[ DISANTHROPE ]

1.: Hallo Jerk! Es freut mich außerordentlich, dass dieses Interview so schnell und unkompliziert zustande gekommen ist und dass ich Dich hiermit (zunächst online und später dann auch in gedruckter Form) recht herzlich (und bereits zum zweiten Mal!) beim/im CFMD begrüßen darf! Kommen wir gleich zur Sache: Offenbar mächtig gefreut habt ihr Euch über mein Review Eures "Wir sehen uns in der Hölle"-Tapes. Also dass meine Wenigkeit von diesem Teil echt begeistert ist, wird (glaube ich zumindest) an der Besprechung ziemlich deutlich. Wie sind denn ansonsten so die Reaktionen auf das Tape ausgefallen? Was hält man in Szenekreisen bzw. auf Seiten der "Fachpresse" so davon? Würdest Du behaupten wollen, dass "Wir sehen uns in der Hölle" gut bei den Leuten angekommen ist oder war vielleicht eher das Gegenteil der Fall (was ich erstens nicht annehme und zweitens nicht hoffe!;)? Wie viele Exemplare von dem Tape habt ihr bislang überhaupt an den Mann bzw. die Frau bringen können und seid ihr, im Nachhinein betrachtet, mit dem Endergebnis noch zufrieden? Fragen über Fragen…

- JERK: Hallo Gerste, schön mal wieder von dir zu lesen. Mit dem Endergebnis waren wir eigentlich schon am Anfang nicht so zufrieden. Wir haben lange überlegt, ob wir überhaupt etwas von den Aufnahmen veröffentlichen. Ich weiß nicht wie und warum, aber die Aufnahmen sind uns in die Hose gegangen. Letztendlich haben wir uns dann dazu entschlossen, doch einige der Sonx in dieser Form rauszubringen. Wir hatten noch einige mehr aufgenommen, die aber dermaßen vom Sound abgekackt sind, dass wir die niemanden zumuten wollten. Die sog. Fachpresse fand es auch ganz gut, bis aufs Trust, aber dein Review hatte ja mehr die Form einer Auseinandersetzung denn einer "normalen" Besprechung und war daher schon etwas Besonderes. Einige Zines fehlen noch. Mal schauen was die sagen. Von denen, die es gekauft haben, habe ich nicht viel gehört, außer das der Sound mies ist. Von 100 Tapes sind wir etwas über Hälfte losgeworden.

- mArkus: Eigentlich ist schon alles gesagt, aber da ich derjenige bin, der für die Aufnahmen verantwortlich ist sag ich da vielleicht noch was zu. Wir hatten ein 4-Spur Gerät und ich dachte ich versuchs einfach mal, da ich bei Konzerten auch immer den Sound gemacht hab. Allerdings hätt ich vorher besser noch ein paar Probeaufnahmen gemacht, oder was auch immer, einfach noch n bissl geübt halt. Beim ersten mal macht man halt Fehler. Bei manchen Songs (von den nicht verwendeten) konnt ich mir das Ergebnis aber auch nicht erklären. Für den ersten Versuch find ich's jetzt aber auch nicht sooo schlecht. Trotzdem sieht "zufrieden" natürlich anders aus.


2.: Wie mir scheint, habt ihr Euch (in Zeiten von selbst gebrannten CD-R's und MP3's) offenbar ganz bewusst für das Tapeformat entschieden, was ich sehr löblich finde! Das erlebt man heutzutage nicht mehr allzu oft. Darf man nach dem Grund für Eure Entscheidung fragen? Was hältst Du generell von Tapes, von denen nicht selten behauptet wird, sie seien vom Aussterben bedroht bzw. die schon des Öfteren totgesagt wurden (wobei Totgesagte bekanntlich am längsten leben…)?

- JERK: In meinen Augen besitzen CDs/CD-Rs keine Identität. Für mich sind sie lediglich Mittel zum Zweck wenn ich mal schnell was weitergeben will. Ich habe da keinen Bezug zu. Die CD ging komplett an mir vorbei, ganz anders als die mp3s. Aber ich sitze dann lieber mit ner LP oder nem Tape vorm Computer und ziehe mir da die Musik auffen mp3player. Paradox - ich weiß. Deswegen haben wir uns für das Tape entschieden, auch weil wir der Meinung waren, dass wir da layouttechnisch mehr machen konnten (für das Layout ist im Übrigen mArkus zuständig!) und wir fanden das Tape von Cave Canem sehr geil. Wahrscheinlich war das sogar der Hauptgrund, haha. Tapes finde ich generell gut und würde sie nie für tot erklären, aber ich denke schon, dass die meisten kein Tapedeck mehr haben und sich damit eher weniger beschäftigen.

- mArkus: Return of the Living Dead quasi. Ich seh das ähnlich wie Jerk, mein bevorzugtes Medium ist Vinyl, CDs konnte ich noch nie wirklich leiden und CDRs sind oft lieblos zusammengeschusterte Teile, da hatte ich überhaupt keinen Bock drauf. Und da wir keine Kohle für ne Platte hatten haben wir das zweitbeste genommen. Ich hab zwar auch n Haufen mp3 für den Player, trotzdem finde ich, dass mp3 und CDR Musik irgendwie entwerten. Du hast kein Cover, keine Texte, mp3 sind schnell und massenhaft runtergeladen und CDR sind eigentlich Wegwerfprodukte. Ich hab das auch bei mir bemerkt, ich hab mir tausend Sachen gezogen, mir die wenigsten davon aber intensiv angehört. Hauptsache ich habs mal aufm Rechner. Ach, ich könnt mich jetzt noch seitenweise auslassen, aber ich denke der Grundgedanke ist klar.

- Z: Ich habe nur einen Kassettenrekorder und wollte es auch mal hören.....


3.: Wenn ich einen Blick auf die DISANTHROPE-Bandhistory werfe, dann muss ich feststellen, dass die Bandgründung und die ersten Gehversuche nicht gerade optimal über die Bühne gegangen sind bzw. mit so einigen "Geburtswehen" verbunden waren. Wenn ich das jetzt richtig rekapituliere, dann gingen DISANTHROPE aus der kurzlebigen Combo AMBUSH hervor. AMBUSH wiederum entsprangen in gewisser Weise der Asche von ABRAXAS (die damals im CFMD # 11 zu Interviewehren kamen). Nachdem AMBUSH 2006 aus der Taufe gehoben wurden, kam es zunächst zu vielen (nach Euren eigenen Angaben) "verdammt chaotischen" Proben. Irgendwann erfolgte schließlich die Umbenennung in DISANTHROPE und letztendlich mündete das ganze Chaos erst einmal in der vorläufigen Bandauflösung im März 2008. Bereits im Mai desselben Jahres hast Du Dich dann aber gemeinsam mit dem mArkus wieder aufgerappelt und zusammen mit Sven und Z den Neuanfang gewagt. Dass sich eben dieser Neuanfang verdammt noch mal gelohnt hat, kann auf "Wir sehen uns in der Hölle" nachgehört werden! Nun denn, lange Rede - kurzer Sinn: Schildere doch bitte mal mit Deinen eigenen Worten das von mir kurz angerissene Geschehen. Mit welchen Intentionen und mit was für Inspirationsquellen im Gepäck sind DISANTHROPE damals gegründet worden und was war der Antrieb hinter der Neuformierung der Band?

- JERK: Also, ich habe abrAxas im Juni 2006 aus verschiedenen Gründen verlassen, hatte aber schon vorher mit mArkus über eine gemeinsame Band fantasiert. mArkus hatte damals Konzerte in der Oetinger Villa organisiert und auch einige für abrAxas. Da haben wir uns kennen gelernt und schnell gemerkt, dass wir musikalisch in (fast) allen Belangen übereinstimmen. Wir haben also direkt weiter gemacht. In Ermangelung eines Namens haben wir uns Ambush genannt. Wir sind aber nie von der Stelle gekommen. Hatten in knapp zwei Jahren 5 Sonx zustande gebracht, hatten daher nie Live gespielt und im Mai 2008 das Elend beendet. Kurz vorher hatten wir uns noch in DISANTHROPE umbenannt, eine Kreation von mArkus. Die Intention hinter der Bandgründung war einfach, dass mArkus und ich zusammen Musik machen wollten. Ich wollte auch etwas roher als mit abrAxas zu Werke gehen und typischen Crust/D-Beat machen. Relativ schnell nach der Auflösung kamen wir zwei aber wieder zusammen und entschlossen uns weiter zu machen. Wir fragten dann den Sven, der sich sowieso meistens in Darmstadt auf den Konzerten rum drückte, ob er sich vorstellen könnte mit uns Lärm zu fabrizieren. Der sagte zu und meinte, er hätte noch einen Gitarristen, der auch gerade nichts zu tun hat in musikalischer Hinsicht. Und das war der Z. Wir haben uns auch auf Anhieb verstanden und das erste Stück war "Lied der Arbeit". Die Sonx der Erstbesetzung haben wir dann in der Versenkung verschwinden lassen. Mit der Zeit sind wir dann irgendwie langsamer geworden, ohne dass dies mit Absicht geschah. Es hat sich einfach in diese Richtung entwickelt.

- mArkus: Als wir uns mit Sven das erste mal getroffen haben und ich ihm ein paar Riffs auf der Gitarre gezeigt hab klang das alles doch noch sehr metallisch. Als dann der Z dabei war klangs plötzlich ganz anders und es entwickelte sich eine Mischung aus Crust, Metal, Düsterpunk und Wave. Z und ich haben auch zwei völlig unterschiedliche Stile Gitarre zu spielen, was dann schon mal dazu führt, dass ein Riff von mir sich plötzlich gar nicht mehr so anhört, wie ich's zu hause gespielt hab. Aber das meiste kommt eh vom Z. Ach ja, ich muß Jerk korrigieren, wir haben das Elend im März 2008 beendet. Im Mai hat sich die jetzige Konstellation gebildet.


4.: Die DISANTHROPE-Members sind in (anti)musikalischer Hinsicht keine unbeschriebenen Blätter mehr. Was gibt's interessantes über die Bands zu berichten, bei denen sie früher bereits lärmten und/oder bei denen sie es, parallel zu DISANTHROPE, derzeitig noch krachen lassen? Haben diese Bands irgendwelche Releases am Start? Wenn ja, welche sind das?

- JERK: Mrs. Krabappel ist nur ein Nebenprojekt, mit dem wir etwas dem 8ziger Thrashcore frönen und Ralph Wiggum ein Denkmal setzten wollten. Aber so richtig verfolgen tun wir das nicht und wir hatten auch nur einen Auftritt auf dem GTNS und haben zweimal nach DISANTHROPE einen Song Zugabe mit Mrs. Krabappel gespielt. Ansonsten bastele ich noch an einem ElektroNoiseProjekt namens Stubenhock@. Ich hatte mal was auf Tape zusammengebastelt, war aber im Nachhinein nicht mehr zufrieden. Mittlerweile finde ich meine Sachen auch besser und mal sehen was daraus wird. Ich bin ziemlich breit gefächert in Sachen Musik und habe damals auch viel der sog. Neuen deutschen Welle gehört bzw. das was später darunter gefasst wurde. Geile Tiere, Phonophobia, Der Plan, DAF, Pyrolator und so und habe mir auch Tapes gemacht, in dem ich Störgeräusche aufgenommen habe, die im Radio laufen, wenn du zwischen zwei Sendern hängst oder auch DatasettenTapes (Commodore C20 - kennste noch?) abgespielt, die dabei nur klirrende Geräusche von sich gaben. Und als im Sommer auf Arte Summer of the 80ties lief bin ich damit wieder angefixt worden und habe Stubenhock@ aus der Taufe gehoben. Meine absolute Faveband sind übrigens die Einstürzenden Neubauten, nur so am Rande.

- mArkus: Okay, erstmal das Aktuelle. Neben Disanthrope sing ich noch bei ATTENTAT, da machen wir ich würd mal sagen klassischen 80er Hardcore Punk mit deutschen Texten, also Deutschpunk. Die Band gibt's jetzt auch schon etwas länger, sogar länger als Disanthrope, aber aufgrund von Besetzungswechseln und sonstigen widrigen Umständen gibt's da leider noch kein Release, aber auf unserer Seite kann man ein paar Liveaufnahmen hören. Ansonsten bastel ich noch bei SYNAPSENFICK an Electrosachen die zum einen so in Richtung DAF u.ä. gehen, also tanzbar sind, zum anderen aber auch eher so düstere stimmungs Teile mit vielen Samples. So'n bisschen vielleicht wie späte Sachen von FM EINHEIT. Mein Musikgeschmack ist ähnlich wie der von Jerk sehr breit, von daher könnte da noch das ein oder andere Projekt folgen, hehe. Früher hab ich bei PURIFY gesungen, ich glaub bis 2005. Das war astreiner Thrash Metal, musikalisch grob in Richtung EXODUS, gesanglich eher KREATOR oder DARKNESS. Der Gitarrist und der Basser haben die Band übrigens dieses Jahr wieder reaktiviert. Bei Interesse sucht einfach mal bei myspace, da bin ich auch noch zu hören. Ansonsten gibt's nix nennenswertes, weil's nie übern Proberaum rauskam.


5.: Welche Bedeutung steckt eigentlich hinter Eurem Bandnamen und was wollt ihr damit zum Ausdruck bringen? Offensichtlich habt ihr diesen Namen nicht rein zufällig bzw. nur so zum Spazz ausgewählt, oder? Recht interessant finde ich zudem die Beschreibung Eurer Mucke, die da lautet "Tropical Peace Punk From South Of Hessen". Jawoll, das ist doch wirklich mal was! Auch hier würde mich interessieren, warum ihr Euch ausgerechnet für diese Bezeichnung entschieden habt.

- JERK: Den Namen erklärt der mArkus, hähä. Tropical Peace Punk - wir hatten ein Konzert mit Miseria veranstaltet und die hatten einen Fahrer dabei und der Abend wurde ziemlich lustig und es war schon spät. Dieser Fahrer fragte mich, ob ich der militante Teil dieser Veranstaltung sei und ich erwiderte, dass ich voller Frieden bin, worauf er mir versicherte ebenso drauf zu sein. Er hätte sogar über seinem Doom-Shirt vor einigen Tagen ein Hawaiihemd getragen. Plötzlich stand der Begriff "Tropical Peace Punk" im Raum. Im weiteren Verlauf des Abends kam der Fahrer (sorry ich habe den Namen vergessen) zu der Erkenntnis, dass in Darmstadt ein "peaceful Tropical Peace Punk" vorherrschen würde, während in Italien mehr die Vertreter des "militant Tropical Peace Punk" beheimatet seien. Tja, keine tiefgründige Sache irgendwie, haha. Floppy hatte dann für das Konzert in der Frankfurter Au auf den Flugi "Misantropical Peace Punk" geschrieben und jetzt wird mal dies, mal das genutzt. Und wenn es schon ein "South of Heaven" gibt, muss es auch ein "South of Hessen" geben.

- mArkus: Vielen Dank, Herr Götterwind! Schön auf mich abgewälzt… Also, das Wort Disanthrope gibt's ja überhaupt nicht und ich hab mir da auch keine 100%ige Bedeutung ausgedacht. Es ist eher ein kleines Wortspiel mit der Vorsilbe, man könnte das ganze vielleicht als "Entmenschlicher" übersetzen. Sollte halt düster klingen und n bissl Spielraum für eigene Interpretationen lassen. Klingt jetzt alles unheimlich durchdacht, aber das isses ehrlich gesagt nicht wirklich. Eher so'n bisschen schwammig, hehe. Aber um eins klar zu stellen (mit einem kleinen Gruß Richtung OX): Es hat nichts, aber auch absolut gar nichts mit DIS-charge, D-Beat oder sonstigem zu tun.


6.: Meiner bescheidenen Meinung nach fabriziert ihr mucketechnisch echt was ganz eigenes, was sich nicht direkt oder zumindest nicht so einfach mit dem Schaffen anderen Bands vergleichen lässt. Respekt, die Herren! Das kann man nun beileibe nicht von jeder Combo behaupten! HC/Punk und verkrustete Klänge nehmen bzgl. Eures Sounds eine tragende Rolle ein. So richtig straight und im D-Beat-Schweinsgalopp voran geht es allerdings nur stellenweise und wohl dosiert. Das Hauptaugenmerk richtet sich eher auf Midtempo-lastige, langsamere und manchmal regelrecht schleppende Songgebilde, die verdammt düster klingen, mit leichten Metal-Einsprengseln versehen sind und mit wunderbaren Melodielinien aufwarten. Nix für ausgemachte Frohnaturen, würde ich mal meinen. Man könnte auch "Endzeitmucke" dazu sagen. Wie siehst Du das? Bitte gib doch mal mit Deinen eigenen Worten wieder, was den DISANTHROPE-Sound Deiner Meinung nach letztendlich ausmacht. War von vornherein geplant, dass die Reise für Euch in eben diese Richtung geht oder hat sich das erst nach und nach herauskristallisiert? Wie schaut es bzgl. der Inspirationsquellen aus, die Dich/Euch maßgeblich beeinflusst haben und/oder beeinflussen?

- JERK: Endzeitmucke hört sich gut an. Das klauen wir dir ab sofort und lassen es uns sichern. Wie oben schon kurz angerissen war das gar nicht geplant. Mit der jetzigen Besetzung hat sich das so nach und nach heraus kristallisiert. Wir vier haben teilweise sehr unterschiedliche Hörgewohnheiten, die aber doch immer wieder in gewissen Punkten zusammengehen. Wir alle hören Crust, aber eben auch Metal, Wave und im Falle von Z auch EA80, Fliehende Stürme etc. Z und mArkus machen auch überwiegend die Musik und/oder ergänzen die Ideen des jeweils anderen. Da prallen dann die Düsterpunks mit den Metallern zusammen, haha. Frohnaturen sind wir alle nicht wirklich und die o.a. Musikeinflüsse verbunden mit unseren emotionalen Befindlichkeiten ergeben dann unser Gebräu.

- SVEN: Ich denke in Zeiten in denen sich echt alle Bands nur noch aneinander orientieren, is es dochmal an der Zeit "frischen Wind" zu bringen, HAHA !! Ich mag es z.B. echt gerne wenn sich mehrere Einflüsse mischen und dann etwas neues oder anderes entsteht. Dieses "Konzept" hab ich mit dem Z schon in unserer alten Band AUSRASTEN gemacht. Damals waren auch echt viele Einflüsse in der Mukke (von punk-reggea-grunge-psychodelic...) und am ende sind immer sehr interessante Soundgebilde entstanden :). Ich glaub auch das dadurch unser Tempo bei DISANTHROPE oft wechselt und genau wie Jerk schon gesagt hat neue und andere Elemente aufeinander treffen. Und ENDZEIT MUKKE is geil !!! so nennen wir unser nächstes was auch immer ;)

- mArkus: Endzeitmucke? Hm, wenn's so Mucke in der Endzeit gibt, dann überleb ich gern den Atomkrieg, hehe. Eigentlich hat Jerk ja schon alles gesagt…


7.: In meinem Review des "Wir sehen uns in der Hölle"-Tapes merkte ich zudem an, dass man von Euch keine gute Laune verbreitenden Texte aufgetischt bekommt und dass es stattdessen kritisch, keineswegs unpolitisch, manchmal aber auch persönlich und zuweilen mit zynischem Unterton (ich sage nur "Lied der Arbeit"!) zur Sache geht. Außerdem fand ich in der Besprechung (und finde es immer noch), dass bei den Lyrics immer ein bisschen Deutschpunk-Spirit mitschwingt (auf positive Art und Weise wohlgemerkt!). Würdest Du meinem Geschreibsel zustimmen oder gibt es dabei Sachen, die Deiner Meinung nach evtl. unzutreffend oder nicht so recht nachvollziehbar für Dich sind? Überhaupt wäre es cool, wenn sich derjenige, welcher für die Texte zuständig ist (ich habe die Vermutung, dass Du das evtl. bist), generell mal zu seinen Lyrics, den darin verarbeiteten Themen, der Inspiration und der Intention dahinter äußern könnte, da ich der Meinung bin, dass er wirklich was zu sagen hat und genau weiß, wovon er der schreibt bzw. zu welchen Themen er sich da äußert!

- JERK: Der Deutschpunk-Spirit kommt wahrscheinlich von mir. Die bestimmte Art Texte zu schreiben und Themen anzupacken, teilweise etwas plump, kann mensch sicher mit diesem Begriff umschreiben. Z und ich haben bis jetzt alle Texte geschrieben. Ich beziehe mich mal aufs Tape, bei dem ich gerade feststelle, dass dort nur drei Texte von mir sind. Ich werde wohl doch von der Band gemobbt, hehe. Bevor die Texte vertont werden, muss übrigens jeder damit einverstanden sein. Ansonsten wird er nicht genommen.
"Lied der Arbeit": Wie schon im Text anklingt, ist dieser von Chaplins Werk Moderne Zeiten inspiriert. Wir geben uns einer gewissen Monotonie hin, machen uns wenig Gedanken, produzieren Dinge, die wir dann in einem Geschäft wieder überteuert kaufen. Verzichten immer mehr auf unsere Rechte, nur um den Arbeitsplatz zu erhalten - weniger Geld, weniger Urlaub, Mehrarbeit. Wir wehren uns nicht, lassen uns gut händeln. Immer wieder gibt es Meldungen von Überwachungen in Discountern, aber trotzdem passiert nichts. Dass die Kassiererin, der wegen angeblicher Pfandbons gekündigt wurde, auch am Einzelhandelsstreik beteiligt war und sich engagierte, wird sehr selten erwähnt. Naja, solche Dinge führten zu dem Text.
"Trennungsstrich": Das Zitat habe ich mal wertungsfrei benutzt und der Text soll verdeutlichen, dass wenn wir mit dieser Gesellschaft nicht zu tun haben wollen, sollten wir auch versuchen ein wenig Veränderung herbei zu führen. Ein wenig aktiv sein, ein wenig an der Utopie arbeiten.
"Gemeint sind wir alle": war geschrieben als Reaktion auf die Repression gegen die Tierrechtler in Österreich und die Verhaftung zweier Rote Hilfe Mitglieder in Belgien, aber ist natürlich auch ein Text für unsere Gefangenen egal ob Tierrechtler, mg, RAF etc. und beinhaltet auch den Kampf für die Häuser. Vielleicht der Text, der am meisten den von dir erwähnten Deutschpunk-Spirit atmet?
Andere Texte von mir, die mehr persönlicher Natur sind, behandeln auch Dinge wie Depression, Angststörung und Panikattacken.
Die anderen Texte auf dem Tape sind vom Z.

- mArkus: Ja, ja, wir mobben dich, is klar. In der alten Besetzung hast du zwar alle texte gemacht, dafür durftest du noch nicht mal Sachen wie "Multinationale" singen. Aber beschwer dich ruhig…

- Z: Meine Texte zu erklären wäre ekelhaft. Es gibt keinen Text zum Text.


8.: Bleiben wir noch einen Moment bei den Texten. Ans Verwursten deutschsprachiger Lyrik trauen sich nicht viele Bands ran. Warum ist das Deiner Meinung nach so? Haben die Leute/Bands davor vielleicht zu großen Respekt oder gar Angst? Klar, das mit den deutschen Texten kann brutal in die Hose gehen und die Grenze zur unfreiwilligen Komik und/oder Peinlichkeit ist schneller überschritten, als einem/r lieb sein kann. Bloß das kann bei englischsprachigen Lyrics genauso passieren, oder etwa nicht?

- JERK: Ich hatte bis zur Neugründung von DISANTHROPE englische/deutsche Texte gemischt. Je nachdem, wie mich zu einem Thema besser ausdrücken konnte Aber mittlerweile sind die Texte in deutscher Sprache. Aber egal in welcher Sprache - wenn der Text nicht gut ist, geht er immer die Hose. Englische Texte müssen, wenn mensch nicht fließend spricht, übersetzt werden, bevor sich Gedanken drüber gemacht werden. Deutsche Texte gehen gleich brutal ins Ohr, besonders wenn sie eher suboptimal sind. Vielleicht, wenn ich es mal schaffe über den Anfängerstatus hinaus zu kommen, schreibe ich Texte in Gälisch. Das spricht jedenfalls kaum einer, haha. Ich will jetzt auch nicht den großen Texter raushängen lassen, der ich nicht bin. Dieser negative Touch kommt bei Texten ganz schnell, wenn Reime benutzt werden ohne von Metrik Ahnung zu haben. Dann kommen diese Schüttelreime zustande. Ich versuche, weil mich mit Metrik so wenig wie möglich auseinandersetzen möchte, Reime wegzulassen und setze sie nur selten ein, wenn es gerade passt.

- Z: Wenn mir etwas peinlich wäre, spielte ich nicht in dieser Band.

9.: Jerk, Du bist in der Vergangenheit bereits mehrfach als Autor von Kurzgeschichten, Gedichten etc. in Erscheinung getreten. Auch warst Du als Fanzineschreiberling bzw. -herausgeber aktiv und hast damals u.a. auch die "Fight For Your Dog (Not For Your Country)" Benefiz-CD-R und andere Releases via "Götterwind Imperium" raus gebracht. Gibt doch bitte mal kurz zu Protokoll, was Du bisher so alles auf dem Kerbholz hast bzw. wo man sich darüber informieren kann. Wie sieht's derzeitig mit den erwähnten Aktivitäten aus? Geht da noch bzw. nach wie vor was (wovon ich mal ausgehe) oder konzentrierst Du Dich jetzt eher auf DISANTHROPE?

- JERK: In den 8zigern habe ich in einigen DeutschPunkbands gesungen, die aber nie aus den Kellern rausgekommen sind. Von 1990 - 2003 habe ich das Götterwind Label gemacht. Erst Tapes und später Vinyl. Nach 2003 habe ich hier und da noch etwas unter dem Namen raus gebracht, aber ohne Neugründung. Von 1998 - 2000 habe ich noch einen Vegan Versand gemacht und 1999 war ich Teil des Radikalen Erdversands Kollektivs. Gerade letzterer ist einfach eingeschlafen, was ich sehr schade fand. Da ich aber keine Vertriebssachen bei mir hatte, sondern sich alles im hohen Norden befand und sich von dort keiner mehr meldete, was es dann einfach aus. Als Autor bin ich weiter aktiv. Meine beiden letzten Bücher waren "Der große Ausbruch aus Folsom Prison". Das Buch wurde von Jack Black geschrieben und Axel Monte und ich haben es für den Killroy Verlag übersetzt. Nicht der Schauspieler Jack Black, sondern ein Hobo und Gelegenheitsdieb aus dem "Wilden Westen", der um die Jahrhundertwende gelebt und in Folsom Prison gesessen hat. Ein zweiter Teil sollte schon längst übersetzt sein, liegt aber immer noch bei mir. Und in der Edition Paper One, Leipzig, ist ein Gedichtband von mir erschienen "Die verdammten Jahre", der Texte enthält, die zwischen 1992 und 2007 in verschiedenen Zines und Anthologien erschienen sind. Für 2010 ist ein Buch von Thomas Meyer-Falk geplant. Ich habe da die Essays von ihm zusammengestellt und alles in Form gebracht. Ein Verlag ist auch gefunden, aber ich muss noch die Änderungen von Thomas bearbeiten und noch ein paar Sachen dafür erledigen. Außerdem erscheint ein Gedichtband mit neuen Texten von mir sowie ein Vierersplit-Gedichtband mit mArkus Hintzen, Jörg Herbig, Urs Böke und mir in einem österreichischen Verlag. Ich habe 1988 angefangen für einige MetalZines zu schreiben und ab 1990 habe ich verschiedene Zines selber rausgebracht (Der Letzte Versuch, Teenage Keks, My Choice und noch ein paar). Mit der Band wollten wir auch ein Zine herausbringen, aber wir bekommen es nicht gebacken. mArkus, ich und noch ein paar Freunde veranstalten auch Lesungen, die Reihe Sendeschluß, die von mArkus ins Leben gerufen wurde und machen außerdem noch jeden 3. Mittwoch im Monat Volxküche im Halkevi Darmstadt, bei der wir auch versuchen Filme oder Vorträge zu organisieren, die Zusammenhänge aus Sicht des Anarchismus vorstellen. Zuletzt war bspw. Rudolf Mühland mit dem Vortrag "Antisemitismus in der BRD" bei uns. Und die Tierrechte dürfen ja auch nicht zu kurz kommen.


10.: Beim "Grind The Nazi Scum Festival" in 2009 hast Du zusammen mit den "üblichen Verdächtigen" (hähä!) am ersten Abend Texte von Punk/HC/Crust- und Grindcoreherden zum Besten gegeben und was Du da so von Stapel gelassen hast, gefiel mir ausgesprochen gut (danke übrigens für das Ausbuddeln des SEUCHENHERD-Textes!, das hat direkt dazu animiert, mich mal wieder mit der genialen (und leider irgendwie völlig unterbewerteten!) 7" dieser Band auseinanderzusetzen!). Kann davon ausgegangen werden, dass Du bei dieser (wie ich finde doch recht coolen und bei den anwesenden Freaks beliebten) Aktion in 2010 wieder am Start bist (was ich mir wünschen würde!) oder sollte ich lieber die GTNS-Crew dazu befragen?

- JERK: Seuchenherd ist absolut unterbewertet. Eine großartige Band, die auf jeden Fall hier Erwähnung finden sollte. SEUCHENHERD!!! Ich glaube nicht, dass ich dabei bin. Bin auch nicht gefragt worden und hatte auch seit dem keinen Kontakt mehr zum Sven Augstein.

- SVEN: Hähä ... ich hab an dem Abend das erste mal was von SEUCHENHERD gehört und fand den text klasse, und wie der Zufall so will ist mir dann auf dem PlayFastOrDontFestival die 7" (2nd Edition Civilisation Records) in die Hände gefallen !! Hier nochmal DANKE Jerk für die Inspiration... wir sehen uns ja so wenig hehe ...


11.: Apropos GTNS 2009: Wie fandet Du Euern Gig dort (den ich Arsch natürlich prompt verpasst habe! - ich schiebe die Schuld dafür einfach mal darauf, dass ich am Vorabend zu viele Texte bzw. die dazugehörigen Bands erraten habe, na dann Prost! (if you know what I mean…;)) und das Festival im allgemeinen? Sind DISANTHROPE eigentlich oft oder zumindest regelmäßig live on stage zu erleben? Welchen Gig würdest Du als den bisher denkwürdigsten der Bandgeschichte bezeichnen und warum?

- JERK: Muss ich mir mal die Aufnahmen von der Lesung anschauen. Es ist alles dokumentiert, hähä. Den Gig von uns fand ich gut. Es waren zwar wenige Leute im Raum, aber das sind wir ja gewohnt. Unsere Musik ist wohl nicht so geeignet zur "Unterhaltung". Das Festival - ich habe unter dem Begriff Grindcore etwas anderes erwartet (so was wie Belching Beet, Accion Mutante etc.) und konnte nicht mit allen Bands was anfangen, aber das ist ja normal. Nervig fand ich Besucher mit Porngrind-Shirts, den Typen, der es toll fand mit ner Spraydose Tiere zu besprühen und das es kein veganes Essen gab, obwohl es vorher hieß, dass für alle was da ist. Okay, letztres ist jetzt nicht so ausschlaggebend, aber das waren so Dinge, die mir das Festival insgesamt vermiest haben. Wir sind eher selten zu sehen, da wir zum einen keine Anfragen und wenn wir was rumschicken keine Rückantwort bekommen. Die beiden denkwürdigsten Gigs waren sicher im Juz Mannheim, weil wir da so scheisse waren, dass wir seit dem nie wieder von dort angefragt worden. Auch Menschen, die woanders Konzerte machen und uns dort gesehen haben, fragen nicht an bzw. antworten nicht. Da wir auch keine Unterhaltungsmusik spielen, wie schon angeklungen, leert sich der Konzertraum auch ziemlich schnell bei uns. Hinterher hört mensch zwar, dass es gut war, aber drin bleiben wollte doch keiner. Aber egal, wir spielen trotzdem. Sehr viel Spaß macht es immer im Saarland, im Juz St. Ingbert. Total liebe nette Leute. Auch Juz Bingen war sehr gut.

- SVEN: so will ich mal sagen welchen ich toll fand ... Den aller ersten mit MASSGRAVE und RELICS OF FUTURE in Darmstadt. da waren nämlich viele Leute anwesend. und so als ersten Gig gleich mit der echt super Combo MASSGRAVE zu spielen fand ich echt genial (auch die Aftershow danach hehe). und natürlich den Gig mit HELLBASTARD weil wir die da an die Wand gespielt haben HAHAHA ... ansonsten ebenso St. ingbert weil die atmosphäre echt toll ist dort und die leute nett.
Bingen is auch gut gelaufen ... vom GTNS war ich auch etwas enttäuscht. Vor allem weil so manche grindcore acts echt scheisse waren!! und ebenso is es immer scheisse Porngrind Penner reinzulassen, obwohl uns vorher gesagt wurde das darauf geachtet wird das solche Deppen kein platz dort haben. sehr enttäuschend !!

- mArkus: Das GTNS fand ich jetzt auch nicht wirklich prall. Die Sache mit dem Essen war zwar ärgerlich, aber ich bin da eher der Typ der anfängt einen gewissen Galgenhumor zu entwickeln. Die ganzen Porngrinddeppen dagegen haben mir da schon eher den Spaß versaut. Auf der anderen Seite hab ich auch alte Bekannte wieder getroffen die ich seit Jahren nicht gesehen hab, das war nett. Unseren Auftritt fand ich ziemlich gut, einer unserer besten. Leider mal wieder mit ohne Publikum. Der völlig improvisierte - jetzt können wir uns ja outen - MRS. KRABAPPEL Auftritt war auch genial, den hab ich mir auch noch etliche male auf video angeguckt. Ein Schlagzeuger mit gefühlten 8 Promille der andauernd nach nem Kotzeimer verlangt, großes T-Shirt Gewinnspiel mit Reise nach Jerusalem…ich hatte Spaß! Der Gig mit HELLBASTARD war mit Sicherheit einer der geilsten, einfach weil wir uns verdammt gut verstanden haben. Ausserdem hatten wir nur grünes Licht auf der Bühne, das kam richtig geil. In Sachen St. Ingbert schließ ich mich den anderen an. Ingbert is immer geil, weil's da einfach viele nette Leute gibt mit denen ich auch "außermusikalisch" in Kontakt bin. Bingen war glaub ich bis jetzt unser bester Auftritt, an Frankfurt hab ich dagegen keine guten Erinnerungen, was aber wohl eher an der Erdbeer-Schlammbowle liegt. -;-)


12.: Thema "Szene in Darmstadt". Jo, im ABRAXAS-Inti damals im CFMD # 11 klang an, dass bei Euch einiges zu gehen scheint (zumindest war das damals der Fall). Außerdem schickte mir der Marco von ABRAXAS damals die "Ground Zero Darmstadt" CD-Compilation mit 13 Bands aus Darmstadt (und Umgebung). Wie sieht's szenemäßig heutzutage aus? Ist anno 2009 noch immer was am kochen oder sind die Darmstädter Szeneaktivitäten seit dem Zeitpunkt des erwähnten Interviews eher etwas abgeebbt? Wie viele der auf "Ground Zero Darmstadt" vertretenen Bands sind überhaupt noch aktiv und wie sieht's mit neuen Bands aus, die den Untergrund bevölkern? Mit anderen Worten: Ein kleiner "Szenereport Darmstadt" bitte!

- JERK: Ich glaube vom Ground Zero sind nur noch drei Bands aktiv. Aber es gibt ja neue. Die alten Herren von KACKOPHONIA sind noch am Start. Machen HC-Punk und sind auch ansonsten in der STAVO bzw. UFFBASSE aktiv www.uffbasse-darmstadt.de Dann haben sich die ebenso alten Herren von der HC Band NARSAAK wieder reformiert und brettern böse wie eh und je durch die Lande. Energie pur! 47MILLIONDOLLAR machen immer noch Hardcore. Der Schlagzeuger von Kackophonia spielt noch bei UNGUNST, einer von OF übergesiedelten DeutschPunkband und auch noch bei THE WOLVES, so RocknRollPunk, bei der auch einer unserer abrAxas Gitarristen spielt. Mit BIERWUT hat sich auch eine junge Band gefunden, ausnahmsweise zwar, aber es wäre nicht Darmstadt, wenn nicht mindestens zwei alte Säcke von ehemals Jämmerlich/Rückschlag da mitspielen würden. Dann hörte ich noch was von KEGELGRUPPE SCHAITERHAUFEN, wo Gitarrist und Schlagzeuger unserer Erstbesetzung mitspielen. Insgesamt brodelt es noch, wenn auch eher mit älteren Semestern, aber das scheint Darmstadt typisch zu sein.

- SVEN: Marcus und Jerk machen keine Konzis mehr, und seit dem is echt ebbe mit tollen sachen !! also was Konzis angeht ... ihr faulen Säcke ;) .

- mArkus: du hast MITGIFT vergessen. Auch alte Leute, aber super Musik! *g*


13.: Heute ist der 22. Dezember, Weihnachten steht vor der Tür und langsam aber sicher beschleicht mich (wie eigentlich jedes Jahr) wieder mal das Gefühl, dass der Großteil der Bevölkerung in diesem hässlichen Land deshalb komplett durchdreht! Man macht auf "Friede, Freude, Eierkuchen", kauft (wenn man noch die Möglichkeit dazu hat) "seinen Lieben" jede Menge überteuerten Schrott (den sie sowieso nicht brauchen), spendet auf Teufel komm raus um das schlechte Gewissen zu beruhigen (wobei sich die Leute wenig darum zu scheren scheinen, ob ihre Kohle auch wirklich bei den Bedürftigen ankommt oder ob sie stattdessen nicht etwa doch in dunklen Kanälen verschwindet - Hauptsache man hat was gespendet und das Gewissen gibt endlich Ruhe…) und die graue Masse bereitet sich wie paralysiert im großen, vollkommen hirnverbrannten und unreflektierten Stil auf das "Fest der Liebe" vor. Dabei wird die Realität nur allzu gern vollkommen ausgeklammert. Kurzum: Mich kotzt die ganze Scheiße an! Welche Erfahrungen hast Du so bzgl. dieses Weihnachtswahns gemacht und welche Bedeutung hat dieses "Fest" für Dich persönlich?

- JERK: Eigentlich hast du alles gesagt. Falls das alles mal einen Sinn gehabt haben sollte, geht dieser in Konsum und Fresserei unter. Aber ich bin kein Christ oder sonstiger Religion zugehörig und von daher geht mir das alles am Arsch vorbei. Ebenso auch alle anderen "Feiertage" inkl. Sylvester und Geburtstag.

- SVEN jepp ... wir brauchen keine grund zum saufen !!! hahaha ... des kommt von ganz allein ...

- mArkus: Weihnachten geht mir am Arsch vorbei, nichtsdestotrotz komme ich nicht drumrum mich am 24. bei meiner Omma blicken zu lassen. Was ich aber wirklich geil fand dieses Jahr war, daß letzte Woche die ganze Zeit über diesen sinnlosen Klimagipfel berichtet wurde, vor kurzem wurden die bösen, bösen Glühbirnen verboten - die Liste ist lang. Dann hab ich mal ausnahmsweise mal wieder meine Wohnung verlassen und die ganze Innenstadt ist voll mit Weihnachtsbeleuchtung. Besser kann man diese ganze Heuchelei nicht inszenieren.

- Z: Liebe? Grippales Kippenspiel und Pannengrün....


14.: Am Jahresende ist es für gewöhnlich auch Zeit für die obligatorische Jahresendbilanz. Stelle zum Schluss dieses Interview doch bitte mal eine selbige für Dich und DISANTHROPE auf. War es Deiner Meinung nach ein gutes Jahr für Dich und die Band oder hätte es durchaus besser laufen können?

JERK 14.: War schon okay für DISANTHROPE. Wir hätten gern mehr gespielt, aber es ist natürlich auch so, dass wir weiter voraus planen müssen, da Sven und Z in der Pflege/Rettung arbeiten und beschissene Arbeitspläne haben. Da klappt nicht immer alles kurzfristig.
Da meine Bullterrierdame ILSE im Oktober verstorben ist, ist dieses Jahr für mich persönlich beschissen. Ich bin sehr traurig.

mArkus: Für die Band wars okay, das seh ich auch so. Persönlich wars teilweise ne ganz schöne Achterbahnfahrt, allerdings mit deutlich mehr Tiefen als Höhen. Dabei hat's gar nicht so schlecht angefangen…aber dann hat's mich mehrmals so richtig aus der Bahn geworfen.


15.: Was können wir von DISANTHROPE in naher Zukunft erwarten? Ist für 2010 schon was Konkretes in Planung oder harrt ihr der Dinge, die da kommen werden?

- JERK: Wenn alles gut geht wollen wir Ende Januar ins Studio und unsere Sonx aufnehmen und dann mal schauen, ob wir das Geld für eine LP zusammen bekommen. Wenn nicht, machen wir wohl wieder ein Tape. Ansonsten steht nur ein Gig am 4.3. im Saarland, Juz St. Ingbert mit unseren Freunden von OI POLLOI fest.


16.: Nun denn, lieber Jerk, Du hast es hinter Dir! Ich danke Dir recht herzlich dafür, dass Du Dich tapfer durch meinen Fragenkatalog gekämpft hast und hoffe, dass die Fragen auch halbwegs interessant waren und Dir dabei nicht die Füße eingeschlafen sind! Alles Gute für Dich und DISANTHROPE! Wenn Du noch was loswerden willst, dann tue Dir bitte keinerlei Zwang an. This space is yours…

- JERK: Erstmal vielen Dank für die Beschäftigung mit uns und das wir die Möglichkeit haben uns im Heft vorzustellen. Ansonsten habe ich hoffentlich ausführlich genug geantwortet. Wenn nicht - einfach nachfragen. Uns gibt es im Netz unter:
http://disanthrope.jimdo.com
www.myspace.com/disanthrope (die Seite macht der mArkus!)
Und mehr Infos über mich als Autor gibt es unter.
http://jerkgoetterwind.jimdo.com
www.myspace.com/goetterwind
Briefe gehen an. Jerk Götterwind, PF 1148, 64501 Groß-Gerau
Peace&Anarchy!!