EXTREME NOISE TERROR / DRILLER KILLER - Split -Mcd

Eines gleich mal vorneweg: Ich mag die alten (!!!) E.N.T. wirklich sehr! In schöner Regelmäßigkeit höre ich mir ihre früheren Werke an und des Öfteren bedeckt ein E.N.T.-Shirt meinen Kadaver. Ironie des Schicksals: Erst die "Retro-Bution"-Best Of offenbarte mir damals die Genialität dieser Band. Zu diesem Zeitpunkt war aber eh schon alles zu spät. Die Band hatte damals gerade einen Deal mit Earache unterzeichnet und noch kein neues Material an Start. Die Möglichkeit durch eine "Best Of" ein paar leicht verdiente Pfund einzuheimsen ließ man sich da natürlich nicht entgehen. Trotz allem sei gesagt, dass sich die auf "Retro-Bution" befindlichen Neuaufnahmen der alten Klassiker (verglichen mit den Originalaufnahmen) soundtechnisch absoluter Killerstoff sind. Was jedoch Integrität und Glaubwürdigkeit betraf, hatten es E.N.T. bei einem nicht unerheblichen Teil ihrer Anhängerschaft schon längst verschissen. Releasetechnisch gab's mit "Damage 381" ein halbgares Scheibchen und mit "Being And Nothing" wurde danach vollends der Schritt ins Death Metal Lager vollzogen. Cut! 2004 habe ich E.N.T. dann beim "Obscene Extreme" livehaftig erlebt. Wie nicht anders erwartet boten sie eine erbärmliche Vorstellung, die nur noch vom einstigen Kultstatus der Band lebte. 2006 kam ich dann beim "Fuck The Commerce" noch mal in den "Genuss" eines E.N.T.-Gigs. Dieser war tatsächlich noch erbärmlicher! Veteran Dean Jones entpuppte sich als großmäuliges Arschloch, welches außer saufen und dumm rumprollen nicht viel zustande brachte. Cut! 2007: Vor mir liegt aktuelles E.N.T.-Material. Eigentlich habe ich nicht viel Lust dazu mich damit auseinanderzusetzen, aber ich überwinde mich schließlich doch irgendwie. Und siehe da: Surprise, surprise! Es ist kaum zu fassen, E.N.T. klingen tatsächlich wieder (annähernd) so, wie E.N.T. klingen sollten! Keine Ahnung was da plötzlich in sie gefahren ist… Ihre 5 Splitbeiträge haben auf alle Fälle jede Menge Biss (auch wenn sie mir (und sicherlich auch vielen von Euch) maximal als "Ear Candy" taugen). Der Sound kommt sehr fett bzw. metallisch rüber und erinnert an das vorhin erwähnte "Retro-Bution"-Album. Ansonsten lautet aber offenbar (Marcu666 muss jetzt mal ganz stark sein und die Zähne zusammenbeißen:) "Don't settle for Death Metal!" ihre Devise. Zu hören gibt's ausschließlich flotten Brutalocrust mit Grindkante und derbstens herausgeröchelten Doublevocals. Beim Riffing bedient man sich zwar ab und an mal aus der eigenen Bandhistorie (warum eigentlich nicht?), trotzdem klingen die 5 neuen Songs (ja, ich gebe es zähneknirschend zu) absolut frisch und keinesfalls altbacken oder angestaubt. Die Fähigkeiten des Drummers erlauben E.N.T. jetzt sogar den Einsatz blastender Doublebass-Parts, höhö! Pig Killer hat so was seinerzeit jedenfalls nicht gebacken gekriegt (oder hatte halt einfach keinen Bock drauf…). Und wer weiß, vielleicht ist der Track "Nothing No More" (Anspielung auf "Being And Nothing"?) ja so 'ne Art "Rückbesinnungsstatement"? Wie auch immer, ein faulig-fader Nachgeschmack bleibt haften. "Ear Candy" halt. Nicht mehr, aber (und das sei der Fairness halber gesagt) auch nicht weniger! DRILLER KILLER haben mich ebenfalls überrascht. In letzter Zeit war von den Schweden nicht viel Erbauliches zu hören, auf dieser Split lassen sie jedoch nichts anbrennen. Bei "Yesterdaze Juice" packen sie gleich eine echte Killermelodie aus, jawoll! Das hätte ich in dieser Form von ihnen nicht erwartet. "Confession Of A Sucking Breed" ist einer der schnellsten und brutalsten Tracks, den ich seit langem von ihnen vernommen habe (da wird gecrustet, nicht gerockt!) und auch "Razorbladin Through" ist (obwohl es nicht ganz an die anderen beiden Nummern rankommt) nicht von schlechten Eltern. Also alles in Butter bei DRILLER KILLER. Bleibt bloß zu hoffen, dass sie bis zu ihrer nächsten Scheibe in Form bleiben… [Osmose Productions, www.osmoseproductions.com] Gerste