[ SERIENMÖRDER Special ]

Andrej Romanowitsch Tschikatilo a.k.a. "Der Ripper von Rostow"

Im November 1990 verhaftete man den Serienmörder Andrej Tschikatilo, der den Distrikt um Rostow seit Jahren in Aufruhr brachte. Damit endete seine unglaubliche Mordserie, der insgesamt 53 Menschen, vorwiegend prostituierte, vernachlässigte oder verwaiste Kinder und Jugendliche zum Opfer fielen. Das faszinierende am Fall Tschikatilo ist jedoch, das er schon einmal Hauptverdächtiger während der Ermittlungsarbeiten in den Mordfällen war, aber freigelassen werden musste. Auch dieses mal sprachen alle Indizien gegen Tschikatilo, nur seine Blutgruppe war eine andere, als man in den Spermien des Täters feststellte. Ein Zufall kam den Ermittlern jedoch zu Hilfe, denn japanische Wissenschaftler entdeckten zeitgleich, das es in äußerst seltenen Fällen vorkommen kann, das es Blutgruppenunterschiede zwischen der Blutprobe und der Spermienprobe geben kann. Die Schlinge um den Ripper von Rostow zog sich immer enger, am 14. Oktober 1992 wurde Tschikatilo wegen 53 Morden und einer Vielzahl sexueller Delikte nach fünfzehnmonatiger Verhandlung vom Rostower Gericht zum Tode verurteilt und per Genickschuss hingerichtet.

Tschikatilo wurde am 20. Oktober 1936 in Jablonjewka, einem Dorf der ukrainischen Sumskaja Region geboren. Er wuchs als Sohn besitzloser Landarbeiter auf. Eine durch Stalins übereilte Kollektivierung verursachte Hungerskatastrophe Mitte bis Ende der 30er Jahre sorgte dafür, dass zahlreiche Bauern in der Ukraine die Grenze dessen überschritten, was den Menschen vom Tier unterscheidet: Fälle von Kannibalismus häuften sich. Etwa 2 Jahre vor seiner Geburt verschwand sein Cousin aus dem Dorf. Tschikatilos Familie war überzeugt davon, das der Junge entführt und einfach aufgefressen worden sei. Seine Mutter erzählte dem fünfjährigen Andrej ständig davon. Möglicherweise liegt hier einer der Gründe dafür, das der spätere "Ripper von Rostow" häufig auf Geschlechtsteilen und Innereien seiner Opfer herumkaute. Bis zu Beginn der Pupertät war er Bettnässer und wähnte sich von seinen Klassenkameraden gehänselt, die ihn wegen seiner Kurzsichtigkeit "Otscharik" (Brillenschlange) nannten und sich von ihm distanzierten. Seine sexuellen Erfahrungen mit der Freundin seiner Schwester scheiterten an seiner Schüchternheit. Tschikatilo war zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt. Stattdessen entwickelte der Einzelgänger eine ungeheure Vorliebe für Literatur. Nachdem er seinen dreijährigen Wehrdienst, bei dem er auch keine Freunde gewann absolvierte, arbeitete Tschikatilo in Rostow als Fernmeldetechniker. Auf Betreiben seiner Schwester heiratete er mit siebenundzwanzig Jahren die drei Jahre jüngere Friseuse Faina und bekam mit ihr 2 Kinder. In der Zwischenzeit bildete er sich an der Rostower Universität in Sprache und Literaturwissenschaften und nahm 1972 eine Arbeit als Lehrer in Nowoschachtinsk auf. Doch schon 2 Jahre später wurde ihm wegen sexueller Übergriffe auf Minderjährige nahegelegt, den Schuldienst zu quittieren. Er kündigte und zog in die Nachbarstadt Schachty, wo er an einem Polytechnikum unterrichtete.

Am 22. Dezember 1978 tötete Tschikatilo die neunjährige Lena Sakotnowa nach einem Vergewaltigungsversuch und entdeckte dabei, das es ihn erregte, wenn er jemanden Schmerzen zufügen und ihn umbringen könnte. Er erklärte später vor Gericht: "Ich habe gespürt, wie die Ketten, die mich gefesselt haben, von mir abfielen". Die Polizei fand einige Tage später die Leiche des Mädchens so verstümmelt, dass man es nicht mehr wiedererkannte. Tschikatilo galt von vornherein als einer der Hauptverdächtigen. Er wurde mehrfach verhört. In seiner Eile hatte er Blutspuren zurückgelassen und obendrein das Licht in seiner Laube nicht ausgeschaltet. Dennoch wurde ein frisch aus dem Gefängnis entlassener Einbrecher Namens Alexander Krawtschenko der Tat beschuldigt und 1984 hingerichtet. Da das auf dem Mädchen gefundene Sperma nicht zur Blutgruppe des ursprünglich Hauptverdächtigen Tschikatilo passte, ließ man ihn laufen. Ein Umstand, der es ihn ermöglichen sollte noch jahrelang weiterzumorden. Tschikatilo, der mittlerweile eine neue Arbeit als Angestellter in der Versorgungsabteilung im Verwaltungsgebäude von Rostownerud, einer Fabrik in Schachty angenommen hatte, entwickelte sich zum Monster. Er ermordete zahlreiche Kinder und Jugendliche, Mädchen wie Jungen aber auch eine große Anzahl erwachsener Frauen. Die Tatsache, dass er seine Geschäftreisen mit seiner Mordlust verband, sorgte dafür, dass man in unterschiedlichen Regionen verstümmelte Leichen fand, welche der Handschrift des "Rippers von Rostow" zuzuordnen waren. Bei vielen Leichen waren Innereien und Geschlechtsteile herausgeschnitten. Forensische Gutachten ließen darauf schließen, das dies geschah, wärend seine Opfer noch lebten. Am 6. November 1990 tötete er sein letztes und vermutlich 53es Opfer. Die 22 Jahre alte Sweta Korostik wurde ermordet und verstümmelt in einem Waldstück bei Donleschos gefunden. In diesem Zusammenhang kontrollierte ein Milizionär zufällig den Ausweis eines mutmaßlichen Pilzsammlers mit dem Namen "Andrej Tschikatilo". Die Behörden erinnerten an den ehemaligen Hauptverdächtigen im Mordfall "Sakotnowa" und damit schloss sich langsam die Schlinge um den Hals des bestialischen Serienmörders.