[ Dead Eyed Sleeper ]

Als Legacy ist man 1994 gestartet und hat sich im regionalen Underground schon einen Namen erspielt. Nun beginnt man im 13. jahr der Bandgeschichte mit dem Namen Dead Eyed Sleeper und dem neuen Album "In Memory of Mankind" ein weiteres Kapitel. Das war für mich Anlass genug, um die Jungs um Frontmann Sam mal mit ein paar Fragen zu löchern! Marcus666

1.Hallo Zusammen! Nach ein klein wenig Wartezeit gibt's hier die Fragen für das Interview! Als erstes mal besten Dank, dass ihr Euch für ein Interview zur Verfügung gestellt habt! Dann starten wir mal mit der obligatorischen Frage: Wer seid ihr und wie würdet ihr Eure Mucke selbst bezeichnen? Ich würde Euch ja schon in die Ecke des technischen Death Metals stecken. Stellt Euch einfach mal unserer Leserschaft vor!
- Wir sind Dead Eyed Sleeper aus dem Odinwald (Großraum Heidelberg), und spielen Death Metal! So einfach ist das. Wir würden unsere Musik vor allem als abwechslungsreich, weniger als rein technisch bezeichnen. Klar gibt's Frickelpassagen, aber die Bezeichnung "Technischer Death Metal" passt doch wohl eher auf Bands wie z.B. Necrophagist oder Psycroptic...


2. Was hat Euch denn dazu gebracht, in einer Band zu zocken und gerade Death Metal zu machen? Wo würdet ihr Eure Wurzeln bzw. Einflüsse sehen und seit wann gibt es die Band schon?
- Was bringt einen dreizehnjährigen Jungspund dazu, in einer Band zu spielen...? Es war wohl schlicht und ergreifend der Fun-Aspekt; Saufen, Krach, etc... und nach einiger Zeit - wie das wohl bei vielen Bands der Fall ist - kristallisierte sich heraus, dass es hierbei wohl doch um mehr ging/geht, als Party und spaßiges Ablärmen. Uns gibt es inzwischen schon ganz schön lange. Gegründet haben wir uns unter dem Namen "Legacy" im Jahre 1994. Unsere tiefsten Wurzeln stecken bei Bands wie Unleashed, Bolt Thrower und Carcass. Später dann - mit wachsender musikalischer Reife - kamen dann Morbid Angel, Death, Atheist und Konsorten hinzu. Heutzutage werden wir generell von guter Musik beeinflusst; ob das jetzt, um beim brutalen Metal zu bleiben, Meshuggah oder Nile sind, oder, um davon weg zu gehen, Tool oder Isis.


3. Wenn ich es recht im Kopf habe, geht Eure Band ja aus der Band Legacy hervor, unter deren Namen ihr schon 3 Veröffentlichungen raus gebracht habt. Und wenn ich mich nicht falsch Informiert habe, alle in Eigenregie. Was war der Grund für den Namenswechsel zu Dead Eyed Sleeper? Im Prinzip seid ihr ja noch dieselben Leute, oder? Man munkelt ja, ihr habt den Namen gewechselt, um einen Plattenvertrag zu bekommen. Oder gab es andere Gründe dafür? Was sagt ihr denn dazu? Und wie seid ihr gerade auf den Namen Dead Eyed Sleeper gekommen?
- Ganz richtig, wir haben zwei Alben und eine Mini-CD unter dem Namen Legacy in völliger Eigenregie veröffentlicht. Unterstützung von Seiten eines Labels haben wir erst seit unserer aktuellen CD "In Memory of Mankind". Dafür haben wir allerdings bei diesem Album, bis auf die Drums, die komplette Aufnahmearbeit selbst in unserem eigenen Studio erledigt. Es gibt mehrere Gründe für unseren Namenswechsel. Zum einen ist "IMOM" die erste Scheibe in dieser Besetzung. Sowohl auf "Sickening Foresight", als auch auf "Pain For The Masses" war noch unser alter Basser Poppe zu hören. Während auf dem Erstling "Art Of Killing" die gesamte Rhythmus-Sektion noch aus anderen Leuten bestand. Soviel zum Zeitpunkt des Namenswechsels. Zum anderen ist die musikalische Veränderung ein wichtiger Grund gewesen. Man kann die Musik auf "IMOM" schwerlich mit der auf "PFTM" oder "AOK" vergleichen. Und außerdem wollten wir endlich einen Namen mit Hintergrund haben. "Legacy" klingt wie irgendein Metal-Band-Name, ohne hiermit das Erbe von Testament schmälern zu wollen. Aber jede zweite Band heißt "Legacy", jede dritte "Legacy of XY" und jede vierte "ABC Legacy". Da gibt es, vor allem für eine Undergroundband, sehr wenig Wiedererkennungswert. Dass wir allerdings den Namen nur des Plattenvertrags wegen gewechselt haben, ist Unsinn und nun wirklich bei den Haaren herbei gezogen. Den Vertrag hatten wir nämlich schon vor dem Namenwechsel in der Tasche. Der Name "Dead Eyed Sleeper" ist uns schon während der Aufnahmen von "IMOM" im Kopf herumgespukt. Da die Internet-Suchmaschine keine Band gleichen oder ähnlichen Namen anzeigte, war es für uns sowieso geritzt. Seine Bedeutung, wer oder was der "D.E.S." ist, wird sich allerdings für Euch erst aus den Texten unserer kommenden Scheibe erschließen.

4. Wie steht ihr denn zu Live Auftritten? Spielt ihr gerne Live oder zieht ihr Euch lieber in den Proberaum zurück? Es soll ja einige Bands geben, die lieber abgeschottet sind.
- Live zu spielen hat immer etwas Befreiendes für uns! Allerdings ist es genauso geil, im Proberaum an neuen Songs zu feilen, diese aufzunehmen, und so weiter... also zusammenfassend: Musikmachen ist geil!!! Jede Form davon hat ihren ganz bestimmen individuellen Reiz.

5. Aktuell habt ihr mit "In Memory Of Mankind" dieses Jahr ein Album an den Start gebracht. Ich für meinen Teil finde dies sehr gelungen und musste gleich an Bands wie Deadborn oder auch Necrophagist denken. Wobei mir die instrumentalen Zwischenparts mit Cello oder auch Violine nicht so gut rein laufen wollen, was aber der einzige Kritikpunkt meinerseits wäre! Wie war denn die allgemeine Resonanz auf das Album?
- Freut uns sehr zu hören, dass Dir die Scheibe gefällt! Die Vergleiche mit Necro und Deadborn sind uns zwar nach wie vor nicht so ganz einleuchtend, allerdings bist Du nicht der einzige, der diese zieht. Von daher haben die wohl doch irgendwie ihre Berechtigung. Die Kritiken, die wir für "IMOM" geerntet haben, waren sehr polarisierend. Auf der einen Seite gab es viel Überschwängliches, auf der anderen auch ein bisschen was Vernichtendes, und genau einmal was Durchschnittliches. Klar sind schlechte Kritiken niederschmetternd, aber - eben anhand dieser Zwiegespaltenheit - lässt sich für uns doch ablesen, dass wir alles richtig gemacht haben: Entweder, man liebt uns. oder man hasst uns... und somit landen wir nicht im Mittelmaß.


6. Der Name Eures Albums lautet "In Memory Of Mankind". Klingt ja fast so, als ob die Menschheit für Euch schon Geschichte ist? Was wollt ihr mit dem Album sagen und ausdrücken? Worum drehen sich die Texte?
- Naja, offensichtlich ist die Menschheit noch nicht Geschichte, aber genauso offensichtlich kann es bis dahin bei ihrem Verhalten nicht mehr allzu lange dauern, oder? Erich Kästner hat einmal zutreffend beobachtet: "Die ersten Menschen waren nicht die letzen Affen". Ja, die Menschen sind trotz dem rasanten technischen Fortschritt, der Etablierung der Menschrechte und den sonstigen Errungenschaften der so genannten Zivilisation in ihrer Verhaltensweise erstaunlich atavistisch und primitiv geblieben: Die Menschen sind gierig, egoistisch und machtbesessen, und zwar in einem solchen Maß, dass sie ihrer Gier völlig skrupellos freien Lauf lassen; ohne Rücksicht auf den Planeten auf dem sie leben, und auf die, mit denen sie sich diesen teilen müssen. Wie ein Virus, das alles und jeden frisst.


7. Wer ist denn bei Euch für das Songwriting zuständig? Oder beschreibt einfach mal kurz, wie ihr das so handhabt mit den Songs schreiben.
- Songideen, oder einzelne Riffs entstehen bei Peter, Stephan oder Corny daheim. Bis aus solchen allerdings fertige Songs werden, müssen diese Ideen zunächst einmal in unser aller Hinterkopf längere Zeit liegen. Das können durchaus mehrere Jahre sein. Irgendwann nehmen wir uns ihrer dann in der Form an, dass sie von jedem geübt werden. Es ist im Death Metal ziemlich schwierig frei herumzujammen, insbesondere auch deshalb, weil wir weniger Zeit haben als früher, als wir noch Schüler oder Zivis waren. Daher muss jeder seinen Part schon vor der gemeinsamen Arbeit spielen können. Und dann werden sie im Proberaum zu Songs verarbeitet. Deshalb hörst du auch auf "IMOM" teilweise Riffs, die schon vor den Besetzungswechseln entstanden sind, genauso, wie Du auf der nächsten Platte Teile hören wirst, die inzwischen schon vier Jahre oder mehr auf dem Buckel haben. Die Texte schreibt unser Shouter Sam, es kommt aber auch vor, dass Peter oder Corny zur Feder greifen.


8. Woher holt ihr Euch die Inspiration für die Songs? Es gibt ja Leute, die sich vom täglichen Leben inspirieren lassen und andere wieder von der Phantasie und und und…
- Es ist wohl eine Mischung aus vielem. Klar kommt Inspiration aus dem täglichen Leben: Mach einfach die Nachrichten an, schau in eine Zeitung, oder laufe durch diverse Straßenviertel und Du hast den Drang, der Menschheit entgegenzubrüllen, was Du von ihren perfiden Machenschaften hälst. Aber in Symbiose mit vorhin genannten Zukunftsvisionen, Filmen und Literatur entsteht definitiv das interessanteste Gesamtwerk. Es ist ja nicht nur so, dass man in gewissen Stimmungen gut texten kann. Genauso wirkt sich eine bestimmte empfundene Atmosphäre auf die musikalische Kreativität aus.

9. Wie seht ihr in der heutigen Zeit die Metal Szene und deren Entwicklung im Vergleich zu früher? An Veranstaltungen mangelt es ja nicht, auch wenn manche was anderes sagen. Aber Veranstaltungen sind nicht alles, es geht ja um mehr als das. Was bedeutet Metal für Euch?
- Wir sind hier teilweise schon etwas zwiegespalten. Es gibt sehr viel Mittelmaß, und die Fans lassen sich oftmals - wie in der Popmusik - diktieren, was sie hören sollen. Das geschieht von Seiten der Fans natürlich nicht bewusst, ist aber doch offensichtlich. Es wird sehr viel kopiert, wieder aufbereitet und als neu verkauft. Allerdings gibt es andererseits auch eine Menge hochinteressanter "neuer" Bands, die es tatsächlich schaffen, frischen Wind in die Szene zu bringen. Speziell aus unserem Nachbarland Frankreich kommen unglaublich intensive Bands wie Gojira, Hacride, GTI oder Scarve. Und in den USA und Kanada scheint ja gerade ein echter Boom für abgefahrene heftige und gleichzeitig sehr technische Musik zu herrschen. Die Summer-Slaughter Tour z.B. war ja voll mit genialen Bands, oder lauscht mal solchen illustren Truppen wie Between the buried and me, The End, Glass Casket, Cephalic Carnage usw...hier ist wirklich sehr geniales Zeug dabei.
Ein großes Problem für die deutsche Szene ist unsrer Ansicht nach die teilweise übertriebene Veranstaltungsdichte. Wenn du willst, kannst du jedes Wochenende auf ein Metalkonzert gehen, und hiermit ist nur der Underground gemeint!
Auch, wenn das der ein oder andere nicht so sieht: Bei echter, handgemachter Musik geht es immer noch um Kunst, nicht um Massenware. Metal sollte da eigentlich ein hervorstechendes Beispiel sein, gibt es doch wenige Stilistiken, die von Intensität und Bandbreite der verschiedenen Einflüsse her dem Metal das Wasser reichen können.

10. Dann wären wir auch schon beim nächsten Thema. Wie es dieses Jahr schon in den Medien zu vernehmen war und was auch mein persönlicher Eindruck ist, hat der Anteil an rechtsextremem Gedankengut in der Szene zugenommen. Ich persönlich bin ja der Meinung, dass man so etwas nicht tolerieren darf und sich dem entgegenstellen sollte! Was haltet ihr von dieser Entwicklung und wie ist Eure Meinung dazu?
- Diese Entwicklung ist in sofern nachzuvollziehen, dass in unserer Gesellschaft rechtes Gedankengut generell wieder auf dem Vormarsch zu sein scheint. Diese Zunahme wirkt sich natürlich auf alle Szenen aus. Allerdings ist es auch wiederum nicht nachvollziehbar, dass diese Entwicklung auch im Metal Einzug hält, ist doch die Metalszene das Beispiel schlechthin für Außenseitertum und Freidenkerei. Das wiederum führt zurück zu dem, was ich vorhin gesagt habe. Die Szene ist voller Mitläufer, die Metal wohl aufgrund des martialischen Images als Maske benutzen, um sich dahinter vor der Welt zu verstecken, mit der sie nicht zurechtkommen. Man sollte diese geistig verkümmerten, erbärmlichen Kreaturen jedoch eher bemitleiden, denn offensichtlich haben sie sich noch nie die Frage gestellt, welchen urtümlichen musikalischen Wurzeln "Metal" oder "Rock" entspringt. Stichwort "Blues".
Dieser ganze NSBM - Müll ist jedoch musikalisch betrachtet nichts anderes als billige Punkmusik, für anspruchslose, einfach gestrickte Gemüter, die eine Parole in ihrem armseligen Leben brauchen, der sie gehorchen und der sie wie die Schafe demütig hinterherlaufen können. Ich lächle über soviel Primitivität und Erkenntnisresistenz, für mehr habe ich keine Zeit. Jedenfalls gilt für uns das Motto: Keine Toleranz gegenüber Intolerante!


11. Ich weiß ja, dass Sam noch bei Fragments Of Unbecoming singt. Sind die Anderen von Euch auch noch in anderen Projekten vertreten oder vielleicht auch anderweitig für den Metal aktiv, z.B. Zeitung…?
- Jawoll, Sam singt noch bei Fragments Of Unbecoming, davon abgesehen trommelt Corny noch bei den Doomern Ahab und hat noch eine Space Rock Band, die sich gerade in den Startlöchern befindet. Ansonsten geht bei uns keiner fremd... ;-))


12. Was macht ihr denn sonst noch so, wenn ihr nicht gerade im Proberaum steht und Euch Eurer Musik widmet?
- Es gibt bei uns, wie wohl bei allen die extreme Musik spielen, auch noch so etwas wie den Ernst des Lebens. Mit Krach kann man schlecht einen Lebensunterhalt bestreiten. Sam und Pete stecken gerade in den letzten Zügen Ihres Staatsexamens, Stephan ist Heilpädagoge, Thomas arbeitet in einer Computerfirma (eigentlich ist er gelernter Tontechniker), und Corny ist Schlagzeuger; hauptsächlich unterrichten, mal hier mal da live oder im Studio aushelfen...
Wenn mal ein bisschen Freizeit übrig bleibt, in der wir nicht musikalisch tätig sind, gehen wir gerne auf Konzerte und Festivals oder betrinken uns einfach mal so gemeinschaftlich...;-) was man halt so macht.


13. Wie sehen denn Eure Zukunftspläne aus? Ist schon ein weiteres Album geplant? Gibt es vielleicht Tourpläne?
- Allerdings! Es ist schon ein weiteres Album geplant. Sogar viel mehr als das. Ab Januar 2008 geht's ins Studio! Denn für Undergrounbands gilt besonders: Nachlegen, solange man noch im Gespräch ist! Die Songs stehen allesamt und wir sind mit Volldampf dabei, ihnen den letzten Schliff zu verpassen, man darf also gespannt bleiben! Tourpläne gibt es leider keine... Wie auch, mit zwei Studenten im Prüfungsstress...? Es wäre allerdings sehr schön, wenn es da in näherer Zukunft mal Angebote gäbe...

14. So, das soll es jetzt erst mal gewesen sein von meiner Seite! Ich Danke Euch, dass ihr die Fragen so geduldig beantwortet habt. Habt ihr vielleicht noch Fragen an mich und das CFMD Zine? Dann immer raus damit! Ansonsten gehören die letzten Worten Euch.
- Besten Dank ans CFMD Zine und für das Interview! Wer uns noch nicht kennt, sollte dringenst unsere neuste Platte anchecken. Besucht uns auf Konzerten, unsere Webseite www.deadeyedsleeper.de oder in Rupert Murdochs postmoderner Cyberhölle "Myspace"!! Support the underground!!! Horns up!!!