Albums "A World Of No Beauty", der uns nun digitally remastered und zusammen mit 8 Bonustracks serviert wird. Als 1994 ihr "Brutality Of War"-Debüt erschien, waren DISGUST gegen die saustarke schwedische Disklonkrieger-Konkurrenz (namentlich DISCHANGE, deren "Seeing, Feeling, Bleeding"-Scheibe ungefähr zeitgleich herauskam und bis heute ein absolutes Lehrstück in Sachen Disklon-Kriegskunst darstellt und DISFEAR, die damals auf dem Full-Length-Killer "Soul Scars" noch derbsten loscrusteten, anstatt sich dem Crust'n'Roll zu widmen) noch ziemlich chancenlos. Da nützten auch sämtliche Allstar-Vorschußlorbeeren nix (die DISGUST-Besetzung rekrutierte sich u.a. aus Ex-EXTREME NOISE TERROR, DISCHARGE, ANTISECT, INSANE und STONE THE CROWS Members). 1997 legte man mit "A World Of No Beauty" jedoch ein absolutes Brett hin. Das veränderte Line-Up (u.a. war jetzt ein gewisser Würzel dabei; ja genau, der von MOTÖRHEAD!) ließ es oberamtlich krachen und von der Produktion, für die man Andy Sneap gewinnen konnte, der u.a. schon mit Bands wie MEGADETH, KREATOR, ARCH ENEMY, ENTOMBED oder NAPALM DEATH arbeitete (nur um mal ein paar zu nennen), wurde man mit voller Wucht an die Wand genagelt. Neben Parallelen zum Sound von DISCHARGE (logisch!, die Mutter aller Dis-Bands!) und EXTREME NOISE TERROR (die unverkennbaren Brüllvokills von Dean Jones) war nun auch eine Menge von dem herauszuhören, was RAW NOISE einst ablieferten (finde ich zumindest). Dazu wurden ein paar fette Metal-Soli herausgewürzelt. Und so wurde das Geschehen von einem Intro, 10 gnadenlosen Crustcore-Eruptionen (u.a. "The Result Of War", "The Last Embrace", "A Mothers Bleeding Heart", "Just Another War Crime","Blood Soaked Soil" und "The Wounds Are Never Healed") und der superzähen, instrumentalen Endlosschleife "Hymn For A Dying Planet" bestimmt. Crustcore as Crustcore can be, jedoch mit genau dem Mindestmaß an Abwechslung, was allzu oft das Zünglein an der Waage ausmacht. Über den textlichen Gehalt brauchen wir uns angesichts der vorhin erwähnten Songtitel wohl nicht zu unterhalten, oder? Von der Covergestaltung her zeigt man sich jedoch regelrecht kreativ, denn es rulte nicht etwas eines der berühmt-berüchtigten schwarz/weiß War-Pics, sondern ein farbiges (aber nicht minder herbes) Kriegsfoto, welches Jahre später die Steilvorlage für den vor Zynismus triefenden Song "Bunte Leichen" der Noisecore-Combo KRÄTZE lieferte, bei der ich selbst einst das Mikro malträtierte, haha! Soweit hatten DISGUST also alles richtig gemacht, bloß bei der Wahl ihres Labels griffen sie abermals voll ins Klo. Wenn man von Earache zu Nuclear Blast wechselt, braucht man sich allerdings nicht zu wundern… Whatever, Dank Metal Mind ist "A World Of No Beauty" nun wieder erhältlich und zwar (wie bereits eingangs erwähnt) digital remastered (was meiner Meinung nach nicht unbedingt zwingend nötig gewesen wäre) und mit 8 Bonustracks ("Thrown Into Oblivion", "Relentless Slaughter", What Kind Of Mind", "You Have No Right", "The Light Of Death", "Anguished Cry", "Life Erased" und "Outro") ausgestattet. Diese stammen von der auf Lost And Found Records (Oh Gott, vom Regen in die Traufe!) erschienen Live-Ep/Mcd "Thrown Into Oblivion" und wurden irgendwann 1994 bei einem Konzi in Germoney mitgeschnitten (räudiger aber durchaus gutklassiger Sound wohlgemerkt!), bei dem DISGUST u.a. mit CANNIBAL CORPSE (soviel zum Thema "The Stench Of Death Metal"…) auftraten. Beim Song "The Light Of Death" durfte sogar Chris Barnes mitgrunzen, was recht unterhaltsam rüberkommt. Fazit: Wirklich gelungener und längst überfälliger Re-Release, bei dem man richtig was fürs Geld geboten bekommt und den man sich somit ohne Bedenken zulegen kann. Zum Schluss will ich mal noch anmerken, dass 2002 das bisher letzte DISGUST-Lebenszeichen namens "The Horror Of It All" zu vernehmen war. Wer/welche das Review dazu checken will, krame bitte das CFMD # 9 raus oder durchstöbere das Archiv auf unserer Homepage. Ende der Durchsage. [Metal Mind Records] Gerste