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DISEASED GHOUL ]

Bei
der heutigen Veröffentlichungsflut ist es eine Kunst, überhaupt
noch auf dem Laufenden zu bleiben, bzw. qualifizierte Bands zu finden,
die auch ohne großen Vertag in der Tasche ihr Ding durchziehen und
mit Herzblut bei der Sache sind. So geschehen bei den Berlinern Diseased
Ghoul, auf die ich aufmerksam geworden bin, da sie auf dem Sampler des
aktuellen G.U.C.-Fanzines (Jubiläumsausgabe Nr. 25) mit einem richtigen
Brüllersong vertreten sind, der sofort zu gefallen wusste. So war
es an der Zeit, die Völkerfreundschaft zwischen den Schwaben und
dem Ickeland zu stärken und mal nachzuhaken, wie es um die Death
Metaller im Norden steht. Dann lasst uns mal kieken, wa! Rayk
Hallo
Sebastian und Diseased Ghoul! Mit "Brutality" habt ihr der Meute
ein verdammt rohes und brutales Stück Metal vor den Latz geknallt,
das sich wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht anfühlt. Was treibt
ihr gerade und wie kommt die CD bisher an?
- Hallo Rayk. Erst mal Danke für das Kompliment zur Einleitung...
Also bandtechnisch haben wir gerade die Festivalsaison hinter uns gebracht
und haben nun beschlossen, uns in den Proberaum zu verkriechen. Ziel soll
es sein, neues Material zu schreiben und am Sound zu feilen, damit wir
dann ab nächstes Jahr nachlegen können.
Diseased
Ghoul fahren wie viele Bands voll auf die Ami Death Metal Schiene ab,
aber ich finde, dass ihr trotz heftiger Prügelei ein gewisses Maß
an Abwechslung in die Songs mit einbringt, was euch somit von vielen anderen
Bands unterscheidet. Welche Vorreiter waren in Bezug auf euren Stil maßgebend?
- Wir haben uns im Stil nie wirklich festgelegt und auch unsere Einflüsse
sind recht verschieden. Dennoch hat sich ein gemeinsamer Nenner entwickelt,
der zur Zeit tendenziell stark in Richtung Origin geht.
Wie
habt ihr als Band zusammengefunden, oder ergab sich dies aufgrund der
Vielzahl von Bands, die es in Berlin gibt, eher zufällig?
- Oh, das ist eine etwas längere und komplexere Geschichte, die
ich dir leider nur etwas oberflächlicher wiedergeben kann, da ich
selbst erst später dazukam...
Angefangen hat es im Sommer 2005. Es gab eine Konstellation aus 4 oder
5 Mannen, die anfangs bei jemandem zu Hause Musik machen wollten. Später
kam unser jetziger Drummer Manuel dazu und holte recht zeitnah unseren
Sänger Markus als zweiten Säger in diese damalige Band. Im Dezember
2005 lernte ich Markus, unseren Sänger kennen, der mir stolz berichtete,
dass er eine Band habe etc. Ich sagte ihm, dass, wenn er mal einen Gitarristen
brauche, er mir einfach Bescheid sagen solle und so löste ich dann
Anfang 2006 den damaligen Leadgitarristen ab, der vor allem auf Grund
persönlicher Differenzen rausgeschmissen wurde. Nach einiger Zeit
trennte sich die Band dann vom damaligen Basser, vor allem wegen musikalischer
Differenzen. Sofort kam unser aktueller Bassist Kristian in die Band,
den ich einige Zeit vorher bei einer Party kennenlernte. Im Herbst 2007
trennte sich die Band dann schließlich vom zweiten Sänger und
dem zweiten Gitarristen. Damit war die aktuelle 4-Mann-Besetzung geboren
und keines der Gründungsmitglieder mehr in der Band. Hierzu ist zu
sagen, dass die Band jedoch als wirkliche Band, sprich, mit einer Setlist,
einem festen Proberaum und ein paar Konzerten erst ab Frühjahr 2006
bestand.
Wie man sieht, war das ein Hin und Her der Besetzungen, das jedoch zu
einem absolut optimalen Ergebnis führte. Die 4-Mann-Besetzung war
bereits als man auch noch zu sechst unterwegs war stets der freundschaftliche
und vor allem auch kreative Kern von Diseased Ghoul. Außerdem sind
wir alle zusammen musikalisch gewachsen und haben uns stetig ergänzt.
Sowohl
beim Cover als auch im Rest des Booklets fällt sofort die Kriegsmaschinerie
auf, die bei euch einen großen Platz einnimmt. Da keine Texte mit
abgedruckt sind, würde mich mal interessieren, ob ihr eine gewisse
Botschaft habt und die Machenschaften der Kriegspolitik anprangert? Andererseits
habt ihr auch Songtitel wie "Necrophile", die eher in die typische
Klischeerichtung gehen. Inwiefern passt das zusammen?
- Wie du richtig erkannt hast, ist die CD als Gesamtwerk zu betrachten.
Die Songtexte, die leider nicht abgedruckt werden konnten, beschäftigen
sich mit den Abgründen der Menschheit und das sollte sich als Gesamtkonzept
auch in dem Artwork der CD widerspiegeln. Der Song "Don't Survive"
beispielsweise befasst sich mit der Sicht und den Ängsten eines Soldaten
im Verdun des ersten Weltkrieges, der auf den Tod wartet. "Necrophile"
ist die andere Seite des menschlichen Abgrundes. Alles zusammen ist das
Gesamte.

Auf
dem Frontcover von "Brutality" sieht man im Hintergrund einen
Textauszug aus der Apokalypse. Inwiefern gibt es da einen Zusammenhang
mit euren Texten?
- Mein Bruder, der das Artwork geschaffen hat, hatte die Idee dazu,
denn Krieg und Apokalypse sind unverkennbar dicht beieinander, vor allem
in einer Welt, die es fertig brächte, sich selbst mehrere hundert
Male selbst zu vernichten. Deshalb diese Auszüge.
Ihr
seid unter anderem auch auf dem European Underground Extreme Metal Front
Vol. 2 Sampler mit einem Song enthalten. Wie ich finde ein sehr interessanter
Sampler, da er von Death Metal, Grind bis hin zu Heavy Metal aus den verschiedensten
Ländern interessante Underground Bands vorstellt. Wie kam es zu diesem
Beitrag? Hat euch Daniel bei Myspace kennen gelernt, oder habt ihr euch
um eine Beteiligung an dem Sampler beworben?
- Richtig, der Kontakt mit Daniel kam über Myspace zustande. Er
hatte uns angeboten, an diesem Projekt teilzunehmen, was ohne Frage sofort
in Frage kam. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Daniel für
diese wirklich sehr gelungene VÖ.
Wo
wir schon mal beim Thema Sampler sind: Ihr seid mit einem weiteren Song
auf der CD-Beilage zum G.U.C. Nr. 25 vertreten, wo ich auch das erste
Mal von euch hörte. Inwiefern ist die Nachfrage nach Diseased Ghoul
durch die Samplerbeiträge gestiegen? Was hältst du generell
von Fanzines mit CD-Beilagen? Meinst du, dass sie gewissermaßen
zu einem höheren Bekanntheitsgrad kleinerer Bands beitragen können?
Seid ihr auch auf irgendwelchen ausländischen Samplern vertreten?
- An sich finde ich diese Sampler sehr gut. Vor allem für unbekanntere
Bands, die nur 1-2 Songs aufnehmen könnten, ist das eine tolle Sache,
jedoch gibt es auch leider Negativbeispiele, bei denen den Bands horrende
Summen für die Veröffentlichung abverlangt werden. Ein Anstieg
bei Myspace bei den Klicks war deutlich spürbar. Die Nachfrage der
CDs ist eventuell bei G.U.C. im Vertrieb gestiegen, jedoch ist bei uns
leider noch nicht so viel durchgeschienen. Auf ausländischen Samplern
sind wir derzeit nicht vertreten (wenn man den EUMF Sampler von Daniel
rausnimmt).
Ihr
wart jetzt vor kurzem auf dem Torgauer In Flammen Open Air. Ich hoffe,
es waren genügend Leute vor Ort. Wie kamen Diseased Ghoul an, und
wie war das Festival an sich? Erzählt mal ein wenig. Seid ihr schon
freitags angereist oder erst zu eurem Auftritt am Samstag?
- Ein wirklich rundum gelungenes Festival, bis auf das Wetter, hahaha.
Die Organisation war nahezu perfekt, eine tolle Atmosphäre, super
Sound, eine tolle Bühne und und und. Es hätten ein paar Leute
mehr sein können, aber das ist leider öfters so. Wir sind erstaunlich
gut angekommen. Das Publikum hat Spaß gemacht und war sehr offen.
Viele kamen danach zu uns und meinten, wirklich sehr positiv überrascht
worden zu sein. Unser Drummer war bereits Freitag da, da es den anderen
arbeitstechnisch nicht möglich war, früher zu kommen, und er
meinte, dass auch der Freitag ein gelungener Abend war. Für uns hat
es sich alle Mal gelohnt und ich spreche für die gesamte Band, wenn
ich dieses Festival wärmsten Herzens weiterempfehle. Selten gab es
so eine familiäre Atmosphäre und ein so aufgeschlossenes Publikum.
Wie
sieht es mit den Live-Aktivitäten in Berlin aus? Ich denke, Berlin
hat genügend Clubs und Festivalmöglichkeiten, wo man spielen
kann. Habt ihr auch schon mal bei uns im süddeutschen Raum gespielt?
Gerade Stuttgart und Tübingen ist für Death Metal Bands mehr
als ideal.
- Hingegen aller Erwartungen ist Berlin, was den Underground angeht,
ziemlich tot... Wenige Clubs, zu viele Bands und teilweise sehr dreiste
Veranstalter, die Geld wollen, wenn man als Band spielen will. Ein anderes
Problem ist, dass Touren meisten komplett gebucht werden, was für
kleine Bands bedeutet, dass sie nicht die "Großen" supporten
können, denn diese bringen den Support oft selbst mit... scheußlich.
Leider hatten wir noch nicht die Möglichkeit, bei euch in der Gegend
zu spielen. Es war mal was angedacht, was leider in die Hose gegangen
ist. Ich habe schon von der Szene gehört und würde diese gern
von der Bühne aus erleben. Also, Veranstalter, die Interesse haben,
können sich gerne bei mir melden.

Ist
Diseased Ghoul eigentlich eure alleinige sportliche Betätigung, in
der ihr euch austoben könnt, oder ist jemand von euch noch in anderen
Bands aktiv?
- Kristian, unser Basser, war mal aushilfsweise für ein paar Konzerte
bei einer anderen Band und Markus, unser Sänger, hat ein paar Sachen
für eine andere Band als Gast eingesungen, für deren EP, aber
ansonsten fehlt auch einfach die Zeit.
Wie
haltet ihr euch Metal-mäßig auf dem Laufenden? Seid ihr Konzertbesucher
und Fanzine-Leser oder Myspace-Hörer und PC-Stubenhocker?
- Ich glaube, wir sind alles in gesundem Maße... hahaha.
Sebastian,
was waren die letzten Alben, die du dir zugelegt hast, und wie sieht deine
momentane Top 5 aus? Hörst du nur Death Metal und Grind, oder bist
du auch anderen Stilen gegenüber offen?
- Die letzten 5 waren:
+Waco Jesus mit "Sex Drugs & Deathmetal"
+Eine Brahms Best Of
+Penetration mit "Victory or Death"
+Obituary mit "Xecutioners Return"
+Eine Dvorak Best Of
Die momentane Top 5:
1.:Megadeth's "Rust in Peace" (mein alltime Favourite)
2.:Origin "Antithesis"
3.:Dying Fetus "War of Attrition"
4.:Harmony Dies "Impact"
5.:Suffocation "Suffocation"
Wie man daran schon sieht, bin ich sehr offen für andere Musik. Zur
Zeit ist es neben Origin sehr viel klassische Musik, die mich begleitet.
Aber auch Thrash, Power & Speed oder auch Rock ist bei mir zu finden
Der
Songtitel "Decubitus" ist ein lateinischer Begriff, der jemanden
bezeichnet, der im Kampf niedergestreckt/besiegt wurde. Um was geht es
in dem Song, und stammt die Idee vielleicht aus einem Film?
- Nein, der Song stammt und beschäftigt sich mit der Krankheit
Decubitus (dt. Fäule bzw. Bettfäule). Unser Sänger hat
den Text während seines Zivildienstes geschrieben, bei dem er fast
täglich mit Sterbenden zu tun hatte und somit die teilweise sehr
schlechten Verhältnisse der Krankenversorgung erlebte.
Sebastian,
du schreibst auch beim Fatal Underground mit. Allerdings habe ich jetzt
in der neuen Ausgabe noch nichts von dir entdeckt. Agierst du nur als
Gastschreiber, der hin und wieder etwas beiträgt? Oder liegt es eher
daran, dass die Band sehr zeitintensiv ist?
- Leider wird meine Zeit immer knapper, aber dennoch ist in der aktuellen
Ausgabe ein Review mit dem Namen Sepp von mir zu finden. Ich würde
gern mehr schreiben, wie früher als es pro Heft 3-4 Sachen von mir
gab, aber der Beruf, die Band und die Liebe lassen da oft nicht genug
Zeit übrig.
Die
Mini-CD wurde ja von Kai Mertens im Soundforge Studio aufgenommen und
produziert, wie ich finde, eine sehr gute Wahl. Warum habt ihr euch für
Kai Mertens entschieden? War es eher der Heimvorteil oder magst du einfach
den Sound vom Soundforge Studio? Ich finde den Sound und die Produktion
sehr gelungen. Ist "Brutality" im Endeffekt so geworden, wie
ihr die Scheibe haben wolltet?
- Die Entscheidung fiel uns sehr leicht. Kai ist ein langjähriger
Freund von mir und war erste Wahl für uns. Der Sound, den er kreiert,
ist für uns ausschlaggebend gewesen und auch die super Zusammenarbeit.
Er hat eigene Ideen wirklich bestens eingebracht und wir sind mit dem
Gesamtergebnis immer noch überaus glücklich. Er hat es in knapp
drei Tagen geschafft, alles mit uns unter einen Hut zubringen. Das war
wirklich eine Meisterleistung. Deswegen werden wir die nächste Scheibe
nach Möglichkeit wieder bei ihm aufnehmen.
Auf
Myspace (www.myspace.com/diseasedghoul -CFMD) gibt es mittlerweile schon
neue Songs zu hören. Kann man noch dieses Jahr auf ein volles Album
hoffen? Eine Split-7'' wäre natürlich auch eine sehr coole Sache!
Mit welcher Band würdet ihr gern die Platte teilen?
- Dieses Jahr wird es definitiv kein Album mehr geben. Wir haben gerade
unser Liveschaffen zurückgeschraubt, um an neuen Songs zu basteln.
Aber mit der Split lagst du schon sehr nahe. Es wird hoffentlich im Herbst
eine 4-Way-Split erscheinen. Bis dahin bin ich hoffentlich fertig, alle
Bands unter einen Hut zu kriegen, denn es handelt sich dabei um ein Projekt
mit Gone Postal (Island), Pikodeath (Tschechien), Guttural (Belgien) und
uns natürlich. Das Artwork und die Songs sind soweit fast fertig.
Jede Band wird mit vier Songs vertreten sein und von uns wird es einen
weiteren neuen Song als Demofassung geben.
Okay
Sebastian, du hast es geschafft, ich bin durch. Ich bedanke mich für
deine Zeit und deine Antworten, ich wünsche euch mit Diseased Ghoul
noch viele gut besuchte Shows und dass ihr endlich mal in den Süden
kommt, um euch als Berliner davon zu überzeugen, dass die Schwaben
nicht ganz so schlimm sind, wie man es ihnen in gewissen Städten
nachsagt, haha.
- Wir danken dir für das Interview und hoffen, bald im Süden
unterwegs zu sein, um die Schwaben von der Bühne aus zu sehen, hehe.

PS:
Die gedruckte Version dieses Interview könnt ihr in der 4. Ausgabe
des Semen Demon Zines lesen. (Des Weiteren sind noch folgende Interviews
enthalten: Amagortis, Carignan, Desecration, Diktat, Fecalizer, Human
Rejection, Mortally Infected, Sinister sowie eine coole Fragerunde mit
dem Macher von "Schwermetall - der Film".) Tipp für jeden
Death Metal Fan!
Kontakt: www.semendemon.de, zine@semendemon.de
(Rayk)
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