STARKWEATHER - Croatoan -Cd

Na da schau her! Ist da etwa jemand von den Toten auferstanden? Sieh zumindest ganz danach aus. Bis vor kurzem war ich jedenfalls noch der festen Überzeugung, dass STARKWEATHER längst 6 Fuß tief im Erdreich vor sich hingammeln würden. Doch weit, ganz weit, gefehlt! Sie sind einfach nicht tot zu kriegen! Noch viel verwunderlicher und 100%ig positiv zu bewerten ist es, dass sie nach jahrelanger Abstinenz noch immer so bitterböse, destruktiv, krank und hasserfüllt klingen, wie zu "Into The Wire"-Zeiten. Damals, Anfang/Mitte der Neunziger, bereiteten STARKWEATHER zusammen mit legendären Bands wie BLOODLET, OVERCAST, CONVERGE, COALESCE, DISEMBODIED, MAYDAY, INTEGRITY und RINGWORM den Weg für das durch jede Menge Veröffentlichungsschund und Rockstargehabe mittlerweile fast zu Tode gerittene Metalcore-Genre. Bereits in diesen glorreichen Tagen hoben sich STARKWEATHER mit ihrem negativen, sludgigen, komplett sicken und psychotischen Zerstörungdeathscore deutlich von anderen Bands ab. Ruhige Momente wechselten sich mit brutalen Aggressionsausbrüchen und extrem bedrohlich klingen Dampfwalzenparts ab. Dabei lief ihr Sänger zu absoluter Höchstform aus und keifte, brüllte, klagte und litt wie ein Wahnsinniger. Sehr emotional das Ganze. Emolutscher sollten trotzdem schnellstmöglich Deckung suchen, denn von diesen Vocals kriegen sie am Ende noch Albträume und fangen an zu weinen. Im Großen und Ganzen sind STARKWEATHER auf "Croatoan" ihrem Stil treu geblieben. Gleich beim Opener stellt sich der Aha-Effekt ein, denn STARKWEATHER haben genau da weiter gemacht, wo sie mit "Into The Wire" aufhörten und zwar beim Song "Slither". War dieser auf "Into The Wire" gerade mal anderthalb Minuten kurz, so gebärdet er sich auf "Croatoan" als fast siebenminütiges Biest. Unglaublich! Nach 4 nun wirklich neuen, geilen und sehr garstigen Songs, die allen trendigen Metalcorekiddies und Möchtegernpsychocorenervensägen unsanft im Hals stecken bleiben dürften, gibt es ein Wiederhören mit einem weiteren alten Bekannter. Er heißt "Hushabye: Goodnight" und war seinerzeit auf dem "Definitely Not The Mayors"-Sampler, den Gerste vor Jahren mal im CFMD reviewt hat. Durch den Titel sollte man sich nicht täuschen lassen, denn Schlaflieder hören sich dann doch ein wenig anders an. "Bitter Frost" und "Wilding" läuten schließlich das Ende dieses Meisterwerkes ein, auf das ich so unendlich lange warten musste. Nun ist "Croatoan" nicht "Into The Wire Part 2". Dennoch lebt der Spirit trotz der spürbaren Weiterentwicklung und der Verarbeitung von neuen Elementen weiter. Zu Kompromissen und Trendanbiederungen sind STARKWEATHER nach wie vor nicht bereit. Entweder man lässt sich voll und ganz auf diese schwer verdauliche Band ein, oder man macht einen großen Bogen um sie. [Candlelight Records, www.candlelightrecords.co.uk] Morbo