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MANDATORY ]

Nachdem
ich bis dato eigentlich immer nur Gutes über MANDATORY gehört
bzw. gelesen hatte und die eingefleischtesten Todesmetaller diese Death
Metal Horde aus Germoney in den höchsten Tönen lobten, ging
mir vor mehr als 2 Jahren im Rahmen einer Mailorder-Sammelbestellung deren
Exiled In Pain-CD ins netz. Da besagter Silberling bei mir
einschlug wie eine verdammte Bombe und somit allen Vorschusslorbeeren
gerecht wurde, beschloss ich, irgendwann mal mit den Jungs in Kontakt
zu treten. Sascha kam mir letztendlich zuvor, als er dem CFMD im Juni
2010 das fantastische Skogsberg vs. Swanö-Interview zur
Veröffentlichung anbot (thanx!!!). Dieser glückliche Umstand
schrie förmlich danach, bei Sascha auch gleich mal bzgl. eines MANDATORY-Interviews
an die Tür zu klopfen. Am 2. August 2010 bemusterte ich ihn dann
mit meinen Fragen und bereits einen Tag später war das superausführlich
beantwortete Inti in trockenen Tüchern. Jawoll, das ist Einsatz!!!
Und jetzt viel Spazz mit MANDATORY! (Gerste)
1.
CFMD: Grüß Dich Sascha! Wie gehts? Besten Dank dafür,
dass Du Bock auf dieses Interview hast und sorry, dass es mit dem Mailen
der Fragen etwas länger gedauert hat, aber eher hab ichs einfach
mal nicht gebacken gekriegt
Bist Du bereit, Dich durch meinen doch
etwas umfangreicher ausgefallenen Fragenkatalog zu kämpfen? Na dann
ab dafür!
- SASCHA: Hi, Gerste! Hi, verehrter Leser! Jau, es geht mir gut und ich
bin bereit! Eins, zwei, drei, Feuer frei!
2.
CFMD: Zuerst mal würde mich interessieren, wie Du persönlich
eigentlich zum Metal (und später dann speziell zum Death Metal) gekommen
bist. Gabs damals eine bestimmte Einstiegsdroge (meine
war vor Urzeiten beispielsweise AC/CD und von da ab kamen die Dinge so
richtig ins Rollen, hehe!) oder ein einschneidendes Erlebnis, welches
Dich dazu gebracht hat, Dich mit dieser Materie zu beschäftigen?
Kannst Du mit den alten Helden (wenn ich das mal so sagen
darf) Deiner Kindheit / frühen Jugend heute noch was anfangen bzw.
hörst Du Dir gelegentlich (oder gar in regelmäßigen Abständen)
noch ihre Scheiben an?
- SASCHA: Also erzogen wurde ich ausnahmslos mit den Helden der Rock-
und Popmusik. Im Laufstall gabs angeblich schon täglich Start
Me Up von den Stones oder Platinum von Mike Oldfield.
Wenn ich an meine Kindheit denke, dann vor allem an Sachen wie Hendrix,
Clapton, Zeppelin, The Who, Jethro Tull, Deep Purple, Santana oder Pink
Floyd. Besonders beeindruckt haben mich als Kind und Jugendlicher vor
allem aber auch Queen, Texas, Van Halen, Alannah Myles, Robert Cray (ja
der Blues ist auch groß in mir vertreten) und natürlich meine
ewigen Faves ZZ TOP. Dies alles höre ich auch heute noch äußerst
oft, so dass sich Metal, Rock, Blues und auch wirklich komplett andere
Musikstile die Zeit in meinen Gehörgängen teilen. Ein Grund
dafür ist auch, dass ich mir immer alles gegönnt habe, was mir
gefiel. Dieses krampfhafte True-Sein vieler Jugendlicher konnte
ich persönlich nie nachvollziehen. Metal all the way! Definitiv!
Aber nie den Blick für anderes verlieren! Bei mir selbst kam es zum
Metal eher so mit 13, als ich auf Guns n Roses, Iron Maiden und
Metallica aufmerksam wurde. Da hatte ich aber bereits eine für so
einen kleinen Mann recht stattliche Musiksammlung zusammengesammelt, so
dass ich nicht behaupten kann, ich wäre von Anfang an ein Metaller
gewesen. Ganz im Gegenteil. Aber speziell Maiden waren dann meine Metalhelden.
Dann kamen schnell Paradise Lost (mit Shades of God sowie
Icon) und Konsorten. Irgendwann entdeckte ich noch Tiamats
Clouds und Wildhoney sowie das Domination-Album
von Morbid Angel. Ab da wars dann endgültig geschehen. Ich
würde aber sagen, dass ich doch sehr variabel bin in meiner musikalischen
Konsummentalität. In meiner Sammlung findest Du so ziemlich alles
von Grave und Massacre über Slayer, Priest oder Winger bis hin zu
Miles Davis, Midnight Oil, Pink Floyd, Kenny G oder mitunter sogar arabischer
Popmusik.
3.
CFMD: Na und da wir grad so schön beim Thema Vergangenheitsbewältigung
sind: Wann hast Du eigentlich damit angefangen, Dich ernsthaft mit dem
Gitarrespielen auseinanderzusetzen? Hast Du Dir seinerzeit das klassische
Programm gegeben (so richtig mit Gitarrenunterricht und dergleichen) oder
bist Du eher autodidaktisch vorgegangen, hast einfach losgelegt und Dir
das Spielen selbst beigebracht?
- SASCHA: Ich hatte von Anfang an Unterricht, habe daneben aber auch selber
viel experimentiert. Ab meinem 16. Lebensjahr habe ich täglich regelmäßig
so um die 2 bis 3 Stunden geübt. Nach dem Abitur habe ich letztlich
ja dann auch das Studium der Musikwissenschaft aufgenommen, so dass ich
eben heute Musikwissenschaftler bin. Steif oder? Haha! Naja, aber so bin
ich zur oder besser: in die Musik gekommen.

4.
CFMD: Wann bist Du auf die Idee gekommen, MANDATORY aus der Taufe zu heben
und wie gestaltete sich die Suche nach geeigneten Mitstreitern? Welche
Gefühle beschleichen Dich heute, wenn Du an die Anfänge der
Band und so Sachen wie die ersten Proben, den ersten Studioaufenthalt
oder meinetwegen auch den Release Eures Debütdemos zurückdenkst?
Ich will Dich hier nicht damit nerven, zum x-ten Male die Entstehungs-
bzw. Bandgeschichte herzubeten aber es wäre trotzdem cool, wenn Du
Dich mal in Kurzform zu den Deiner Meinung nach wichtigsten Eckdaten bzw.
Ereignissen rund um MANDATORY äußern könntest. Bitteschön!
- SASCHA: Ja, also vorausgegangen waren bereits etwa 2 Jahre der Songschreiberei
mit meinem ewigen Mitstreiter Stinne sowie unserem zweiten Gitarristen
und Bassisten, von denen wir uns aber vor Aufnahme der ersten MCD trennen
mussten. Wir hatten bereits ein komplettes Thrash Metal-Album für
unser Projekt SKULLCRUSHER fertiggeschrieben, als wir des Abends irgendwann
plötzlich Bock hatten, mal einen Death Metal-Song zu schmettern.
Nach einer halben Stunde war Sweet Revenge fertiggeschrieben.
Die spontane Songwriting-Weise gefiel uns so gut, dass wir das Thrash-Album
vorerst auf Halde legten und innerhalb von zwei Wochen das Divine
Destruction-Demo komponierten. Danach gings direkt ins Flammenmeer-Studio.
Nach einer weiteren Woche oder zweien war die Scheibe dann draußen
und die erste Promoaktion startete. Ja
so war das
damals.. vor
langer, langer Zeit.. im Kartoffelkrieg
hehe..
5.
CFMD: Nachdem ich eigentlich immer nur Gutes über MANDATORY gehört
und gelesen hatte (ohne Herumschleimen: selbst die eingefleischtesten
Old School Todesmetaller lobten Euch in den höchsten Tönen,
die MANDATORY-Interviews waren stets interessant bzw. aussagekräftig
und ich habe Reviews gelesen, für die andere Bands ihr letztes Hemd
(und ja, vermutlich selbst ein 20 Jahre altes Original-Tourshirt, hehe!)
geben würden!), beschloss auch ich (es dürfte so im Dezember
2008 gewesen sein, wenn ich mich nicht irre), Euch endlich mal selbst
anzuchecken und bestellte in einem Mailorder Eure Exiled In Pain-CD.
Nun ja, was soll ich sagen? Bereut habe ich es definitiv nicht. Ganz im
Gegenteil! Seitdem bin ich nämlich bekennender MANDATORY-Anhänger,
jawoll! Sascha, hättest Du Dir jemals träumen lassen, dass MANDATORY
mal solch positive (ja z.T. regelrecht euphorische) Reaktionen ernten,
so positive Reviews einfahren und dass Euch mal eine solche Aufmerksamkeit
zuteil wird? Besser kanns doch für eine Underground-Band eigentlich
kaum laufen, oder?
- SASCHA: Tja, was soll ich sagen? Danke erstmal natürlich! Ich kann
mich noch immer über jedes Kompliment wie ein Schneekönig freuen.
Es ist bei uns halt so, dass Musik für uns alles ist - für mich
persönlich ja sogar beruflicherseits. Unsere Alben sind wie unsere
Babies. Damals war es unser Ziel, mal EIN gutes Demo rauszuhauen. An einen
Tomas Skogsberg hätten wir damals auch nicht nur im Entferntesten
gewagt zu denken. Wir hatten also kleine bis gar keine Erwartungen. Aber
wenn Du erstmal ein, zwei tolle Reviews und auch Interviews geerntet hast,
dann kannst Du natürlich nicht mehr aufhören. Und dann kam irgendwann
der Deal mit Asphyxiate Recordings, die
Where They Bleed
co-veröffentlichten. Das war natürlich ganz toll, weil es unser
erster richtiger Deal war und noch dazu diese Scheibe direkt an zwei Punkten
auf der Welt released wurde! Direkt darauf kam dann ja die Anfrage von
Obliteration Records für Exiled In Pain. Danach trudelte
auch schon nach wenigen Monaten die Mail von Xtreem Music ein, die uns
schon 2008 wollten. Aber erst 2009 konnten wir uns einigen. Ja, das ist
alles ganz toll, und wir freuen uns, dass es soviele enthusiastische Reaktionen
auf unsere Musik zu erfahren gibt. Ich meine, wir sind natürlich
immer noch auf dem Boden, denn letztendlich sind auch wir immer noch eine
Undergroundband, die niemals von der Musik wird leben können. Aber
wir machen das hier für Menschen wie Dich oder diejenigen, die das
lesen, die es geil finden, was wir machen. Daher denke ich, dass wir mit
der Veröffentlichung unseres Albums jetzt auf fast eine ganze Dekade
guter Erinnerungen zurückblicken können. Ich hoffe, es geht
weiter so gut voran. Wer weiß, was noch kommt.
6.
CFMD: Verweilen wir noch ein bisschen bei Exiled In Pain.
Bei dem Teil handelt es sich um eine so genannte Demo Anthology
und soweit ich weiß, ist auf dem Silberling alles am Start, was
MANDATORY in der Zeitspanne von 2002 bis 2007 so raus gehauen haben. Zudem
ist das Gerät mit diversem Bonusmaterial bestückt. Ihr habt
Euch also wirklich nicht lumpen lassen und so bekommt man (was meiner
bescheidenen Meinung nach heutzutage keinesfalls selbstverständlich
ist!) hier definitiv value for money (wie man so schön
sagt)! Erzähl doch bitte mal was zur Entstehungsgeschichte der Exiled
In Pain-CD, die von Obliteration Records (Japan) herausgebracht
wurde. Wer hatte die Idee zu diesem Release und wie kam der Kontakt zu
Obliteration Records zustande?
- SASCHA: Obliteration Records schrieben uns direkt nach dem Release der
Where They Bleed-Scheibe an. Sie wollten die MCD auch
veröffentlichen. Leider war das ja nicht so einfach möglich,
da Asphyxiate die Rechte daran hatten. Es wurde also entsprechend verhandelt,
so dass Obliteration sich mit uns und Asphyxiate darauf einigten, eine
Compilation rauszubringen, die zwar eben alles beinhaltete, was wir jemals
veröffentlicht hatten, die aber auch entsprechend teurer verkauft
werden musste. Sonst wäre das ja Asphyxiate gegenüber etwas
unfair gewesen. So wurden also alle MCDs auf das Album gepackt,
vor allem die zwei restlos ausverkauften ersten beiden - Divine
Destruction und Curse Of The Undead. Dazu kamen noch
einige unveröffentlichte Songs aus unserem zweiten Studioaufenthalt
sowie ein paar ganz neue Stücke und ein neuer Coversong. So kamen
sich die zwei Veröffentlichungen nicht in die Quere - denn
Where
They Bleed war ja eine günstige MCD, Exiled In Pain
aber quasi ein volles Album zum vollen Preis. Man erhält mit dem
Kauf der Exiled In Pain wirklich jeden einzelnen Song, den
MANDATORY vor dem neuen Album geschrieben haben. Ist doch praktisch, oder?
? Alles in allem würde ich heute auch sagen, dass Exiled In
Pain die Scheibe war, die uns nochmal ordentlich Wind unter die
Segel brachte, da wir so innerhalb eines Jahres gleich zwei Veröffentlichungen
vorweisen konnten und sie aufgrund der Songanzahl sozusagen wie ein erstes
Album wirkte. Für mich ein sehr wichtiger Release.

7.
CFMD: Was waren die Intentionen hinter dem Release der besagten Demo Anthology-CD?
Wolltet/wollt ihr den Leuten dadurch die Möglichkeit geben, so auf
einen Streich die gesammelten MANDATORY-Werke (obwohl evtl. auch noch
einzeln erhältlich) in Besitz zu bringen (eine gute Sache, wenn ihr
mich fragt) oder ist es evtl. so, dass ein paar der auf Exiled In
Pain kompilierten Sachen mittlerweile bereits vergriffen bzw. ausverkauft
sind und dass ihr in Form der Demo Anthology die Gelegenheit beim Schopf
ergriffen habt, sie nun wieder erhältlich werden zu lassen (was für
mich ebenfalls absolut Sinn machen würde)? Und überhaupt: Gib
doch mal Deine persönliche Meinung zu dem Stoff (namentlich die Divine
Destruction-MCD (2002), die Curse Of The Undead-MCD
(2005), die
Where They Bleed-MCD (2006/2007) und schließlich
noch die Bonustracks) auf Exiled In Pain zu Protokoll. Wie
stehst Du, mit z. T. schon gehörigem zeitlichen Abstand, anno 2010
zu all diesen Sachen? Bist Du im Großen und Ganzen heute noch zufrieden
damit?
- SASCHA: Wie ich ja gerade angedeutet habe: Die ersten beiden MCDs
sind direkt nach Erscheinen ausverkauft gewesen. Sie waren ja auch limitiert,
und viele der Exemplare gingen jeweils an Labels und Magazine - weltweit.
Aufgrund der meist tollen Reviews ging der Rest dann auch immer schnell
weg. Es war für uns also somit möglich, alle unsere alten Schätzchen
wieder erhältlich zu machen. Und das beantwortet zum Teil schon die
zweite Frage: Wir lieben unsere alten MCDs immer noch. Wir haben
immer unser Bestes gegeben. Natürlich gibt es produktionstechnische
Dinge, die ich heute vollkommen anders machen würde, aber was die
Kompositionen als solche angeht, bin ich immer noch schwer zufrieden mit
den Songs. Ein Song wie etwa Rest In Pieces (von Curse
Of The Undead) haut auch heute noch so einiges weg. Daher wird er
vielleicht irgendwann für ein zukünftiges Album neu eingespielt.
Dasselbe gilt für den Song Where They Bleed. Und auf
der ersten MCD finden sich ebenfalls einige, wie ich persönlich finde,
sehr geile Sachen wie etwa Sweet Revenge (groovt doch sooo
schön!) oder Exelution (welches ja für das neue
Album wiedereingespielt wurde). Ach, ich finde das alles immer noch sehr
gut. Nur eben produktionstechnisch würde ich einiges ändern,
aber das ist immer Geschmackssache und Mängel tun sich im Nachhinein
bei jeder Veröffentlichung auf.
8.
CFMD: Mit Adrift Beyond steht nun endlich auch die erste MANDATORY-Full
Length in den Startlöchern, welche in Bälde auf die Menschheit
losgelassen werden dürfte (Anmerkung: wenn dieses Interview erscheint,
ist das Album dann definitiv draußen!). Das von mir (und höchstwahrscheinlich
nicht nur von mir!) mit Spannung erwartete Teil kommt via Xtreem Music
raus und wird seitens eben dieses Labels bereits heftig mit folgenden
Worten beworben: 1st full length album by this german band, one
of the maximum exponents of the new wave of ancient-sounding Death Metal.
16 songs mixed in Sweden by Tomas Skogsberg, this album gathers a wide
spectrum of influences from bands like MORGOTH, ASPHYX, UNLEASHED, OBITUARY,
DISMEMBER, PESTILENCE, CEMETARY... Undoubtely one of the best albums in
this genre for the whole 2010!! A future classic!!. Nun ja, mit
solchen Labelinfos ist das immer so eine Sache. Da wird oftmals (um nicht
zu sagen meistens) ganz schön dick aufgetragen. Bei Euch (MANDATORY)
bin ich allerdings der Meinung, dass ihr tatsächlich das Zeug dazu
habt, a future classic (wie sich Xtreem Music auszudrücken
pflegen) vom Stapel zu lassen und dass (wenn das Album genauso bombt wie
der Stoff auf Exiled In Pain, wovon ich jetzt einfach mal
ausgehe!!!) hier ein echtes Death Metal-Monstrum ins Haus steht! Wie siehst
Du das und welche Infos zu Adrift Beyond haben uns Xtreem
in ihrer Labelinfo möglicherweise vorenthalten? Mal angenommen Du
würdest in der Promotion/Public Relations-Abteilung des Labels tätig
sein, welchen Werbetext hättest Du für das Album verfasst, um
potentielle Interessenten mit den wichtigsten Informationen zu versorgen
und dabei so richtig heiß auf die Full Length zu machen?
- SASCHA: Also gut finde ich zum Beispiel, dass sie Tomas Skogsberg erwähnt
haben, denn im Gegensatz zu Dan Swanö - den wir als Produzenten auch
sehr geil finden - hat Skogsberg unseres Wissens nach noch nie eine deutsche
Band gemixt. Generell mixt er ja nur noch sehr selten richtige Metalbands.
Das ist bestimmt also schonmal gut, das nicht unerwähnt zu lassen.
Aber ohne gute Songs wäre auch eine Skogsberg-Produktion uninteressant,
nicht wahr!? Ich hätte noch direkt in diesem Promoschreiben erwähnt,
dass MANDATORY nicht wie die 500000te Retro-Death Metal-Band klingen.
Heutzutage - und das habe ich schon oft in Interviews gesagt - klingen
die Death Metal-Bands, die als old school abgestempelt werden,
immer sehr retro. Selten findest Du dort ein eher eigenes Stilmerkmal.
Es wird doch nur allzu oft sehr geradlinig runtergerumpelt. Meist spielt
sich auch alles in der Rhythmusgitarre ab. Wir haben bei Adrift
Beyond Wert darauf gelegt, dass zwischen all dem durchaus klassischen
Death Metal auch Riffs, Harmonielinien und Texte auftauchen, die nicht
typisch old school sind. In Nevermore, Hallowed
Sacrifice, Silenced oder Impurity Of Thoghts
findest Du etwa Teile, die man auf einer 91er Schweden-Scheibe nie
und nimmer gehört hätte. Auch haben wir versucht das Ganze mit
einigen netten Intros und Interludes aufzulockern. Naja, man wird halt
sehen müssen, wie dieses Album über die Jahre reift - oder eben
nicht. Ich will mich da enthalten, nur soviel: Wir haben unser Bestes
gegeben und versucht, von den Songs über die Texte bis hin zum Mix
und dem Cover ein feuchten Death Metal-Traum wahr werden zu lassen. Ich
halte es für ein sehr gutes Album.
9.
CFMD: Was gibts Interessantes zum Entstehungs- und Aufnahmeprozess
vom neuen Album zu vermelden? Soviel ich weiß, habt ihr ja ziemlich
lange dran gewerkelt. Hat sich der ganze Aufwand und all die Arbeit bzw.
das viele Herzblut, was ihr investiert habt, Deiner Meinung nach bezahlt
gemacht, wenn Du das, was letztendlich dabei herausgekommen ist, betrachtest?
Oder kurz und bündig gefragt: Bist Du rundum glücklich und zufrieden
mit Euerm Full Length-Debüt?
- SASCHA: Jepp, bin ich! Ehrlich. Wir haben mittlerweile über die
Jahre zudem auch gelernt, nicht immer alles überperfekt anzugehen,
denn man muss immer mit Kompromissen und Dingen rechnen, die sich anders
entwickeln, als es vorher geplant war. Das soll keine Ausrede sein. Wir
sind wirklich superglücklich mit diesem Album. Es ist fett, es ist
lang, es hat gute Texte, es hat schnelle Songs, langsame, epische, es
hat viele Melodien und es hat ein geiles Cover. Natürlich werden
manche Songs dem einen besser gefallen als dem anderen, aber das ist der
Lauf der Dinge. Oft werden großartige Alben verrissen, mittelmäßige
oder gar schlechte aber gehyped. Da stecken wir nicht drin. Dieses Album
ist das Beste, was wir derzeit zu geben imstande sind und ich bin sicher,
es wird keinen enttäuschen, der mit MANDATORY bisher auch mochte.

10.
CFMD: Der Titel Adrift Beyond war (wenn mich mein Erinnerungsvermögen
jetzt nicht komplett im Stich lässt) nicht von Anfang an beschlossene
Sache, denn zunächst war In Torment und später dann
der Albumtitel Into Eternal Sleep im Gespräch, richtig?
Warum habt ihr Euch letztendlich für Adrift Beyond entschieden?
Auch was die Wahl des Labels anbelangt, war nicht gleich alles in trockenen
Tüchern und zuerst sah es so aus, als würdet ihr die Scheibe
in Eigenregie herausbringen und es bestand wohl auch die Möglichkeit,
die Veröffentlichung über Dein Label zu realisieren. Da stellen
sich mir folgende Fragen: Wie ist es schließlich dazu gekommen,
dass Xtreem Music jetzt das Rennen um den Release gemacht haben (habt
ihr bei denen angefragt oder haben sie von sich aus Interesse bekundet?)
und was hat es eigentlich mit Deinem Label so auf sich? Ziehst Du die
Sache mit dem Label so D.I.Y./Underground-mäßig und nebenbei
durch oder verdienst Du damit evtl. gar Deine Brötchen und bist so
richtig professionell in der Musikbranche tätig? Fragen über
Fragen
- SASCHA: Also In Torment ist der Titel eines alten Songs
aus der Studiosession nach Divine Destruction (auf Exiled
In Pain zu finden) und war ursprünglich vor vielen Jahren für
die erste Full Length angedacht, aber nie für dieses neue Album.
Jedoch, Into Eternal Sleep war tatsächlich der erste
Arbeitstitel. Keine Ahnung, warum wir uns letztlich für Adrift
Beyond entschieden haben. Vielleicht gefiel er uns einfach noch
besser. Wir mögen ihn. Letztlich sind ja eh beide Songs auf dem Album,
hehe. Mit meinem eigenen Label bin ich derzeit vor allem noch in anderen
Musikstilen umtriebig. Ganz weit ab vom Metal. Es fungiert derzeit noch
eher als Label für meine eigenen Veröffentlichungen und Promo-Pressungen
sowie auch als Agentur, die interessante Künstler aufbauen und an
die Majors vermitteln soll. In absehbarer Zeit werde ich über ein
Sublabel darauf aber auch Wiederveröffentlichungen alter Death Metal-Klassiker
rausbringen. Also mal abwarten. Ich weiß es selber noch nicht ganz
genau, wie sich alles zu welchem Zeitpunkt entwickeln wird.
11.
CFMD: Wenn ich mir das Artwork von Adrift Beyond so anschaue,
werden bei mir ganz spontan Erinnerungen an Mr. Seagraves Glanzzeiten
wach, als der gute Dan der unangefochtene Covergott war und ein Meisterwerk
nach dem anderen ablieferte. Eine wirklich geile Angelegenheit jedenfalls,
da kann man echt nicht meckern! Der Haken (ok, kein Haken in eigentlichen
Sinne, sondern wohl eher eine verblüffende Tatsache:-): Seagrave
hat Euer Artwork definitiv NICHT gemalt! Bitte erzähl uns doch mal,
wer/welche hier nun tatsächlich Hand angelegt hat! Du scheinst ja
rundum zufrieden mit dem Kunstwerk zu sein, ansonsten hättest Du
wohl kaum in der aktuellen Ausgabe des SONIC DEATH MONKEY-Zines von einem
Oberkiller gesprochen und zudem verlautbaren lassen, dass sich Dan Seagrave
schon mal warm anziehen darf, hehe! Was hältst Du so von Seagraves
aktuellen Werken? Also meiner Wenigkeit sagen sie zwar durchaus noch zu,
direkt aus den Latschen kippen lassen sie mich allerdings nicht mehr
- SASCHA: Also Seagrave ist natürlich der King der Artworks, ganz
klar. Aber er ist leider auch der King der Preise, wie wir bereits herausgefunden
haben. Für eine Band, die nicht bei Nuclear Blast und Co. unter Vertrag
steht, ist das schlichtweg nicht machbar. Da wir aber schon immer Wert
auf ein gutes Cover gelegt haben und immer gute Leute dafür zur Seite
hatten - wie Mark Riddick, Sonja Lord oder Kris Verwimp -, war das ein
Muss, hier einen Knüller abzuliefern. Im Rennen waren u. a. auch
noch Kristian Wahlin, Andreas Marschall und Axel Hermann. Alle ebenfalls
Cover-Götter, deren Arbeiten wir lieben. Durch viel Gesuche im Netz
stieß ich auf einen Link mit einem winzigen Icon, das dieses Cover
zeigte. Ich kam daraufhin in Kontakt mit SV Bell, der bekannt ist für
seine Arbeiten für Amorphis (Tales
), Kataklysm,
Morta Skuld und Oppressor. Er hatte dieses Bild anno 1996 gemalt und es
bisher nur nichtexklusiv einem alten Kunstmagazin für eine Ausgabe
zur Verfügung gestellt. Wir bekamen es für einen Spottpreis
und nun ziert es unser Cover und ist auch in SVs neuem Buch als
das Cover für die MANDATORY - Adrift Beyond abgebildet
- neben Amorphis, Kataklysm und Co. Also echt coole Sache auf jeden Fall.
Nebenbei erwähnt ein supernetter Kerl und leidenschaftlicher Filmproduzent.
12.
CFMD: Überhaupt muss ich Euch für die Auswahl Eurer Artworks
an dieser Stelle mal ausdrücklich loben, denn auch bei Euern älteren
Releases waren immer wieder totale Granaten dabei! Ich erinnere da nur
mal an den Kris Verwimp-Killer für Curse Of The Undead
oder auch Sonia Lords Meisterwerk für Exiled In Pain.
Mein absoluter Favorit ist und bleibt allerdings Mark Riddicks Zeichnung
für
Where They Bleed! Wie siehts mit Deinen
persönlichen Favoriten bzgl. der MANDATORY-Artworks aus und wie kam
der Kontakt zu Leuten wie Verwimp und Riddick zustande, die in Szenekreise
ja schon längst keine unbeschriebenen Blätter mehr sind und
sich daher auch über mangelnde Aufträge/Anfragen garantiert
nicht zu beschweren brauchen? Wie muss man sich das vorstellen, wenn man
bei denen was in Auftrag gibt und (falls Du drüber reden möchtest)
was löhnt man für deren Arbeiten?
- SASCHA: Danke erstmal für die netten Worte! Ja, wie bereits erwähnt
ist das Cover für uns immer ein wichtiges Element, nicht nur im Metal.
Daher legen wir auch Wert darauf, ein gutes zu haben. Bei Kris Verwimp
war die Kontaktaufnahme sehr einfach, da er eine gut auffindbare Homepage
hat und überhaupt immer überall im Gespräch ist. Bei Riddick
musste ich genau wie bei SV Bell stundenlang das ganze Internet absuchen.
Und auch dieses Bild war schon - wie auch bei SV - bereits vor Urzeiten
in den 90ern entstanden, doch bisher nie benutzt worden außer für
irgendein Magazin. Auf Sonia Lord stießen wir über MySpace.
Wir schrieben sie daraufhin gemeinsam an und machten alles schnell klar.
Was Preise angeht - das ist immer total unterschiedlich. Riddick und Sonia
schenkten uns ihre Arbeiten im Tausch gegen einige Exemplare der fertigen
Alben. Bei Verwimp und Bell mussten wir aber doch bezahlen und da es sich
um handwerkliche Kunst handelt, kostet es auch einiges. Aber: Es gibt
definitiv viel teurere Vertreter als diese. Bisher waren unsere ausgesuchten
Arbeiten bereits vorher schon fertig. In Auftrag geben mussten wir bis
heute noch nichts.

13.
CFMD: Als alter Coverversionenfanatiker komme ich keinesfalls drum herum,
Dich danach zu fragen, ob sich auf Euerm neuen Album evtl. auch eine Coverversion
befindet. Wenn ja, mit welchem Song erfreut ihr uns? Außerdem muss
ich Dich jetzt einfach mal ob der von MANDATORY bislang gecoverten Stücke
ausquetschen, denn die finde ich sehr ansprechend! Jo, da hätte wir
zum einen Cross Me Fool von der Thrash Metal-Legende RAZOR
und zum anderen Slaughter Of The Innocent von den Grindcore-Pionieren
REPULSION. Eure Version von Cross Me Fool hat mich beim ersten
Hören direkt zum Einmann-Circlepit innerhalb meiner eigenen 4 Wände
animiert und ich finde Euer Cover fast noch geiler als das Original! Slaughter
Of The Innocent ist ebenfalls mehr als gelungen und hätte daher
ohne Probleme auf den fantastischen Tribute To Repulsion-Sampler
(FDA Rekotz 2009) gepasst! Kennst Du diesen Sampler eigentlich? Wenn nicht,
dann solltest Du ihn dringend mal anchecken und MANDATORY evtl. schon
mal für einen möglichen zweiten Teil (sofern überhaupt
geplant, ich will hier keine Gerüchte oder dergleichen verbreiten!)
bei FDA Rekotz anmelden! Aber worauf ich eigentlich hinaus wollte: In
Anbetracht der (mindestens!) knietief im Old School Death Metal verwurzelten
Mucke, die MANDATORY zocken, hätte ich mit diesen Coverversionen
nicht unbedingt gerechnet (was die ganze Sache umso interessanter macht,
finde ich), sondern eher darauf getippt, dass ihr Euch was von den üblichen
Verdächtigen (na Du weißt schon: UNLEASHED, ENTOMBED,
DISMEMBER, MORGOTH, AUTOPSY, GRAVE oder dergleichen) zur Brust nehmt.
Daher die Frage: Warum habt ihr Euch ausgerechnet für RAZOR und REPULSION
entschieden? Was verbindest Du persönlich mit diesen zwei Bands und
ganz speziell mit den Songs, die MANDATORY gecovert haben?
- SASCHA: Danke, danke mal wieder! Also diesen Sampler kenne ich nicht.
Da muss ich passen. Zu der zweiten Frage: Wir sind eine Band, die niemals
- nie, nie, nie, nie, nie (!!) - eine Band gleichen Stils covern würde.
Ein Original kann nicht besser gemacht werden, nur anders und darum ergibt
es wenig Sinn, etwa Dismember zu covern. Thrash Metal ist da was anderes.
Die Gitarrenstimmung ist nie so tief wie im Death Metal, der Gesang ist
anders und auch das Drumming. Genügend Ansatzpunkte, um einem Cover
eine eigene Berechtigung zuteil werden lassen zu können. Nachgedacht
hatten wir auch schon über Foxy Lady von Hendrix. Das
würde gut grooven in einer MANDATORY-Version. Aber dafür müssten
erstmal einige rechtliche Dinge geklärt werden, denn einen Hendrix
kannst Du nicht einfach hopplahopp covern, sonst bist Du arm, haha. Zurück
zu Deinen Fragen: Für Razor haben wir uns entschieden, weil sie einfach
die geilste Thrashband aller Zeiten sind (zusammen mit Slayer, frühen
Onslaught und Agent Steel), für Repulsion, weil es einfach irgendwie
aufkam und gut passte. Da gab es keinen bestimmten Grund.
14.
CFMD: Bezüglich Eurer Einflüsse (die in der vorherigen Frage
bereits erwähnten üblichen Verdächtigen jetzt
mal ausgeklammert) ist mir (neben ELVIS (yeah!) und ZZ TOP natürlich)
der Name DISCHARGE sofort in die blutunterlaufenen Augen gesprungen! Also
DISCHARGE (zumindest ihre Frühwerke) werden von der CFMD-Crew in
schöner Regelmäßigkeit aufgelegt und auch große
Teile der Leute, die von unserem Zine sonst so am ehesten angesprochen
werden dürften, können mit ihnen eine ganze Menge anfangen.
Obwohl DISCHARGE seinerzeit ganz einwandfrei in der extremen Metalszene
(und nicht nur dort, ich erinnere hier auch und besonders an Genres wie
Crust- und Grindcore!) ihre unauslöschlichen Spuren hinterlassen
haben (kein Wunder, schließlich gehörten Scheiben wie ihre
Why?-Mini oder die See Nothing, Hear Nothing, Say Nothing-LP
damals zum brutalsten Gemetzel, was es überhaupt gab!), wird der
Einfluss (wenn er denn überhaupt Erwähnung findet!) von DISCHARGE
(sowie artverwandter Kapellen) und von HC/Punk im Allgemeinen auf den
Death Metal oftmals gnadenlos unterschätzt, nur am Rande erwähnt
oder leichtfertig abgetan! Siehst Du das auch so oder bist Du da anderer
Meinung? Was, außer DISCHARGE, landet sonst noch so aus den Bereichen
HC/Punk oder meinetwegen auch D-Beat und Crustcore auf Deinem Plattenteller?
Übrigens: Eine ganze Menge beinharter Metaller, die mit den eben
erwähnten Klängen ansonsten eigentlich so gut wie nichts oder
zumindest nicht viel anfangen können, gehen voll auf die beiden Alben
(A New Dawn Fades & Lycanthro Punk) der schwedischen
Band WOLFPACK (später umbenannt in WOLFBRIGADE und auch heute noch
(bzw. wieder) unter diesem Namen aktiv) ab. Du evtl. auch?
- SASCHA: Also Hardcore mag ich auch sehr, aber bei mir ist es dann neben
Discharge und deren Klassikern vielleicht doch eher die Früh/Mid-90er-Variante
mit Bands wie Merauder (die ich obergeil finde), Agnostic Front, Pro-Pain,
Black Flag und ähnlichen. Insgesamt hat Crustcore und letztlich Punk
viel Einfluss auf Death Metal gehabt und speziell der skandinavische Death
Metal zollt ja in seinem Sound und auch in seinem Ursprung diesen Stilen
deutlich Tribut. Die ganze Herangehensweise einer Band wie etwa Nihilist
ist ja mehr Punk als Metal gewesen. Nur die Ästhetik und die Texte
waren eben noch etwas mehr dem Tod verbunden. Fast noch besser nachzuhören
ist das etwa auf dem ersten Treblinka-Demo. Da hört man den Punk
deutlich heraus. Aber noch was zu dem, was Du da sagtest über Metaller,
die eigentlich sonst nie Hardcore hören (wollen): Vielzuviele Metaller
wollen immer nur schwer true sein. True-Sein hat für
mich was Treue zu sich selbst und zu seiner eigenen Musik zu tun und nicht
damit, sämtlichen anderen Musikstilen zu entsagen. Lustigerweise
tun die Metaller das ja sonst auch gar nicht. In Wirklichkeit gibt es
fast nirgendwo soviel Offenheit gegenüber anderen Kulturelementen
zu beobachten wie unter Metallern. Die Klassik und seit einigen Jahren
der Folk genießen ja unter Metallern etwa hohe Credibility. Genauso
etwa auch der Jazz, dem sich gerade viele Frickelmetaller verbunden fühlen
(möchten). Prinzipiell kann man fast sagen: Alles, was Straßenattitüde
und/oder den Hauch von Stümperei an sich hat, wird gerne
von Metallern gedisst - um mal einen Ausdruck aus einem anderen
Musik- und Lebensstil zu benutzen, den Metaller nicht mögen (möchten):
Hip Hop.
15.
CFMD: Sascha, im SONIC DEATH MONKEY-Inti, welches in Frage # 11 bereits
Erwähnung fand, gabst Du unumwunden zu, dass sich Eure Texte früher
mehr oder minder hemmungslos aus dem großen Sammelsurium der gängigen
Death Metal-Klischees (Rache, Hass, Tod, Zombies
) bedienten und
dass ihr besonders auf Curse Of The Undead in dieser Beziehung
mal krass was habt kucken lassen, hehe! Später auf
Where
They Bleed habt ihr dann allerdings versucht, neue Wege zu beschreiten
und habt Euch wohl eher an den lyrischen Ergüssen von Bands wie PARADISE
LOST oder TIAMAT orientiert, richtig? So weit, so gut. Auf was können
wir uns in textlicher Hinsicht nun bei Adrift Beyond gefasst
machen? Stammen die Lyrics wieder ausschließlich aus den Federn
von Dir und Stinne oder hat heuer evtl. auch mal ein anderes Bandmitglied
Hand angelegt und seine Gedanken aufs Textblatt gebracht?
- SASCHA: Musik und Text sind immer ausschließlich aus unserer Feder.
Es stimmt, dass wir zu Zeiten etwa der ersten beiden MCDs deutlich
diesen Themenfeldern zugetan waren. Ich würde auch heute noch sagen,
dass Curse Of The Undead auf jeden Fall die härtesten
MANDATORY-Lyrics bietet. Ich denke da etwa an Songs wie Flesh Possessed
oder Disemboweled And Devoured. Die sind schon recht hart
und Death Metal-typisch - aber definitiv nicht mit solchem lyrischem Blödsinn
zu vergleichen wie ihn etwa Devourment, Lividity und ähnlich gelagerte
Bands abliefern. Gemessen daran sind die gerade genannten Texte Zitate
aus Emily Erdbeer-Folgen. Ich halte das, was solche Bands wie die von
mir soeben erwähnten in Sachen Texte bringen, für teilweise
nicht mehr tragbar. Okay, das mag übertrieben klingen, wenn man sich
vor Augen hält, dass es nur Undergroundbands sind und keine Käuferschicht
wie Michael Jackson ansprechen, aber dort werden ethische Grenzen überschritten,
die einfach nicht überschritten werden sollten. Um es noch knapper
und genauer auf den Punkt zu bringen: Gerne ein bisschen Zerhackstückeln
und Zombies, von mir aus auch Satan juchu! Aber keine Frauenvergewaltigungen
und ähnlich krankes Zeug! Ok, zurück zu MANDATORY! Ab
Where
They Bleed wollten wir uns umorientieren oder besser gesagt. Es
kam von selbst. Die Texte waren ein klein wenig nachdenklicher. Immer
noch klassischer Death Metal, aber realer, und sie bekamen mehr Gewicht.
Obscure Mortification handelt beispielsweise von dem Moment
des Sterbens und wie man ihn erfahren KÖNNTE. Da wir selbst noch
nicht gestorben sind, können wir unsere Erlebnisse auch noch nicht
schildern, gell. Crypta Crawler beschreibt dann einen psychisch
Kranken, der sich in Gegenwart von Leichen wohl fühlt und jede Nacht
in eine Krypta hinabsteigt, um dort einfach nur zu sitzen und die Dunkelheit
zu genißen. Da wird keiner umgebracht, aber krank ist es dennoch.
Auf Adrift Beyond gibt es eine gute Mischung aus allem. Da
hast Du Songs wie Evocation Of The Dead oder Toxic Mutilation,
die natürlich klassische Death Metal-Sujets bieten und demgegenüber
solche wie Nevermore und Into Eternal Sleep, die
deutlich melancholischer sind. Manche sind dann etwas religiöser
angehaucht und speziell Hallowed Sacrifice ist sogar ein reinrassiger
White Metal-Song, denn es ist ein ausdrücklich gläubig-religiöser
Text. Wir sind keine White Metal-Band, aber noch viel weniger haben wir
etwas mit Satan am Hut. Kurzum: Keine 0815-Texte, sondern eben eine Mischung
aus Einfachem und etwas Gehaltvollerem.

16.
CFMD: In den früheren Tagen von MAYHEM, als sie sich selbst noch
als Total Death Metal bezeichneten und noch nicht lustig bemalt
waren, hat Euronymous mal vom Stapel gelassen, dass es ihm furzegal wäre,
ob eine Band über das Futtern von Mohrrüben oder irgendeinen
anderen Scheiß singt, solange ihre Musik stimmt. Später behauptete
er in seiner typisch revisionistischen Art, dass das alles nicht wahr
wäre und bezeichnete Bands wie NAPALM DEATH, die sich textlich bekanntermaßen
mit sozialen/politischen Themen kritisch auseinandersetzen, nicht als
Death Metal, sondern abwertend als Life Metal. Was hältst
Du davon? Bist Du evtl. auch der Meinung, dass Soziales und Politisches
nicht in den Death Metal gehören?
- SASCHA: Nein, ganz und gar nicht. Ich finde gerade Napalm Death ausgesprochen
wichtig für diese Szene, da sie dem Death Metal einen wichtigen Stellenwert
innerhalb der Rockmusik sichern und das schon immer getan haben - und
das Ganze meist in ziemlich progressiven Liedstrukturen. Und Napalm Death
kommen ja eben auch aus der Punkszene. Umso beachtlicher, wie sich diese
Band damals umentwickelt hat. Solche Bands, die mit ihrer Musik auch Menschen
außerhalb ihres Stils auf diesen aufmerksam machen, braucht man
aber, wie ich finde. Letztlich gilt es dazu, etwas EIGENES zu kreieren
und nicht, sich an Schubladen zu orientieren. Napalm Death schreiben eben
ihre Art von Death Metal. Die Musik IST Death Metal, die Lyrics sind eben
Punk, wenn man es schon unbedingt zuordnen will. Dennoch würde kein
Musikjournalist der Welt diese Band in erster Linie als Punkband bezeichnen.
Sie als Life-Metal zu bezeichnen, hieße, Musik schlicht und ergreifend
nach ihrem textlichen Inhalt zu klassifizieren. Aber: Das Kind, über
das wir hier reden, heißt MUSIK und nicht TEXT.
Somit legen wir doch mehr Wert auf die Musik, nicht wahr?! Und hier sind
Napalm Death eben Death Metal. Also kein Grund, ein Wort wie Life
Metal zu nutzen. Ich denke, hier war einfach nur etwas Humor seitens
Euronymous im Spiel. Natürlich definiert sich Metal vornehmlich
über die Musik. Aber auch der Text war schon immer wichtig und ausschlaggebend
für die Karriere einer Band. Warum singen hunderttausende Menschen
bei Rock in Rio zu Maiden-Songs mit? Nicht nur weil die Musik gut ist,
sondern weil sie auch die Texte mögen und diese etwas Bestimmtes
in ihnen auslösen. Und selbst bei einer Band, die auf den ersten
Blick nur verhältnismäßig schlichte, einfache Texte abliefert
- nehmen wir mal AC/DC -, sind es gerade auch die Texte, die uns so sehr
ansprechen, da sie bestimmte Themen auf eine lockere Art und Weise behandeln,
die wir alle verstehen. Klassischer Death Metal und seine Horrortexte
mit Zombies und dem Tod an sich sind etwas Eigenes für sich. Da ist
die Rezeption sicher anders gelagert. Dort sind die Texte eher eine morbid-spaßige
Beigabe. Texte über Liebe oder Sex verstehen wir aber nunmal, weil
sie sehr real sind. Texte über Vergewaltigungen verstehen wir aber
leider auch, da es ein allgegenwärtiges Thema ist und sich noch dazu
vor der eigenen Haustür ereignen kann. Daher kann ich Bands wie die,
die ich bereits erwähnte und die solche ethischen Grenzen mit Texten
überschreiten, die das, was sie beschreiben, nicht kritisieren, nicht
unterstützen - auch wenn ihre Musik noch so toll sein mag. Death
Metal bietet viele Möglichkeiten, sich lyrisch auszudrücken
- von mir aus in Texten über Krieg, über religiös-inspirierte
Gewalt, über psychische Probleme oder eben über sozio-politische
Inhalte. Immer vorausgesetzt, der Text drückt deutlich aus, dass
das, was da abgeht, negativ ist und eben nicht positiv. Selbst ein Text
wie Angel Of Death bei Slayer drückt in einer einzigen
Zeile deutlich aus, dass die Vorfälle schrecklich waren. Daher weiß
ich auch nicht, wieso noch heute über diesen Song so heiß diskutiert
wird. Sie beschreiben sehr lang und genau, was passiert, aber positionieren
sich ebenfalls deutlich genug. Sobald Du etwas beschreibst, was real ist
und jeden betreffen kann, muss klarer Menschenverstand her. Bei einem
Zombietext jedoch ist das alles außer Kraft gesetzt. Und so finde
ich: Texte sind wichtiger als viele denken, sobald sie sich mit ernsten
Themen befassen und dabei gut geschrieben werden. Und sobald eine Band
wie Napalm Death - wo wir das Beispiel gerade hatten - sich wirklich wichtigen
Themenfeldern widmet, sollten wir froh sein, dass so etwas auf dem Boden
des Death Metal wachsen kann. Letztlich gilt auch im Death Metal, dass
Vielfalt einen Stil bereichert.
17.
CFMD: Ein Typ von SADISTIC INTENT wiederum ließ verlautbaren (als
er gebeten wurde, sich zur Thematik aus Frage # 16 zu äußern),
dass es immer darauf ankommen würde, wie soziale und politische Themen
im Death Metal verarbeitet werden würden, dass (worin ich ihm zustimmen
muss) die Realität eh brutaler als jede Fantasie wäre und sich
so der Kreis zum Death Metal wieder schließen würde. Bands
wie NAPALM DEATH könne man seiner Meinung nach daher wohl kaum vorwerfen,
sie würden Life Metal spielen. Christlichen Todesblei-Kapellen
allerdings schon, denn sie hätten nicht das Geringste mit Death Metal
zu tun. Schließlich könne man echten Death Metal bzw. so richtig
dunkle und brutale Mucke nur dann erschaffen, wenn man eine antichristliche
oder zumindest antireligiöse Einstellung habe. Was fällt Dir
persönlich zu diesem Statement (oder besser: Statements) des SADISTIC
INTENT-Menschen ein? Teilst Du seine Meinung(en) oder siehst Du das anders?
Ich denke, dass der Typ wahrscheinlich noch nie etwas vom Scrolls
Of The Megilloth-Überhammer der bekennenden Christencombo MORTIFICATION
gehört hat. Also wenn das (zumindest mucketechnisch) KEIN Death Metal
sein soll, dann weiß ich auch nicht weiter! Was sagst Du dazu? Gerade
für MORTIFICATION scheinst Du ja einiges übrig zu haben, schließlich
hast Du ja mal bekannt gegeben, dass Du (neben ausgewählten Scheiben
von CANCER, GRAVE, EDGE OF SANITY und UNLEASHED) auch einen MORTIFICATION-Tonträger
auf die berühmt-berüchtigte einsame Insel mitnehmen
würdest, richtig?
- SASCHA: Genau! Gerade Mortification zählen mit ihren drei ersten
Scheiben zu meinen Death Metal-Faves. Sadistic Intent kann ich auch nur
als Klasseband bezeichnen. Und der erste Teil seiner Antwort ist ganz
meine Meinung: Napalm Death sind eben Death Metal und die Realität
ist wirklich mitunter sehr krank. Wenn man sie also beschreibt, dann auch
bitte mit gesundem Menschenverstand. Der zweite Teil der Antwort ist meiner
Meinung nach nichts weiter als absichtlich übertriebenes Underground-Klischee-Gefasel
einer Kulttruppe, die Venom-typisch das Image aufrechterhalten muss. Das
ist aber kein Problem für mich. Manowar machen dasselbe im Heavy
Metal ja auch seit Jahrzehnten. Sadistic Intent sind doch quasi die Manowar
des Death Metal, oder? Ich find die Jungs jedenfalls super, aber seine
Aussage ist natürlich Kokolores. Ich bin sicher, er hat sich nach
dem Interview auch erstmal einen gegrinst. Denn Death Metal heißt
nur knallharter, tiefer Metal, voll auf die Fresse - mit Themen, die sich
dem Krieg, der Gewalt, den Niederungen der menschlichen Psyche oder der
Religion widmen. Und hier kommt es vor allem auf Feeling an. Wer bei Scrolls
etwa nicht Death Metal spürt, dem fehlt doch ein Ohr.
18.
CFMD: Fast aus meinem Computersessel gerutscht bin ich, als Du beim CFMD
nachgefragt hast, ob wir evtl. Interesse an einem Skogsberg vs.
Swanö-Interview hätten! Alter, wie geil ist denn das bitteschön???
Der absolute Wahnsinn! Wie kam der Kontakt zu diesen alles andere als
unbekannten Urgesteinen zustande und wie um alles in der Welt hast Du
es hingekriegt, dass diese beiden Elchtod-Ikonen zusammen in ein und demselben
Interview Rede und Antwort stehen (was meines Wissens nach ja eine Premiere
ist!)? Erzähl uns doch bitte mal ein bisschen was zum Anlass und
zu den Hintergründen dieses Monsterinterviews und auch über
Deine Idee, das Frage/Antwort-Spielchen möglichst vielen Leuten zugänglich
zu machen. In welchen Zines wird das Interview erscheinen und wie bist
Du auf unser antimusikalisches Wurstblatt aufmerksam geworden? Heißen
Dank jedenfalls für dieses fantastische Inti-Angebot, welches wir
natürlich liebend gerne annehmen!!!
- SASCHA: Danke Dir nochmals! Also ich habe vor zwei Jahren für das
Burning Abyss-Magazin aus Polen eine ganze Reihe Reviews und auch ein
Interview mit Death Breath gemacht. Dieses Jahr fragte man mich wieder,
ob ich Lust habe, erneut was zum neuen Heft beizusteuern. Also habe ich
wieder jede Menge Reviews geschrieben und am Ende wurde ich gefragt, wie
es mit einem Interview mit einem der beiden aussehe. Ich schlug dann vor,
beide in eins zu packen, da ich ja ab und an mit Dan schreibe und Skogsberg
eben gerade das neue MANDATORY-Album gemischt hat. Dan war ja vorher die
Wahl für den Mix, bis die Möglichkeit aufkam, es bei Skogsberg
zu machen. Also war es recht easy, einfach mal beide anzuschreiben. Mehr
als nein sagten konnten sie ja nicht, aber sie stimmten zu und somit gibt
es eben dieses Interview nun. Dan hat natürlich erwartungsgemäß
viel mehr geschrieben als Skogsberg, aber dennoch: Beide drin! Mission
erfüllt! Haha!
19.
CFMD: Kurz vor Schluss noch mal zurück zu MANDATORY. Was können
wir von Euch in diesem Jahr alles noch so erwarten? Habt ihr evtl. vor,
Euer neues Album in Form ausgedehnter Live-Aktivitäten zu promoten
oder ist gar eine Tour geplant? Mit welchen Bands würdet ihr gerne
mal auf Tour gehen und warum? Überhaupt muss ich feststellen, dass
MANDATORY eher selten livehaftig zu bestaunen sind. Woran liegt das Deiner
Meinung nach? Habt evtl. vor, diesen Zustand in absehbarer Zeit zu ändern?
- SASCHA: Also wir proben bald die neue Setlist ein. Vorher wollen wir
aber noch ein oder zwei Videos abdrehen. Bisher war das mit Live-Aktivitäten
immer so eine Sache, weil unser aller Studium im Weg war. Wir hätten
vorletztes Jahr mit Gorefest und letztes Jahr mit Interment und Decrepit
Birth touren können, haben es aber nicht angenommen, weil es bedeutet
hätte, sich vom Studium für gleich mehrere Wochen abrupt loszureißen
und eine Tour mehr oder weniger unvorbereitet zu starten. Das wäre
für das Studium und für die eigene Band nicht ideal gewesen.
Aber wir werden jetzt die Live-Aktivitäten in Angriff nehmen. Das
Gute ist ja: Wenn man sich rar macht, dann ist es auch wenigstens etwas
Besonderes, wenn man dann live auftaucht. Wir denken da bereits schon
an einige kleinere Festivals, vor allem im Ausland.
20.
CFMD: Sascha, Du hast es geschafft! Ich danke Dir für das Beantworten
all meiner Fragen, wünsche Dir und MANDATORY weiterhin nur das Beste
und hoffe, dass Du wenigstens ein bisschen Spazz dran hattest, Dich durch
diesen Fragenkatalog zu kämpfen. Wenn Du noch was loswerden willst,
dann hast Du jetzt die Gelegenheit dazu, denn selbstverständlich
gehören die letzten Worte Dir!
- SASCHA: Ja, vielen Dank Dir und CFMD natürlich für die Gelegenheit
des Interviews! Und auch danke DIR da draußen, der/die Du mein Gequassel
bis hier hin erduldet hast!
Liebe
Death Metaller, checkt das neue MANDATORY-Album Adrift Beyond
aus!! 16 Songs bei einer Stunde Spielzeit, gemischt im Sunlight!! Also
zum Antesten sollte das doch reichen. Reinhören könnt Ihr auf
www.myspace.com/mandatory1989!
Haut
rein und rock on!
Sascha
& MANDATORY

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