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GESCHICHTEN
AUS DER SCHATTENWELT Stories
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Yeah!
Endlich mal wieder "Geschichten aus der Schattenwelt"! Das letzte
Mal war diese Rubrik im CFMD # 6 am Start und das Teil kam vor nunmehr
4 Jahren raus
Die nun folgende Geschichte wollte ich eigentlich schon lange mal in einem
Heft verbraten, doch irgendwie ist da bisher nichts draus geworden. Das
zwerchfellerschütternde bzw. vielleicht auch zum Nachdenken anregende
(ganz wie ihr wollt) Ereignis trug sich vor ca. 2 Jahren zu und es einfach
so für mich zu behalten, wäre schlichtweg zu schade. Doch jetzt
Schluss mit dem Geschwätz und ran an den Feind!
Es geschah an einem Herbstnachmittag, als ich nach der Arbeit meinen tschechischen
Boliden bestieg und noch fix mal (quasi um die Ecke) ins Zentrum (Hüstel!)
des verschissenen Drecknestes fuhr, welches es einfach nicht verdient
hat hier namentlich genannt zu werden (sächsisches Kleinstadtkaff
halt). Eine harte Woche lag hinter, ein freies Wochenende vor mir und
ich war bis dato (ausnahmsweise) mal richtig gut gelaunt.
Nachdem ich dann meinen Wochenendeinkauf (na ja ihr wisst schon: voll
bepackt mit tollen Sachen, die das Leben schöner machen
oder
so) erledigt hatte, musste ich noch zur Post, um ein paar CFMD's zu verschicken.
Da fiel mir ein Grüppchen von 5 noch ziemlich jungen Typen auf, die
von ihrem äußeren Erscheinungsbild her durchaus als Punks identifiziert
werden konnten. Die lümmelten Bier trinkend auf den Bänken des
Marktplatzes herum und starrten mich irgendwie komisch an, was ich überhaupt
nicht mag. Jedenfalls hatte ich die Leute vorher noch nie in diesem Kaff
gesehen.
Auf dem Rückweg von der Post wurde ich schließlich von ihnen
angelabert. Aus irgendeinem Grund entschloss ich mich sie nicht zu ignorieren
und es stellte sich heraus, dass die Typen tatsächlich nicht aus
der Gegend kamen, sondern hier nur irgendjemand besuchen wollten. Whatever
Sie sagten, dass sie nicht auf Stress aus wären, wenn ich ihnen plausibel
erklären würde, wie es denn angehen könne, dass ich mit
einem "Naziaufnäher" (wie bitte???) an der Jacke und dazu
gleichzeitig mit einem "Che Guevara Shirt" über meinem
Kadaver durch die Gegend laufe. Wie ich denn das miteinander vereinbaren
könne. Da fehlten mir erst mal die Worte! In was für einem Film
war ich denn da bitteschön gelandet? Bildete ich mir das alles nur
ein? Träumte ich? War ich "Verstehen Sie Spaß?" auf
den Leim gegangen? Mitnichten! Ich war hellwach und auch von der versteckten
Kamera fehlte jede Spur. Realsatire pur und Aufklärung war bitter
notwendig!
Doch zunächst (nachdem erste Anflüge von Hass verflogen waren)
brach ich in schallendes Gelächter aus und meine punkig gestylten
"Freunde" glotzten mich verdutzt an. Erst einmal erklärte
ich den Jungs, dass ich weder ein Nazi wäre, noch mit Che Guevara
das Geringste am Hut hätte (und nie und nimmer auf die Idee kommen
würde, ein Shirt von ihm anzuziehen!), dass der vermeintliche "Naziaufnäher"
mit den keltischen Schlangen auf meiner Jacke ein Patch der verblichenen
schwedischen Crustherde Wolfpack (später dann Wolfbrigade) sei und
dass ich es als dumm, ignorant und zutiefst beleidigend empfinde, wenn
Leute meine Alltime Faves Wolfpack als Nazis und keltische Kunst im Allgemeinen
(wie viele andere Sachen auch von den Nazis oft für ihre Zwecke missbraucht)
als "Nazi-Layout" bezeichnen. Diese Sache war danach offensichtlich
geklärt, denn das Grüppchen wurde verdächtig still und
spülte die Verlegenheit mit ein paar kräftigen Zügen Sterni
Export runter.
Danach musste ich natürlich auch noch ein paar Worte zu meinem "Che
Guevara"-Shirt mit dem Aufdruck "Die Yuppie Scum!" loswerden.
Der Haken an der Sache war folgender: Auf dem Shirt ist NICHT Ernesto
"Che" Guevara, sondern Charles "Charly" Manson abgebildet!
HAHAHA!!! Brüller!!! Ich habe echt schon eine Menge stranger Sachen
erlebt und schon viele kaputte Typen getroffen, aber dass jemand Che mit
Charly verwechselt
ohne Worte! So etwas ist mir bisher noch nicht
untergekommen! Peinlich, peinlich
Und wieder war bei dem Grüppchen die Verwunderung groß. Doch
halt, einer der Typen schien halbwegs einen Plan zu haben und nachdem
er seine Hirnzellen in Wallung versetzt hatte, fielen Begriffe wie "Serienkiller",
"Manson Family", "Helter Skelter" und "Sharon
Tate". Na bitte, es geht doch! Und ob ihr es glaubt, oder nicht:
Der moralische Zeigefinger ließ tatsächlich nicht lange auf
sich warten und es wurde als "bedenklich" und geradezu "verwerflich"
bezeichnet, dass ich mich mit dem Portrait von Charly "schmücken"
würde. Von so einem Typen trüge man doch keine Shirts und blabla
Und außerdem: Was hätte ich denn gegen den "großen
Revolutionär und Freiheitskämpfer" Che Guevara einzuwenden?
Der sei doch total "cool"! "Viva La Revolución!"
und so
Viva La Revolución? Jawoll, wieder 100 Punkte! Mit solchen Argumenten
waren die Jungs bei mir genau an der richtigen Adresse, denn: Wer den
doch ach so tollen "Revolutionär und Freiheitskämpfer"
Che Guevara (der (ohne kritische Hinterfragung seiner Person bzw. seiner
Handlungen) längst zu einem Teil der (pseudo)"alternativen"
Jugendkultur geworden ist und dessen Fresse inzwischen auf zahllosen "Merchandise
Artikeln" wie Shirts, Kapus, Flaggen, Kaffeetassen und weiß
der Geier was nicht noch alles abgebildet ist) als "cool" bezeichnet,
ist entweder ignorant as fuck, hat ein Faible für Vertreter autoritärer
Regime/Diktaturen oder hat sich offensichtlich noch nie mit den historischen
Fakten oder der Biographie dieser Person auseinandergesetzt!
Und ihr Lutscher behauptet, es sei "bedenklich" bzw. "verwerflich",
dass ich ein Manson-Shirt trage??? Come on, das ist ja wohl nicht Euer
Ernst, oder? Wie bitteschön sollte es dann demnach bezeichnet werden,
wenn Leute einen Typen (in diesem Falle Che) abfeiern und als "cool"
bezeichnen, der aktiv dabei mithalf, die Revolution gegen Batista zur
"Umgestaltung" Kubas in eine kommunistische Diktatur zu benutzen
(ganz "toll", from one extreme to another!), führend in
"Revolutionsgerichten" mitarbeitete (die mindestens 2000 potentielle
"Revolutionsgegner" zum Tode durch Erschießen verurteilten)
und schließlich so genannte "Lager für Besserungsarbeit"
errichten ließ, in die tausende Menschen hineingepfercht wurden
(nicht nur Anhänger des Batista-Regimes, Kollaborateure und Mitarbeiter
des US-Geheimdienstes, sondern auch Leute, die im Allgemeinen einfach
nicht ins neue, revolutionäre Gesamtbild passten (Kommunismusgegner,
Deserteure, kritische Intellektuelle, Homosexuelle, Anarchisten
)???
Nach diesem Statement herrschte erst mal wieder Schweigen im Walde. Man
gab zu, dass man davon bisher so direkt nichts gewusst hätte, aber
(und jetzt kommt's!) dass doch die Revolution gelegentlich im Blut gebadet
werden müsse (so nach dem Motto: "Wo gehobelt wird, da fallen
Späne."). Scheiße, jetzt war ich wirklich nicht mehr gut
gelaunt und meine Geduld hatte ihren Endpunkt erreicht! Bevor bei mir
die letzte Sicherung durchbrannte, entfernte ich mich vom Ort des Geschehens,
allerdings nicht ohne noch loszuwerden, dass die Jungs doch bitte an meine
Worte denken sollten, wenn sie selbst mal irgendwann in einem "Lager
für Besserungsarbeit" säßen (sag niemals nie
)
und dass, wenn sie mal so richtig Spaß haben wollten, sie doch abends
einfach mal zur nahe gelegenen Tanke gehen und dort mal die Jugendlichen
und jungen Erwachsenen (Redneck Ghetto Youth und schlimmer
) nach
den Motiven auf ihren Shirts und Patches fragen sollten. Ein 1. Hilfe-Kasten
befindet sich in jedem Pkw, die "112" müsste gemeinhin
als Notruf bekannt sein und die Nummer der Rettungsleistelle steht im
Telefonbuch
Tja Leute, was soll man dazu noch großartig sagen? Hart an der Schmerzgrenze!
Da haben sich mal wieder Abgründe aufgetan
Diese Geschichte
hat mich jedenfalls noch eine ganze Weile beschäftigt und ich musste
sie einfach mal zu Papier bringen. Ich enthalte mich jeglichen weiteren
Kommentars und sage: Bildet Euch Eure eigene Meinung!
Gerste
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