[ SERIENMÖRDER Special ]

FRITZ HAARMANN (Der Schlächter von Hannover)

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IN HANNOVER AN DER LEINE, ROTE REIHE NUMMER 8, WOHNTE EINST DER
MÖRDER HAARMANN, DER HAT MENSCHEN UMGEBRACHT. AUS DEN AUGEN 
MACHT ER SÜLZE, AUS DEN HINTERN MACHT ER SPECK, AUS DEN DÄRMEN
MACHT ER WÜRSTE UND DEN REST, DEN WIRFT ER WEG. WARTE, WARTE
NUR EIN WEILCHEN, BALD KOMMT FRITZE AUCH ZU DIR, MIT DEM KLEINEN
HACKEBEILCHEN MACHT ER LEBERWURST AUS DIR.

Nicht jedem Mörder wird die Ehre zuteil, von Volkes Stimme mit solch einem Liedchen
bedacht zu werden. fritz Haarmann - dieser Name Rangiert in der Kriminalgeschichte
bis heute auf den vordersten Rängen. Er hat sich so tief in das allgemeine Bewusst-
sein gebrannt, dass "Fritze" mitunter sogar als "Deutscher Mythos" bezeichnet wird. 
Haarmann entsprang der Zunft der sogenannten Lust - oder auch "Werwolf"- Mörder,
für die er sogar als eine Art Symbol fungiert.
Fritze wurde am 25.10.1887 als 6. Kind von Friedrich-Carl und Auguste Charlotte
Haarmann in Hannover geboren. Er war ein schwaches, an Epilepsie leidendes Kind,
das gerne Mädchenkleider anzog. Er hatte keine Freunde und seine Mutter war die
wichtigste Bezugsperson in seinem Leben. Sein Vater (der Alkoholiker war) hasste
ihn und schlug ihn oft windelweich. Schon in seiner Kindheit und Jugend wurden 
Sachen wie "Epilept.Äquivalent", "angeborener und unheilbarer Schwachsinn" und
"Inteligenzdefekte" festgestellt. Eine begonnene Lehre bricht er ab. Er wird als Soldat
ins Breisgau eingezogen, allerdings mit dem Vermerk "Epileptisches Irresein" nach
Hannover zurückgeschickt. 1896 missbrauchte er zwei minderjährige Schuljungen. Er
wird daraufhin in die Nervenheilanstalt Hildesheim eingewiesen. Allerdings gelingt ihm
die Flucht. Haarmann geht in die Schweiz und kehrt 3 Jahre später wieder nach Hann-
over zurück.
Seine Verlobung wird gelöst und er geht erneut zum Militär, wird aber als dienst-
untauglich entlassen. Von diesem Zeitpunkt an bezieht er Zeitlebens eine kleine Rente.
1905 begannen (laut Fritze) seine homosexuellen Kontakte. Seine "Sittlichkeitsvergehen"
brachten Haarmann aber nicht in Konflikt mit der Justiz. Daran waren eher seine zahl-
losen Diebstähle, Einbrüche und Betrügereien schuld. 1918 wird er nach einer 5-jährigen
Zuchthausstrafe entlassen. Im selben Jahr bricht in Fritze auch die Bestie aus und er
begeht seinen (wahrscheinlich) ersten Mord an dem Schüler fritz Rothe. Aus dem kleinen
Gauner Haarmann wird der gefürchtete "Schlächter von Hannover". 1919 lernt er Hans 
Grans kennen. Er wird nicht nur zu seinem Liebhaber, sondern auch zum Mittäter bei
so mancher Vergewaltigung und bei einigen Morden.
Fritzes "Jagdreviere" waren der hannoverander Hauptbahnhof, der Bereich Kröpke, sowie
die Altstadt-auch "Klein Venedig" genannt. Seine Opfer waren vor allem Arbeits- und
obdachlose Männer zwischen 13 und 22 Jahren. Er lockte sie in seine Wohnung (eine 
ca. 7qm grosse Dachkammer in der "Roten Reihe" Nr.4 (nicht Nr.8 wie es im "Volkslied"
heisst), indem er ihnen Unterkunft, Essen und einen Schlafplatz versprach, dann 
überwältigte er sie und verging sich an ihnen. Im Zustand der sexuellen Raserei biss er
den Opfern die Kehle durch und saugt solange das ausströmende Blut aus, bis sie tot
waren bzw. bis er seinen sexuellen Höhepunkt erreicht hatte (deshalb auch die Be-
zeichnung "Vampier" oder "Werwolfmörder"). Es kam auch vor, dass Haarmann sie
folterte oder sie bei lebendigem Leibe verstümmelte. Ausserdem war Fritze nekrophil
veranlagt. Nach den Mordtaten wurden die toten Körper sorgsam zerlegt (ohne das die 
Nachbarn Verdacht schöpften bzw. Verdacht schöpfen wollten). Er zerstückelte die 
Leichen und schabte die Knochen sauber ab. Kleinere Körperteile entsorgte er in der
Toilette, grössere (und vor allem die Knochen) in der Leine. Bei 27 Morden (manche 
Experten sprechen allerdings auch von über 50...) kam da schon 'ne ganze Menge 
"Material" zusammen. 
Nun zum Thema "Macht er Leberwurst aus dir":
Fritze bestritt aufs heftigste das Fleisch seiner Opfer gekocht, gegessen, verkauft oder
sonst irgendwie "verwertet" zu haben. Allerdings ist es doch sehr verwunderlich, dass
er zu einer Zeit, in der Fleisch und Wurst Mangelware waren, diese Lebensmittel
regelrecht zu Dumpingpreisen verkaufte. Grans und Haarmann hatten mit ihrem 
Second-Hand Laden und mit einer Schlachterei dafür die perfekte Tarnung. Ausserdem
war der Verkauf der Kleidung der Ermordeten eine gute Einnahmequelle.
Am 17.5.1924 wurden am Ufer der Leine ein Schädel und zahlreiche Knochen gefunden.
Dies war aber nur die Spitze des Eis- (bzw. Leichenberges) Berges. Insgesamt fand
man 500 Knochen. Irgendwas war also faul in der Stadt Hannover. Die Bevölkeruing
wurde zusehens unruhiger angesichts des spurlosen Verschwindens zahlreicher 
Menschen und den Knochenfunden aus der Leine (welche durch Hannover fliesst).
Die Polizei war nun gezwungen, den Gerüchten um Fritze, die in der Altstadt kursierten,
nachzugehen. Unter anderem behauptete eine Frau, dass Haarmann ihr Menschenfleisch
(in Form von Steaks) verkauft hätte. Eine andere Frau behauptete: "Haarmann brachte
immer sauberes Wasser...ins Haus und blutiges Wasser wieder raus". Die Mutter 
eines Opfers haaten sogar die Kleidung ihres Sohnes auf dem Schwarzmarkt gesehen
(nun ratet mal wer die Sachen verkaufte...). Die Polizei ging diesen Hinweisen erst
später nach, weil Fritze für sie als Spitzel und Informant tätig war. Dies war auch der
Grund, warum Nachbarn und Anwohner nichts vom Treiben in der "roten Reihe Nr.4"
mitgekriegt haben wollen. Niemand wollte es sich mit dem "Herrn Kriminal" (wie fritze
auch scherzhaft genannt wurde) verderben. Er konnte also über einen langen Zeit-
raum hinweg (schätzungsweise von 1918 bis 1924) ungehindert morden.
Haarmann ging der Polizei allerdings mehr durch Zufall bei einem Streit auf dem Haupt-
bahnhof in die Fänge. Die Inspektion seiner Dachkammer bot ein Bild des Grauens:
Die Wände und der Fußboden waren von Menschenblut regelrecht durchtränkt. 
Ausserdem fand man die Kleidungsstücke einiger vermisster Jungen und Männer.
Fritze wurde daraufhin der Prozess gemacht. Nach seiner Verhaftung war er Anfangs
sehr niedergeschlagen. Er weinte viel. Nach dem Geständnis seiner Taten ver-
änderte sich sein Verhalten allerdings total. Er wurde regelrecht schwatzhaft und
wirkte albern bzw. kindisch. Hinter seinem angeblich "angeborenen Schwachsinn"
und seine "Inteligenzdefeken" verbarg sich (laut Theodor Lessing) "gespenstische
Schlauheit". Auf seinen psychiatrischen Gutachter (Ernst Schultze) wirkte Haarmann
manchmal wie ein Chamäleon. Schultze stellte (trotz gravierender Bildungslücken) fest,
dass Fritze durchaus über eine gute Beobachtungs- und Auffassungsgabe, eine ausser-
gewöhnliche Anpassungsfähigkeit, Schauspielertalent und ein sehr gutes Gedächtniss 
verfügte. Auch war er sich seiner (weltweiten) "Berühmtheit" durchaus bewusst.
Haarmann wurde für zurechnungsfähig erkläert und im Dezember 1924 wegen 24-fachen
Mordes (es konnten ihm "nur" 24 Morde wirklich nachgewiesen werden) zum Tode 
verurteilt. Er wollte auf dem Marktplatz öffentlich hingerichtet werden (daraus wurde 
allerdings nix) und seine letzten Wünsche waren: "Ein Käsebrot, eine Zigarre und eine
schöne Tasse Kaffee". Am 15.4.1925 wurde er um 6 Uhr im Gerichtsgefängnis in der
Leonardstrasse (heute nicht mehr existent) durch Scharfrichter Gröpler mit dem 
Fallbeil hingerichtet.
Sein konservierter Kopf befindet sich in der Gerichtsmedizin Göttingen (wo das Gehirn
nach dem Tod untersucht wurde). An Haarmanns Opfer erinnert ein Denkmal (Grabstein
mit den Namen aller (bekannter) Opfer) auf dem Stöckener Friedhof.
Sehr zu empfehlen zum Thema Haarmann ist auch der Film "DER TOTMACHER" (Kult!)
Gerste